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"As I lay dying" - allein der Romantitel des 1930 veröffentlichten Romans des Literaturnobelpreisträgers William Faulkner klingt nach (düsterer) Poesie. Und tatsächlich sah der Schriftsteller die Lyrik als die höchste Kunst des Schreibens an, doch wer an der Dichtkunst und an dem Verfassen von Kurzgeschichten scheitere, werde eben Romancier! Glück für alle, die nun mit Staunen diesen unglaublich atmosphärischen Roman lesen können und sich von dem komplexen und multiperspektiv angelegten Bewußtseinsstrom mitreißen lassen möchten. Der Roman liegt hier in einer Neuübersetzung aus dem Jahre 2012 von Maria Carlsson vor. Doch worum geht es in "Als ich im Sterben lag"? Nun, zu Beginn der Geschichte liegt tatsächlich eine Frau im Sterben. Wir begeben uns in die ländliche Gegend, nahe des Mississippi. Während die Farmersfrau Addie Bundren in ihren letzten Zügen liegt, zimmert ihr ältester Sohn Cash in Eile ihren ⚰ Sarg zusammen. Die Luft ist zum Zerreißen gespannt, es riecht bereits nach dem Regen, den ein herannahender Sturm bringt. Der zahnlose Ehemann, der sich nach einem ordentlichen Gebiss sehnt, ist entschlossen, den letzten Wunsch seiner sterbenden Ehefrau zu erfüllen und die Tote gemeinsam mit seinen Söhnen Cash, Darl, Jewel, und Vardaman sowie der Tochter Dewey Dell in deren Herkunftsort Jefferson (fiktiv) zu überführen. Doch diese Überführung erweist sich als tragisch-komische Odyssee, welche Geheimnisse der Reisenden zum Vorschein und alle Beteiligten an die körperlichen und mentalen Grenzen bringt. Obwohl es an komplex angelegten Figuren nicht mangelt, erscheint es beim Lesen so, als würde noch eine weitere, unbenannte, Erzählstimme ins Ohr flüstern. Doch anders als beim auktorialen Erzählen schwebt diese nicht über der Handlung, sondern scheint zwischen den Zeilen zu liegen. Gleich einem Sterbenden haucht diese Stimme uns Worte ins Ohr, die kaum greifbar erscheinen, die wir aber doch als kostbar betrachten wollen, auch wenn sich der Sinn nicht (gänzlich) erschließen mag. Ob man sich persönlich für diese dunkle Poesie, die sich dem Philosophischen hinzuneigen scheint, öffnen möchte, mag man vielleicht nach dem Betrachten der folgenden Textstelle für sich entscheiden: "Jenseits der unbeleuchteten Wand kann ich den Regen hören, wie er dem Wagen Gestalt gibt, der uns gehört, und der Ladung, die nicht mehr denen gehört, die die Bäume gefällt und zersägt haben, und noch nicht den Käufern und auch nicht uns, obgleich sie auf unserem Wagen liegt, denn der Wind und der Regen allein geben ihm Gestalt für Jewel und mich, die wir nicht schlafen. Und weil der Schlaf ein "ist-nicht" ist, und Wind und Regen ein "war" ist, wird Addie Bundren nicht sein. Und doch "ist" der Wagen, denn wenn der Wagen "war" ist, wird Addie Bundren nicht sein. Und Jewel "ist", also muss Addie Bundren sein. Und also muss auch ich sein, sonst könnte ich mich nicht in einem fremden Zimmer leer machen für den Schlaf. Und darum, wenn ich mich noch nicht leer gemacht habe, bin ich "ist". Wie oft habe ich unterm Regen auf einem fremden Dach gelegen und an zu Hause gedacht." - Zitat, Seite 79 FAZIT Dies war mein allererster Versuch mit dem Werk von William Faulkner und ich bin absolut fasziniert. Den Roman habe ich in einem Zug durchgelesen und nur innegehalten, um mir einige Textpassagen zu notieren. Ich fühlte mich förmlich hineingezogen in den Text, der mich immer wieder überrascht und zunehmend bezauberte. William Faulkner hat wohl einen speziellen Sinn für Humor, der mich persönlich sehr anspricht. Und die Poesie in seiner Prosa ist einfach göttlich. Wer wagt ebenfalls das Experiment dieser Lektüre? "Die ersten schweren Tropfen rascheln durchs Laub und auf die Erde mit einem langen Seufzen, als seien sie von einer unerträglichen Spannung erlöst." - Zitat, Seite 75
