In ihrem neuen Roman gibt der japanische Shootingstar Rin Usami einen Einblick in die Psyche einer jungen Frau, die die Anforderungen der Gesellschaft und ihrer Familie bewältigen muss.
Die siebzehnjährige Kanko ist überfordert: Sowohl in der Schule als auch zu Hause kommt sie nicht hinterher und hat kaum Freunde. Sie leidet an Depressionen und muss sich zudem um ihre Mutter kümmern, die alkoholkrank ist und mit den Spätfolgen eines Schlaganfalls zu kämpfen hat. Ihre beiden Brüder sind von zu Hause ausgezogen und übrig bleibt nur der gewalttätige Vater, der ihr auch keine Hilfe bieten kann.
Als seine Mutter verstirbt, unternimmt die Familie einen Roadtrip zur Beerdigung. Auf dieser Fahrt werden nicht nur die Familiendynamiken sichtbar, sondern auch die Tatsache, dass jedes Familienmitglied sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Obwohl die Situation mehrmals zu eskalieren droht, kann sich die Familie zusammenreißen, und für Kanko besteht am Ende sogar die Aussicht auf Besserung.
Die 17-jährige Kanko hat viele Probleme. Ihr Vater ist launisch, schlägt und beleidigt sie, ihre Brüder sind ausgezogen und seit die Mutter einen Schlaganfall hatte, verschärft sich die Situation weiter. Inzwischen leidet Kanko unter Depressionen und kommt in der Schule nicht mehr mit. Als die Mutter des Vaters stirbt, macht sich die ganze Familie auf eine Reise ...
Kankos Gedanken sind herzzerreißend. Sie kennt auch die guten Seiten ihrer Eltern und versucht immer deren Handeln nachzuvollziehen, dann wiederum ist sie einfach nur wütend, weil die Eltern ihre Vorbildfunktion nicht erfüllen. Kanko ist zerrissen zwischen Mitleid, Liebe, Pflichtgefühl, Trauer und Anklage. Rin Usami schildert das Ganze knapp und sehr realistisch, mit buchstäblich treffenden Worten.
1. Mai 2025
4,0
Die 17-jährige Kanko hat viele Probleme. Ihr Vater ist launisch, schlägt und beleidigt sie, ihre Brüder sind ausgezogen und seit die Mutter einen Schlaganfall hatte, verschärft sich die Situation weiter. Inzwischen leidet Kanko unter Depressionen und kommt in der Schule nicht mehr mit. Als die Mutter des Vaters stirbt, macht sich die ganze Familie auf eine Reise ...
Kankos Gedanken sind herzzerreißend. Sie kennt auch die guten Seiten ihrer Eltern und versucht immer deren Handeln nachzuvollziehen, dann wiederum ist sie einfach nur wütend, weil die Eltern ihre Vorbildfunktion nicht erfüllen. Kanko ist zerrissen zwischen Mitleid, Liebe, Pflichtgefühl, Trauer und Anklage. Rin Usami schildert das Ganze knapp und sehr realistisch, mit buchstäblich treffenden Worten.
Kankos Reise ist ein Buch über eine junge Erwachsene Frau, die studierend als einzige von drei Kindern noch im Elternhaus lebt. Ihr ältester Bruder Nii als auch der Jüngste im Bunde, Pon, sind geradezu geflüchtet. Denn das Elternhaus ist alles andere als harmonisch.
Hier wird leider so gar nicht spoilerfrei weitergehen 🥲
Ihr Vater ist gewalttätig, hat nichts anderes vorgelebt bekommen und kennt bedingungslose Liebe nicht von seinen Eltern. Und als sei das nicht schon Kräfte zehrend, da erlitt die Mutter einen Schlaganfall, von dem sie sich nie mehr erholen sollte und die seither wie ein kleines Kind agiert, dass sich noch dazu regelmäßig betrinkt. 🙈
Konflikte auf normale Weise lösen kann die Familie nicht. Alles wird tot geschwiegen und die Schuld bei allen anderen gesucht.
So erkrankt Kanko an Depression, die sie daran hindert zur Uni zu gehen und die sie schon mehrfach dazu trieb sich fast umzubringen.
Als dann die Großmutter väterlicherseits verstirbt, beginnt eine Reise. Diese Reise begleiten wir als Leser. Und Mensch, das ist echt zum Haare raufen! 🙃
Ich kann Kanko's Gefühlswelt gut nachvollziehen. Egal wie sehr sie misshandelt wird von Vater, Mutter und wie sehr sie unter allem leidet... Sie liebt ihre Eltern doch. Sie ist im Zwiespalt. Ich würde mir wünschen, dass im Buch darauf eingegangen wird, wie ihr Therapie etc hilft und vllt ihre Eltern umgänglicher werden, aber das gibt es so nicht. 🥲
Stattdessen zieht sie in das Familienauto und weicht somit den täglichen Eskapaden und Gewaltausbrüchen ihrer Eltern aus. Auch schafft sie es so wieder regelmäßig zur Uni, aber ist das wirklich ein Leben, das man so weiterleben möchte? Würde es ihr nicht besser gehen, wenn sie sich loslösen würde und richtig ausziehen würde? 🤔
✨ Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, hat aber mMn einen typisch sachlichen japanischen Stil.
