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Jeder Mensch

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Über das Buch

Jeder Mensch hat das Recht …

Mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789 in Frankreich wurden die Grundsteine für unsere moderne Gesellschaft gelegt, für unsere Freiheit und unsere unveräußerlichen Rechte.

Das Erstaunliche an diesen Deklarationen ist, dass sie nicht die Wirklichkeit widerspiegelten. Die großen Manifeste der Menschheit verlangten eine Ordnung der Gesellschaft, die es noch nicht gab. Es waren Utopien.

Heute stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen. Globalisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimawandel: Die Gefahren, denen wir heute ausgesetzt sind, waren vor 200 Jahren noch nicht einmal vorstellbar. Wir brauchen deshalb neue, zusätzliche Menschenrechte.

Heute müssen wir wieder über unsere Gesellschaft entscheiden – nicht wie sie ist, sondern so, wie wir sie uns wünschen. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Ist das nicht die eigentliche Aufgabe unserer Zeit?

Editionen (3)

ISBN9783641283742
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum29.03.21
Seitenzahl32

Rezensionen & Bewertungen

221 Bewertungen

46 Rezensionen

4,1

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  • 5,0

    Ein kleines Buch mit großen Forderungen

    Ferdinand von Schirach widmet sich in „Jeder Mensch“ einer Idee, die ebenso einfach wie radikal ist: die Erweiterung der Europäischen Grundrechtecharta um sechs neue Grundrechte. Sein schmales Buch liest sich wie ein leidenschaftliches Plädoyer für eine humanere und gerechtere Zukunft Europas, in der Würde, digitale Selbstbestimmung und Umweltschutz nicht bloß politische Ziele, sondern einklagbare Rechte sind. Diese klare Vision ist die große Stärke des Textes. Schirach schafft es, abstrakte juristische und gesellschaftliche Herausforderungen verständlich und eindringlich zu formulieren. Er legt den Finger in die Wunden unserer Zeit: Machtmissbrauch digitaler Konzerne, ökologische Zerstörung, politische Ohnmacht des Einzelnen. Indem er konkrete neue Rechte formuliert, weist er Wege aus dem schwer zugänglichen und oft überbürokratisierten Gefüge des EU-Rechts. Seine Forderungen wirken wie eine Befreiung aus dem komplizierten Normendschungel und zeigen ein Vorschlag auf, der Mut macht. Doch gerade diese Einfachheit hat auch ihre Schattenseiten. Die von Schirach entworfenen Rechte sind von einer utopischen Reinheit, die notwendige politische Aushandlungsprozesse und Interessenskonflikte fast gänzlich ausblendet. Ein Recht auf „Wahrheit“ oder „Umwelt“ klingt überzeugend, aber wer definiert Wahrheit, wer garantiert Umweltschutz und wer trägt am Ende die Verantwortung? Der Glaube daran, dass ein paar neue Artikel in der Grundrechtecharta die strukturellen Probleme Europas lösen könnten, ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu optimistisch gedacht. (Ich lasse mich gerne eines Besseren überzeugen.) So bleibt „Jeder Mensch“ ein gerade deshalb wichtiges Buch: Es provoziert Diskussionen, fordert heraus und ruft zur Mitgestaltung auf. Schirach erinnert uns daran, dass Demokratie und Menschenrechte nie fertig sind. Utopisch? Sicherlich. Aber manchmal braucht es Utopien, um die Realität in Bewegung zu bringen. Dieses Buch ist ein pointierter Denkanstoß, der idealistisch, streitbar und absolut notwendig ist, um über die Zukunft unserer gemeinsamen europäischen Werte ins Gespräch zu kommen. Und gleichzeitig geht es mit dem dahinterstehenden Projekt (man sollte sich darauf einlassen, den QR-Code zu scannen) einen ersten Schritt in eine neue EU.

    23. Okt. 2025

  • lauchiii
    lauchiii

    190 Follower

    3,0

    3 ⭐️⭐️⭐️

    Wie man es von ihm kennt – sprachlich klar, reduziert und präzise.

    14. Feb. 2026

  • ni.kaa
    ni.kaa

    268 Follower

    4,0

    Guter Einblick in die Gedankengänge von Schirachs

    Ich wusste nicht, was ich bei ganzen 20 Seiten in einem kleinen Büchlein an Geschichte erwarten könnte. Ich muss aber gestehen, dass es gute 20 Seiten waren. Hauptsächlich thematisiert von Schirach, dass durch das stetige voranschreiten an Entwicklung und Fortschritt die Grundgesetze ggf. nicht mehr wirklich up-to-date wären und es aufgrund der Gegebenheiten neuer Grundgesetze bedürfe. Er gibt auch Vorschläge für die besagten Gesetze. Ich fand die Ansätze interessant und hätte mich über konkretere Ausführungen gefreut.

    15. Mai 2026

3 von 46 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Ferdinand von von Schirach

Der Spiegel nannte Ferdinand von Schirach einen »großartigen Erzähler«, die New York Times einen »außergewöhnlichen Stilisten«, der Independent verglich ihn mit Kafka und Kleist, der Daily Telegraph schrieb, er sei »eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur«. Seine Bücher wurden vielfach verfilmt und zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern. Sie erschienen in mehr als vierzig Ländern. Die Theaterstücke Terror und Gott zählen zu den erfolgreichsten Dramen unserer Zeit, und Essaybände wie Die Würde des Menschen ist antastbar sowie die Gespräche mit Alexander Kluge Die Herzlichkeit der Vernunft und Trotzdem standen monatelang auf den deutschen Bestsellerlisten. Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm u.a. die Erzählsammlung Nachmittage sowie der Theatermonolog Regen.

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