6. Feb. 2026
"As I lay dying" - allein der Romantitel des 1930 veröffentlichten Romans des Literaturnobelpreisträgers William Faulkner klingt nach (düsterer) Poesie. Und tatsächlich sah der Schriftsteller die Lyrik als die höchste Kunst des Schreibens an, doch wer an der Dichtkunst und an dem Verfassen von Kurzgeschichten scheitere, werde eben Romancier! Glück für alle, die nun mit Staunen diesen unglaublich atmosphärischen Roman lesen können und sich von dem komplexen und multiperspektiv angelegten Bewußtseinsstrom mitreißen lassen möchten. Der Roman liegt hier in einer Neuübersetzung aus dem Jahre 2012 von Maria Carlsson vor. Doch worum geht es in "Als ich im Sterben lag"? Nun, zu Beginn der Geschichte liegt tatsächlich eine Frau im Sterben. Wir begeben uns in die ländliche Gegend, nahe des Mississippi. Während die Farmersfrau Addie Bundren in ihren letzten Zügen liegt, zimmert ihr ältester Sohn Cash in Eile ihren ⚰ Sarg zusammen. Die Luft ist zum Zerreißen gespannt, es riecht bereits nach dem Regen, den ein herannahender Sturm bringt. Der zahnlose Ehemann, der sich nach einem ordentlichen Gebiss sehnt, ist entschlossen, den letzten Wunsch seiner sterbenden Ehefrau zu erfüllen und die Tote gemeinsam mit seinen Söhnen Cash, Darl, Jewel, und Vardaman sowie der Tochter Dewey Dell in deren Herkunftsort Jefferson (fiktiv) zu überführen. Doch diese Überführung erweist sich als tragisch-komische Odyssee, welche Geheimnisse der Reisenden zum Vorschein und alle Beteiligten an die körperlichen und mentalen Grenzen bringt. Obwohl es an komplex angelegten Figuren nicht mangelt, erscheint es beim Lesen so, als würde noch eine weitere, unbenannte, Erzählstimme ins Ohr flüstern. Doch anders als beim auktorialen Erzählen schwebt diese nicht über der Handlung, sondern scheint zwischen den Zeilen zu liegen. Gleich einem Sterbenden haucht diese Stimme uns Worte ins Ohr, die kaum greifbar erscheinen, die wir aber doch als kostbar betrachten wollen, auch wenn sich der Sinn nicht (gänzlich) erschließen mag. Ob man sich persönlich für diese dunkle Poesie, die sich dem Philosophischen hinzuneigen scheint, öffnen möchte, mag man vielleicht nach dem Betrachten der folgenden Textstelle für sich entscheiden: "Jenseits der unbeleuchteten Wand kann ich den Regen hören, wie er dem Wagen Gestalt gibt, der uns gehört, und der Ladung, die nicht mehr denen gehört, die die Bäume gefällt und zersägt haben, und noch nicht den Käufern und auch nicht uns, obgleich sie auf unserem Wagen liegt, denn der Wind und der Regen allein geben ihm Gestalt für Jewel und mich, die wir nicht schlafen. Und weil der Schlaf ein "ist-nicht" ist, und Wind und Regen ein "war" ist, wird Addie Bundren nicht sein. Und doch "ist" der Wagen, denn wenn der Wagen "war" ist, wird Addie Bundren nicht sein. Und Jewel "ist", also muss Addie Bundren sein. Und also muss auch ich sein, sonst könnte ich mich nicht in einem fremden Zimmer leer machen für den Schlaf. Und darum, wenn ich mich noch nicht leer gemacht habe, bin ich "ist". Wie oft habe ich unterm Regen auf einem fremden Dach gelegen und an zu Hause gedacht." - Zitat, Seite 79 FAZIT Dies war mein allererster Versuch mit dem Werk von William Faulkner und ich bin absolut fasziniert. Den Roman habe ich in einem Zug durchgelesen und nur innegehalten, um mir einige Textpassagen zu notieren. Ich fühlte mich förmlich hineingezogen in den Text, der mich immer wieder überrascht und zunehmend bezauberte. William Faulkner hat wohl einen speziellen Sinn für Humor, der mich persönlich sehr anspricht. Und die Poesie in seiner Prosa ist einfach göttlich. Wer wagt ebenfalls das Experiment dieser Lektüre? "Die ersten schweren Tropfen rascheln durchs Laub und auf die Erde mit einem langen Seufzen, als seien sie von einer unerträglichen Spannung erlöst." - Zitat, Seite 75
6. Feb. 2026







