»Leïla Slimani gibt Frauen aus der islamischen Welt eine Stimme.« Le Monde
Zerrissenheit, Hoffnung, Aufbegehren. Frauen aus Marokko sprechen über Liebe, Gefühle, Sexualität. Über Heuchelei und den Wunsch nach Anerkennung. Eine berührende Sammlung sehr persönlicher Geschichten. Von der Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Dann schlaf auch du«.
»Ergreifend und schmerzlich.« Ben Jelloun
Sich zu seinen Gefühlen bekennen? Den Partner frei wählen? Alleine auf die Straße gehen? Von klein auf werden Mädchen in islamischen Ländern dazu erzogen, keine Schande über ihre Familien zu bringen. Ehebruch, Prostitution, Homosexualität werden in Marokko bis heute mit Gefängnis bestraft. Viele Frauen führen in Leïla Slimanis Geburtsland daher ein Doppelleben – zerrissen zwischen Tradition und Religion auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstbestimmung auf der anderen. Sechzehn sehr persönliche Geschichten versammelt die preisgekrönte Autorin und Journalistin in diesem Band. Ebenso mutige wie berührende Bekenntnisse, die Einblick geben in den Alltag von Frauen und in eine Welt im Umbruch.
»Für mich war es wichtig, das, was mir diese Frauen erzählt haben, ungefiltert niederzuschreiben. Ihre mitreißenden und eindringlichen Worte festzuhalten, die mich erschüttert und bewegt, mich wütend gemacht und empört haben.«
Leïla Slimani
In dem Buch werden eingie Storys von verschiedenen Marokkanischen Frauen erzählt. Dazwischen gibt es immer wieder Studien und die Meinung der Autorin.
Schöner und zugleich schockierender Einblick in die Sexualität. Zeigt aber auch auf, dass vieles nicht so hart gehandhabt wird, wie es online überall dargestellt wird. "Tu es heimlich, dann ist es allen egal."
Die Storys einiger Frauen haben mich schwer getroffen und regen zum Nachdenken an.
Man sollte für alles dankbar sein was man hat. Oder eben auch nicht. 🙏
18. Feb. 2023
4,0
In dem Buch werden eingie Storys von verschiedenen Marokkanischen Frauen erzählt. Dazwischen gibt es immer wieder Studien und die Meinung der Autorin.
Schöner und zugleich schockierender Einblick in die Sexualität. Zeigt aber auch auf, dass vieles nicht so hart gehandhabt wird, wie es online überall dargestellt wird. "Tu es heimlich, dann ist es allen egal."
Die Storys einiger Frauen haben mich schwer getroffen und regen zum Nachdenken an.
Man sollte für alles dankbar sein was man hat. Oder eben auch nicht. 🙏
"Als Jugendliche habe ich verstanden, dass meine Vagina alle etwas anging. Die Gesellschaft hatte Anspruch auf sie. Die Jungfräulichkeit ist in Marokko und in der arabischen Welt ein alles beherrschendes Thema. Liberal oder nicht, religiös oder nicht, man entkommt ihm nicht. Nach dem Familiengesetz muss jede Frau, ehe sie heiratet, ein 'Keuschheitszertifikat' vorlegen. Die Jungfräulichkeit des Mannes, die unmöglich zu beweisen und in Wahrheit auch nicht gefragt ist, kümmert selbstverständlich niemanden. (..) Als Frau erwachsen zu werden ist ein mit Demütigungen gepflasterter Weg."
Slimani hat einige Interviews mit marokkanischen Frauen (und zwei Männern) geführt und diese in Bezug auf Sexualität in Marokko zu Wort kommen lassen. Die Berichte sind, für eine westlich geprägte Person, schockierend und schwer nachvollziehbar. Slimani, die das Gesagte meistens in einen Kontext rückt, sowie die Gesprächspartnerinnen prangern selbst die Heuchelei an, die das Ausleben von Sexualität zwar erlaubt - aber nur, so lange es niemand mitbekommt. Man kann sich vorstellen, was das für Abtreibungen bedeutet. So schwer es ist, sehr erniedrigende Berichte von unterdrückten Frauen zu lesen, muss man sich zwei Dinge vor Augen halten: zum einen leiden die Männer ebenfalls darunter (wenn auch in kleinerem Umfang), zum anderen muss man sich beim Lesen über die westliche Brille bewusstwerden, die man selbst trägt.
Auch, wenn der Umgang mit Sexualität in Marokko rückständig wirkt (aus feministischer Perspektive definitiv), ist der Westen nicht das Maß aller Dinge und auch nicht unbedingt erstrebenswert für Menschen mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund.
