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Lothar-Günther Buchheims „Das Boot“ (1973) ist ein Monster von einem Buch – nicht nur wegen seiner Länge von rund 600 Seiten, sondern vor allem wegen der Wucht, mit der es einen in die enge, stinkende Stahlröhre eines deutschen U-Boots während des Zweiten Weltkriegs zieht. Wer das liest, sitzt mit drin, spürt förmlich den Schweiß, das ranzige Öl, die abgestandene Luft und die latente Panik, die jede Sekunde explodieren könnte. Das Buch ist versaut – und zwar auf eine Weise, die man als Leser so gar nicht erwartet hätte. Die Crew redet genau so, wie abgehärtete, monatelang eingesperrte Kerle ohne Frauen reden würden: derb, obszön, voller „Fotzen“-Witze, Schwanz-Geschichten und Bordell-Erinnerungen. Das ist kein puritanisches Kriegsdrama, sondern ein authentisches Macho-Männer-Gequatsche, das Buchheim (selbst als Kriegsberichterstatter dabei) gnadenlos wiedergibt. Manche Passagen wirken fast wie Porno mit Tiefgang – aber genau das macht es glaubwürdig. Es ist nicht geschönt, nicht heroisch, sondern roh und menschlich ekelhaft. Und ja, manchmal lacht man laut auf, weil es so übertrieben dreckig ist. Haha. Trotzdem: Das Buch ist teilweise verwirrend. Buchheim schreibt in einem Stil, voller Sinneseindrücke, Geräusche, Gerüche und innerer Monologe. Militärische Ausdrücke, U-Boot-Jargon fliegen einem nur so um die Ohren, ohne immer erklärt zu werden. Als Laie braucht man manchmal ein paar Dutzend Seiten, bis man den Dreh raus hat – und selbst dann bleibt es stellenweise nebulös. Die Chronologie springt hin und her, besonders bei den Land-Abschnitten und Rückblenden. Die Atmosphäre ist der absolute Hammer. Man fühlt die Enge, die Klaustrophobie, die Anspannung beim Tiefentauchen, das Dröhnen der Wasserbomben, das Tropfen von Kondenswasser, den Gestank von Diesel und ungewaschenen Körpern. Es ist, als würde man selbst 50 Mann in einer Sardinenbüchse erleben – und das über Wochen. Die poetischen Beschreibungen des Meeres (Stürme, ruhige See, Dämmerung) sind wunderschön und kontrastieren brutal mit dem Inferno im Boot. Aber ja: Es wird manchmal langatmig. Die endlosen „Gammelei“-Phasen, das ewige Warten, die Wiederholungen von Alltagsroutine und älteren Eindrücken an Land (Bordelle, Kneipen, Frauen) ziehen sich. Manche Leser brechen da ab – verständlich. Es ist kein Action-Thriller, sondern ein quälend langsames Psychogramm von Männern am Rande des Wahnsinns. Fazit: Wer einen glatt polierten Kriegsroman sucht, wird enttäuscht. Wer aber die rohe, ungeschminkte Wahrheit vom U-Boot-Krieg erleben will – mit all dem Schmutz, der Vulgarität, der Langeweile und der existenziellen Angst – kommt um „Das Boot“ nicht herum. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das unter die Haut geht und lange nachhallt. Empfehlung: Durchbeißen, atmen lernen und mittauchen. 4 von 5 Sardinenbüchsen.
21. Feb. 2026
Lothar-Günther Buchheims „Das Boot“ (1973) ist ein Monster von einem Buch – nicht nur wegen seiner Länge von rund 600 Seiten, sondern vor allem wegen der Wucht, mit der es einen in die enge, stinkende Stahlröhre eines deutschen U-Boots während des Zweiten Weltkriegs zieht. Wer das liest, sitzt mit drin, spürt förmlich den Schweiß, das ranzige Öl, die abgestandene Luft und die latente Panik, die jede Sekunde explodieren könnte. Das Buch ist versaut – und zwar auf eine Weise, die man als Leser so gar nicht erwartet hätte. Die Crew redet genau so, wie abgehärtete, monatelang eingesperrte Kerle ohne Frauen reden würden: derb, obszön, voller „Fotzen“-Witze, Schwanz-Geschichten und Bordell-Erinnerungen. Das ist kein puritanisches Kriegsdrama, sondern ein authentisches Macho-Männer-Gequatsche, das Buchheim (selbst als Kriegsberichterstatter dabei) gnadenlos wiedergibt. Manche Passagen wirken fast wie Porno mit Tiefgang – aber genau das macht es glaubwürdig. Es ist nicht geschönt, nicht heroisch, sondern roh und menschlich ekelhaft. Und ja, manchmal lacht man laut auf, weil es so übertrieben dreckig ist. Haha. Trotzdem: Das Buch ist teilweise verwirrend. Buchheim schreibt in einem Stil, voller Sinneseindrücke, Geräusche, Gerüche und innerer Monologe. Militärische Ausdrücke, U-Boot-Jargon fliegen einem nur so um die Ohren, ohne immer erklärt zu werden. Als Laie braucht man manchmal ein paar Dutzend Seiten, bis man den Dreh raus hat – und selbst dann bleibt es stellenweise nebulös. Die Chronologie springt hin und her, besonders bei den Land-Abschnitten und Rückblenden. Die Atmosphäre ist der absolute Hammer. Man fühlt die Enge, die Klaustrophobie, die Anspannung beim Tiefentauchen, das Dröhnen der Wasserbomben, das Tropfen von Kondenswasser, den Gestank von Diesel und ungewaschenen Körpern. Es ist, als würde man selbst 50 Mann in einer Sardinenbüchse erleben – und das über Wochen. Die poetischen Beschreibungen des Meeres (Stürme, ruhige See, Dämmerung) sind wunderschön und kontrastieren brutal mit dem Inferno im Boot. Aber ja: Es wird manchmal langatmig. Die endlosen „Gammelei“-Phasen, das ewige Warten, die Wiederholungen von Alltagsroutine und älteren Eindrücken an Land (Bordelle, Kneipen, Frauen) ziehen sich. Manche Leser brechen da ab – verständlich. Es ist kein Action-Thriller, sondern ein quälend langsames Psychogramm von Männern am Rande des Wahnsinns. Fazit: Wer einen glatt polierten Kriegsroman sucht, wird enttäuscht. Wer aber die rohe, ungeschminkte Wahrheit vom U-Boot-Krieg erleben will – mit all dem Schmutz, der Vulgarität, der Langeweile und der existenziellen Angst – kommt um „Das Boot“ nicht herum. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das unter die Haut geht und lange nachhallt. Empfehlung: Durchbeißen, atmen lernen und mittauchen. 4 von 5 Sardinenbüchsen.
21. Feb. 2026








