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Über das Buch

Das literarische Debüt von Edgar Selge: Ein Zwölfjähriger erzählt seine Geschichte zwischen Gefängnismauer und klassischer Musik. Exemplarisch und radikal persönlich. Eine Kindheit um 1960, in einer Stadt, nicht groß, nicht klein. Ein bürgerlicher Haushalt, in dem viel Musik gemacht wird. Der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen. Überall spürt der Junge Risse in dieser geordneten Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie. Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder seiner selbst betrachtet, erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Wenn sich der dreiundsiebzigjährige Edgar Selge gelegentlich selbst einschaltet, wird klar: Die Schatten der Kriegsgeneration reichen bis in die Gegenwart hinein. Edgar Selges Erzählton ist atemlos, körperlich, risikoreich. Voller Witz und Musikalität. Ob Bach oder Beethoven, Schubert oder Dvořák, Marschmusik oder Gospel: Wie eine zweite Erzählung legt sich die Musik über die Geschichte und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit.

Editionen (4)

ISBN9783644003675
VerlagROWOHLT E-Book
Erscheinungsdatum19.10.21
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

142 Bewertungen

20 Rezensionen

3,9

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  • lydik
    lydik

    195 Follower

    4,0

    Eine Kindheit in der Nachkriegszeit

    Edgar Selge schreibt hier über seine Kindheit. Wie er als Sohn eines Gefängnisdirektors groß wird. In seiner Kindheit ist das Gefängnis allgegenwärtig und die Zeit nach der SS beeinflusst das Leben der Familie Selge. Edgars Vater ist ein strenger Mann, der auch nicht vor härteren Methoden zurückschreckt. Man spürt regelrecht die Kühle in der Familie die Traumata, die nach nach dem Krieg sich noch widerspiegeln. Edgar ist kein einfaches Kind, eher wild und rebellisch, dass bringt ihn immer wieder in Situationen, die er auch später zum Teil bereut. Auch das er sich nie gegen die strenge Hand seines Vaters zur Wehr setzte. Die Familie ist sehr musikalisch und den Einfluss kann man regelrecht hören. Auch der Verlust seiner Brüder lässt Edgar Selge, sehr emotional, hier einfließen. Seine Mutter wirkt in allem sehr passiv und weiß sich ihrer Rolle nicht richtig zu behaupten. Alles in allem wirkt es wie eine Kindheit die streng geführt wird, wo Emotionen nicht raus durften. Wo trotzdem an Ritualen festgehalten wurde und Traumata nie richtig verarbeitet wurden. Mich hat es sehr bewegt, weil ich diese Melancholie die ganze Zeit spürte, wie man seine Kindheit oft betrachtet, mit diesem Gefühl der Traurigkeit, keiner Traurigkeit die schlecht ist, sondern einem auf unerklärliche Weise Wehmut und Vermissen herbeiführt. Das hat mich sehr berührt. ▪️Kindheit Nachkriegszeit ▪️Pianist ▪️Hauskonzerte ▪️Brüder ▪️Granate ▪️Trauma ▪️heimlich ins Kino ▪️strenger Vater▪️verdeckte Straftaten ▪️Abwasch

    Eine Kindheit in der Nachkriegszeit

    22. März 2026

  • 4,0

    „Wir kämpfen hier täglich hart um ein Zusammenleben, in dem Fröhlichkeit und gute Laune oberstes Gebot sind. Unsere Eltern wollen beweisen, dass der Krieg und die sogenannte schlechte Zeit vorbei sind. Jetzt muss Glanz her." Eine Kindheit in den 60er Jahren im nordrhein-westfälischen Herford.Hier spielt der autoibiographische Roman von Edgar Selge über die Nachkriegszeit. Aufgewachsen mit seinen Brüdern als Sohn des Direktors der Haftanstalt in Herford beschreibt Selge das Aufwachsen auf dem Gelände der Anstalt in einer Familie, in deren Mittelpunkt die Musik eine große Rolle spielt. Sie begleitet die Lesenden durch den kompletten Roman. Der Vater, ein begeisterter Klavierspieler lässt regelmäßig Konzerte für die Insassen in den eigenen vier Wänden stattfinden. Edgar erlebt eine Kindheit, in der Schläge und Strenge an der Tagesordnung sind. Die Eltern sind nach wie vor durch die Indoktrination der Nationalsozialisten geprägt. Den Antisemitismus können sie nicht ablegen. Dadurch kommt es zu regelmäßigen Diskussionen und Auseinandersetzungen am Essenstisch mit Edgars älteren Brüdern, die klar Position gegenüber den Eltern beziehen. Der Roman findet vorrangig in der Nachkriegszeit statt, springt aber immer wieder in die Gegenwart bzw. in Selges Erwachsenenleben und zieht so Schlüsse zwischen Erlebnissen aus der Kindheit und seinem Resümee als Erwachsener. Insbesondere die Beziehung zu seinem Vater kommt in dem Roman sehr stark zur Geltung mit Beschreibungen, die mich sehr schockierten und nachdenklich stimmten. Dabei empfand ich den Roman weniger ein Abrechnen mit seinem Vater sondern vielmehr ein Ringen mit einer Haltung gegenüber ihm und ein Verstehenwollen. Mich hat der Roman sehr beeindruckt, da Selge die Lesenden in die Nachkriegszeit eintauchen lässt und sehr einfühlsam das Leben eines heranwachsenden Jungen aus der Zeit beschreibt. Dabei ist der Roman sehr facettenreich. Neben den nachdenklichen und schockierenden Sequenzen, gibt es viele anrührende Situationsbeschreibungen zwischen ihm und seinen Brüdern.

    12. Jan. 2026

  • vheyming
    vheyming

    18 Follower

    4,0

    Das Buch liest sich durch den schönen Schreibstil sehr leicht und man kann hervorragend in Edgar's Kopf und Welt eintauchen. Allerdings finde ich manche Zeitsprünge etwas unklar und da ich nicht sehr mit der klassischen Musik verbunden bin, waren einige Ausführungen über die Musik mir persönlich zu lang. Auch wenn es authentisch zu der Figur gepasst hat.

    4. Juni 2024

3 von 20 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

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bruni
bruni14. Jan. 2025

Kindheit in den Nachkriegsjahren. Sehr eindringlich geschrieben, so dass man gar nicht aufhören kann zu lesen. Danke, Edgar Selge! Bis vor ein paar Tagen habe ich nicht gewußt, dass Sie ein so guter Autor sind.

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