Nichtsdestotrotz wünsche ich den Marokkaner:innen natürlich sehr eine sexuelle Revolution, insbesondere den LGBTIQ+, die in diesem Buch nur am Rande zu Wort kommen und sicherlich noch mehr unter der aktuellen Situation leiden.
17. Sept. 2022
5,0
"Als Jugendliche habe ich verstanden, dass meine Vagina alle etwas anging. Die Gesellschaft hatte Anspruch auf sie. Die Jungfräulichkeit ist in Marokko und in der arabischen Welt ein alles beherrschendes Thema. Liberal oder nicht, religiös oder nicht, man entkommt ihm nicht. Nach dem Familiengesetz muss jede Frau, ehe sie heiratet, ein 'Keuschheitszertifikat' vorlegen. Die Jungfräulichkeit des Mannes, die unmöglich zu beweisen und in Wahrheit auch nicht gefragt ist, kümmert selbstverständlich niemanden. (..) Als Frau erwachsen zu werden ist ein mit Demütigungen gepflasterter Weg."
Slimani hat einige Interviews mit marokkanischen Frauen (und zwei Männern) geführt und diese in Bezug auf Sexualität in Marokko zu Wort kommen lassen. Die Berichte sind, für eine westlich geprägte Person, schockierend und schwer nachvollziehbar. Slimani, die das Gesagte meistens in einen Kontext rückt, sowie die Gesprächspartnerinnen prangern selbst die Heuchelei an, die das Ausleben von Sexualität zwar erlaubt - aber nur, so lange es niemand mitbekommt. Man kann sich vorstellen, was das für Abtreibungen bedeutet. So schwer es ist, sehr erniedrigende Berichte von unterdrückten Frauen zu lesen, muss man sich zwei Dinge vor Augen halten: zum einen leiden die Männer ebenfalls darunter (wenn auch in kleinerem Umfang), zum anderen muss man sich beim Lesen über die westliche Brille bewusstwerden, die man selbst trägt.
Auch, wenn der Umgang mit Sexualität in Marokko rückständig wirkt (aus feministischer Perspektive definitiv), ist der Westen nicht das Maß aller Dinge und auch nicht unbedingt erstrebenswert für Menschen mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund.
Nichtsdestotrotz wünsche ich den Marokkaner:innen natürlich sehr eine sexuelle Revolution, insbesondere den LGBTIQ+, die in diesem Buch nur am Rande zu Wort kommen und sicherlich noch mehr unter der aktuellen Situation leiden.
Meine Meinung:
Obwohl die Emanzipation der Frau auch in Deutschland noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, halten wir viele Dinge für ganz selbstverständlich. So zum Beispiel die Entscheidung darüber, wann wir mit wem intim werden und wie weit wir dabei gehen. Leila Slimani zeigt, dass dies in einigen Teilen der Welt (hier Marokko) schier undenkbar ist. Sie erörtert in ihrem Vorwort zunächst die gesellschaftliche und kulturelle Situation in Marokko, führt den Leser in die Problematik ein, die mit dem Festhalten an alten Wertevorstellungen in der heutigen Zeit einhergeht.
Sie gibt marokkanischen Frauen eine Stimme, die aus gut nachvollziehbaren Gründen nicht für sich selbst sprechen können:
Ihre Sexualität, ihr Körper wird von der Gesellschaft, der Religion, der Politik, sogar vom Gesetz tagtäglich beeinflusst und stark eingeschränkt. Keine der Frauen möchte sich öffentlich zu dem Thema äußern, da sie in Ungnade fallen, Schande über die Familie, ja sogar verhaftet werden könnte, sollte jemals herauskommen, dass sie zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht unberührt war, dass sie sich vielleicht zu Frauen hingezogen fühlt, dass sie möglicherweise sogar Ehebruch begangen hat.
Leila Slimani und die Frauen, für die sie spricht, bringen uns die marokkanische Kultur näher. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie erzählen von arrangierten Ehen, Gewalt, Unterdrückung, von Angst. Angst davor, den Ruf der Familie zu ruinieren, Angst davor, im Gefängnis zu landen, Angst davor, niemals sexuell, aber auch emotional, frei zu sein.
Sie zeigen, welche Rolle die fräuliche „Reinheit“ in der Gesellschaft einnimmt. Einige gehen sogar so weit, sich das Jungfernhäutchen wieder herstellen zu lassen, um Spott und Gefahren durch Männer und auch andere Frauen zu entgehen. Dieses Thema bestimmt also das Leben aller. Es findet sich in der Erziehung, in den Umgangsformen zwischen den Geschlechtern, in der Politik, im Gesetz, im Alltag eines Jeden wider. Dadurch sind nicht bloß Frauen, sondern auch Männer von dem Tabuthema Sexualität betroffen.
