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Schnell leben

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Über das Buch

Vor zwanzig Jahren hat Brigitte Giraud den Mann ihres Lebens, Claude, bei einem Motorradunfall verloren. Drei Tage später ist sie mit ihrem kleinen Sohn in das neue Haus, das sie zusammen mit Claude gekauft hat und in dem er nun niemals wohnen wird, gezogen. Wer die Schuld an dem Unfall trägt, bleibt unaufgeklärt, ihre Fragen unbeantwortet. Als sie zwanzig Jahre später gezwungen ist, das Haus zu verkaufen, das dem Erdboden gleichgemacht werden wird, fühlt es sich für sie an, als würde sie Claudes Seele verkaufen. Der Moment ist gekommen, sich ihrer Vergangenheit zuzuwenden. Erstmals traut sie sich, sich dem »Was wäre gewesen, wenn« zu stellen. Girauds intime Suche umkreist universelle Fragen: »Was im Leben löst die Katastrophe aus? Existiert das Schicksal?« Schnell leben ist eine Liebesgeschichte, eine Erzählung über Schuld, ohne Schuldige zu benennen, ein Porträt der Abwesenheit. Für »Schnell leben« erhielt Brigitte Giraud 2022 den bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs, den Prix Goncourt. »Brigitte Giraud erzählt eine tragische Liebesgeschichte und fragt nach Schicksal und Schuld. Klingt spannend? Dann bitte lesen!« (WDR, Christine Westermann) »Brigitte Giraud hat einen Liebesroman über einen Abwesenden geschrieben, der eine fast obsessive Spannung entwickelt. ›Schnell leben‹ ist ein grandioses Memoir und eine hochemotionale Spekulation mit dem Schicksal. Michael Kleebergs Übersetzung gibt den atemlosen Ton des Buches hervorragend wider.« (Tagesspiegel, Franziska Wolffheim)

Editionen (4)

ISBN9783627023218
VerlagFrankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum31.08.23
Seitenzahl200