Die Erzählungen der Frauen sind sich alle sehr ähnlich. Die schiere Anzahl und die Tatsache, dass Frauen aus allen möglichen Schichten, aus allen möglichen Altersklassen betroffen sind, hilft Slimani allerdings in ihrem Versuch, auf die Problematik aufmerksam zu machen und Veränderung herbeizuführen.
Das Buch war sehr leicht zu lesen und hat mich sensibilisiert. Obwohl ich vorher bereits wusste, dass das Thema andernorts komplizierter ist, hat „Sex und Lügen“ mir die Problematik in Erinnerung gerufen und mir die Augen geöffnet. Doch obwohl man sich für die marokkanischen Frauen eine baldige Veränderung wünscht, scheint niemand eine klare Lösung zu kennen. Sie selbst halten an ihren Traditionen und ihren Wertevorstellungen fest und vermitteln sie weiter an die nächste Generation, was Wandel erschwert.
5 von 5 Sternen und ein großes Dankeschön an den btb Verlag und die Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
24. Feb. 2023
5,0
Meine Meinung:
Obwohl die Emanzipation der Frau auch in Deutschland noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, halten wir viele Dinge für ganz selbstverständlich. So zum Beispiel die Entscheidung darüber, wann wir mit wem intim werden und wie weit wir dabei gehen. Leila Slimani zeigt, dass dies in einigen Teilen der Welt (hier Marokko) schier undenkbar ist. Sie erörtert in ihrem Vorwort zunächst die gesellschaftliche und kulturelle Situation in Marokko, führt den Leser in die Problematik ein, die mit dem Festhalten an alten Wertevorstellungen in der heutigen Zeit einhergeht.
Sie gibt marokkanischen Frauen eine Stimme, die aus gut nachvollziehbaren Gründen nicht für sich selbst sprechen können:
Ihre Sexualität, ihr Körper wird von der Gesellschaft, der Religion, der Politik, sogar vom Gesetz tagtäglich beeinflusst und stark eingeschränkt. Keine der Frauen möchte sich öffentlich zu dem Thema äußern, da sie in Ungnade fallen, Schande über die Familie, ja sogar verhaftet werden könnte, sollte jemals herauskommen, dass sie zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht unberührt war, dass sie sich vielleicht zu Frauen hingezogen fühlt, dass sie möglicherweise sogar Ehebruch begangen hat.
Leila Slimani und die Frauen, für die sie spricht, bringen uns die marokkanische Kultur näher. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie erzählen von arrangierten Ehen, Gewalt, Unterdrückung, von Angst. Angst davor, den Ruf der Familie zu ruinieren, Angst davor, im Gefängnis zu landen, Angst davor, niemals sexuell, aber auch emotional, frei zu sein.
Sie zeigen, welche Rolle die fräuliche „Reinheit“ in der Gesellschaft einnimmt. Einige gehen sogar so weit, sich das Jungfernhäutchen wieder herstellen zu lassen, um Spott und Gefahren durch Männer und auch andere Frauen zu entgehen. Dieses Thema bestimmt also das Leben aller. Es findet sich in der Erziehung, in den Umgangsformen zwischen den Geschlechtern, in der Politik, im Gesetz, im Alltag eines Jeden wider. Dadurch sind nicht bloß Frauen, sondern auch Männer von dem Tabuthema Sexualität betroffen.
Die Erzählungen der Frauen sind sich alle sehr ähnlich. Die schiere Anzahl und die Tatsache, dass Frauen aus allen möglichen Schichten, aus allen möglichen Altersklassen betroffen sind, hilft Slimani allerdings in ihrem Versuch, auf die Problematik aufmerksam zu machen und Veränderung herbeizuführen.
Das Buch war sehr leicht zu lesen und hat mich sensibilisiert. Obwohl ich vorher bereits wusste, dass das Thema andernorts komplizierter ist, hat „Sex und Lügen“ mir die Problematik in Erinnerung gerufen und mir die Augen geöffnet. Doch obwohl man sich für die marokkanischen Frauen eine baldige Veränderung wünscht, scheint niemand eine klare Lösung zu kennen. Sie selbst halten an ihren Traditionen und ihren Wertevorstellungen fest und vermitteln sie weiter an die nächste Generation, was Wandel erschwert.
5 von 5 Sternen und ein großes Dankeschön an den btb Verlag und die Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
24. Feb. 2023
3 von 6 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Leïla Slimani
Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)