Rezensionen & Bewertungen

44 Bewertungen

11 Rezensionen

4,0

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  • 5,0

    Ein autobiografisches Buch über das Schicksal!👏🤩

    Dieser autobiografische Roman der Französin Brigitte Giraud hat 2022 den Prix Goncourt gewonnen, den größten französischen Buchpreis (was für mich ein wahres Gütesiegel ist, da ich noch nie ein Buch gelesen habe, dass den Preis verliehen bekam und ich nicht mochte. Daher habe ich auch den Plan entwickelt, nach und nach alle Prix-Goncourt-Bücher zu lesen und bin aus ebenjenem Grund auf dieses Schätzchen hier gestoßen). Vor über 20 Jahren, im Sommer 1999, hat Brigitte ihren Mann Claude verloren bei einem Motorradunfall - ein harter Schicksalsschlag für die junge Frau, denn sie stand fortan alleine da mit ihrem Sohn. Ganz kurz davor hatten die beiden ein Haus gekauft und nur drei Tage nach diesem Unfall musste sie dann dort einziehen mit ihrem gemeinsamen Sohn, der zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre alt war. Dieses Haus war ihr gemeinsamer Traum, umso schwerer fällt es ihr, dort nun als unvollständige Familie einzuziehen. Die Frage, wer die Schuld an diesem Unfall trägt, ist nicht geklärt. Über 20 Jahre später startet dieses Buch. Brigitte muss dieses Haus verkaufen, weil ein Bauunternehmen das Grundstück gekauft hat und es abreißen lassen will. Für Brigitte fühlt es sich an, als würde sie ihre Seele verkaufen und vielleicht auch die von Claude, weil es eben der letzte gemeinsame große Schritt war, dieses Haus zu kaufen. Und genau deswegen ist dieser Zwangsverkauf für sie auch der Auslöser gedanklich zurückzukehren ins Jahr 1999. Und sie beginnt den Tag von Claudes Tod akribisch zu rekonstruieren mit der Frage, was diesen Unfall hätte verhindern können. Sie wählt dafür eine spannende Herangehensweise und zwar die der „Wenns“, 23 an der Zahl. Zum Beispiel „Wenn mein Großvater sich nicht umgebracht hätte“ - denn von ihm hatten sie das Geld geerbt, mit dem sie das Haus bezahlt haben. Oder auch „Wenn mein Bruder nicht plötzlich eine Woche Urlaub genommen hätte“, denn ihm gehörte das Motorrad, das er bei Claude und Brigitte abgestellt hatte, das Unfallmotorrad. „Wenn ich Claude angerufen hätte, wie ich es hätte tun sollen, anstatt mir Elaines neue Liebesgeschichten anzuhören“ dann hätte Brigitte ihm gesagt, er müsse den Sohn nicht von der Schule abholen, was wahrscheinlich alles geändert hätte. Dieses „hätte ich doch“ hat mich echt umgetrieben. „Wenn Stephen King am Samstag den 19. Juni 1999 gestorben wäre“ - das wäre nur wenige Tage vor Claudes Unfall gewesen und Brigitte schlussfolgert daraus, (weil Stephen King an besagtem Tag einen Motorradunfall hatte), wenn so eine große kulturelle Figur gestorben wäre, dann hätte Claude sich vielleicht nicht zwei Tage später auf ein Motorrad gesetzt. Es ist Wahnsinn, sich zu überlegen, was alles hätte passieren bzw. nicht hätte passieren dürfen, um diesen Unfall zu verhindern. Sie klamüsert die allerkleinsten Details dieses Tages auseinander und macht sie zum Anlass verhindern zu können, dass Claude stirbt. Dabei gibt die Autorin ganz viele Einblicke in die damalige Zeit und ihr gemeinsames Leben mit Claude und welch eine Lücke sein Tod in ihr Leben gerissen hat. Eigentlich ist dieses Buch eine große Suche nach dem Schuldigen und macht bewusst, dass jeder kleine Minischritt den Verlauf hätte ändern können. Ich finde dieses Buch ganz besonders mutig, da ich es als eine Form der Trauerbewältigung gelesen habe, die sie hier mit uns teilt. Es ist ein Buch über das Leben, aber auch im Speziellen über die Liebe, ich würde es als eine Art emotionale Faktenrecherche bezeichnen. Doch wo führt es hin, wirklich jedem „Was wäre, wenn“ nachzugehen?! Ist dies eine sinnvolle Bewältigungsstrategie bzw. inwiefern kann es helfen, mit der eigenen Trauer umzugehen?! Muss man wirklich jeden einzelnen Schritt nachvollziehen, der zu einem Tod geführt hat, um damit abschließen zu können?! Brigitte Giraud bleibt uns diese Antwort nicht schuldig und ich bin dankbar für diese Erkenntnis, die sie mir mit auf meinen Lebensweg gegeben hat. Lest es, wenn ihr auch in irgendeiner Weise mit dem Schicksal oder dem Tod eines geliebten Menschen hadert. Ich verspreche: Es lohnt sich!

    18. März 2025

  • ingeheydeck
    ingeheydeck

    146 Follower

    3,0

    Ein Buch der Konjunktive. Was wäre gewesen, wenn...was hätte den Unfalltod von Claude vor 20 Jahren verhindern können ?

    Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut- war durch die positive Rezension im Podcast "Zwei Seiten" darauf aufmerksam geworden. Letztendlich hat mich die Geschichte emotional nicht erreicht; vllt.bedingt durch den eher sachlichen Stil der Autorin. Schade!

    5. Feb. 2025

  • marzipanhirsch
    marzipanhirsch

    122 Follower

    4,0

    20 Jahre nach dem Unfalltod ihres Lebensgefährten beschäftigt sich Brigitte Giraud mit den vielen kleinen Zufällen, die letztendlich dazu geführt haben, dass ihr Lebensgefährte am 22. Juni 1999 auf das Motorrad ihres Bruders steigt und damit tödlich verunglückt. Jedes Kapitel ein anderes "was wäre wenn". Ein Buch über die unzähligen kleinen Zufälle, die im Hintergrund unser Leben mitbestimmen und gleichzeitig eine Liebeserklärung an ihren verstorbenen Partner. Sehr traurig, sehr berührend.

    27. März 2024

3 von 11 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Brigitte Giraud

Brigitte Giraud wurde 1960 in Sidi Bel-Abbès (Algerien) geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Lyon, wo sie auch heute noch lebt. Sie arbeitete als Buchhändlerin (u. a. in Lübeck), als Übersetzerin und Journalistin. Sie veröffentlichte zahlreiche mit Preisen ausgezeichnete Romane. Für »Schnell leben« erhielt sie 2022 den bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs, den Prix Goncourt.

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