✨ Auch die Hierarchien und das Pflichtgefühl diverser Personen ist typisch japanisch. Wenn auch diese Familie mit ihrer Gewalt hoffentlich so nicht in der Realität vorkommt. (I know, Wunschdenken)
✨ Mir persönlich hätten klare Unterscheidungen von Flashbacks zur Gegenwart gut gefallen. Manchmal war es doch etwas verwirrend, da es fließende Übergänge waren.
✨ Das Buch geht mir auch zu wenig darauf ein, dass Kanko nicht schuld an all dem ist. Sie ist nicht schuld daran, dass ihr Vater sie schlägt, sie ist nicht schuld daran, dass ihre Mutter nicht mehr ganz knusper im Kopf ist, sie ist auch nicht dran schuld, dass ihre Brüder weg sind und die Eltern somit "allein" gelassen haben. Das alles hat Kanko nicht zu verschulden und auch nicht verdient. Das wurde so aber nie kommuniziert/aufgelöst. Man beendet das Buch quasi damit, dass Kanko ebenfalls Schuld hat. Schwachsinn.
An und für sich war es ein netter Zeitvertreib, allerdings kein Muss. Für Leute die wenig von den Sitten und Eigenheiten der Japaner verstehen wird das vermutlich zu absurd sein.
15. Apr. 2025
2,0
Zermürbend und schräg.
Kankos Reise ist ein Buch über eine junge Erwachsene Frau, die studierend als einzige von drei Kindern noch im Elternhaus lebt. Ihr ältester Bruder Nii als auch der Jüngste im Bunde, Pon, sind geradezu geflüchtet. Denn das Elternhaus ist alles andere als harmonisch.
Hier wird leider so gar nicht spoilerfrei weitergehen 🥲
Ihr Vater ist gewalttätig, hat nichts anderes vorgelebt bekommen und kennt bedingungslose Liebe nicht von seinen Eltern. Und als sei das nicht schon Kräfte zehrend, da erlitt die Mutter einen Schlaganfall, von dem sie sich nie mehr erholen sollte und die seither wie ein kleines Kind agiert, dass sich noch dazu regelmäßig betrinkt. 🙈
Konflikte auf normale Weise lösen kann die Familie nicht. Alles wird tot geschwiegen und die Schuld bei allen anderen gesucht.
So erkrankt Kanko an Depression, die sie daran hindert zur Uni zu gehen und die sie schon mehrfach dazu trieb sich fast umzubringen.
Als dann die Großmutter väterlicherseits verstirbt, beginnt eine Reise. Diese Reise begleiten wir als Leser. Und Mensch, das ist echt zum Haare raufen! 🙃
Ich kann Kanko's Gefühlswelt gut nachvollziehen. Egal wie sehr sie misshandelt wird von Vater, Mutter und wie sehr sie unter allem leidet... Sie liebt ihre Eltern doch. Sie ist im Zwiespalt. Ich würde mir wünschen, dass im Buch darauf eingegangen wird, wie ihr Therapie etc hilft und vllt ihre Eltern umgänglicher werden, aber das gibt es so nicht. 🥲
Stattdessen zieht sie in das Familienauto und weicht somit den täglichen Eskapaden und Gewaltausbrüchen ihrer Eltern aus. Auch schafft sie es so wieder regelmäßig zur Uni, aber ist das wirklich ein Leben, das man so weiterleben möchte? Würde es ihr nicht besser gehen, wenn sie sich loslösen würde und richtig ausziehen würde? 🤔
✨ Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, hat aber mMn einen typisch sachlichen japanischen Stil.
✨ Auch die Hierarchien und das Pflichtgefühl diverser Personen ist typisch japanisch. Wenn auch diese Familie mit ihrer Gewalt hoffentlich so nicht in der Realität vorkommt. (I know, Wunschdenken)
✨ Mir persönlich hätten klare Unterscheidungen von Flashbacks zur Gegenwart gut gefallen. Manchmal war es doch etwas verwirrend, da es fließende Übergänge waren.
✨ Das Buch geht mir auch zu wenig darauf ein, dass Kanko nicht schuld an all dem ist. Sie ist nicht schuld daran, dass ihr Vater sie schlägt, sie ist nicht schuld daran, dass ihre Mutter nicht mehr ganz knusper im Kopf ist, sie ist auch nicht dran schuld, dass ihre Brüder weg sind und die Eltern somit "allein" gelassen haben. Das alles hat Kanko nicht zu verschulden und auch nicht verdient. Das wurde so aber nie kommuniziert/aufgelöst. Man beendet das Buch quasi damit, dass Kanko ebenfalls Schuld hat. Schwachsinn.
An und für sich war es ein netter Zeitvertreib, allerdings kein Muss. Für Leute die wenig von den Sitten und Eigenheiten der Japaner verstehen wird das vermutlich zu absurd sein.
„Du willst also sterben, ja? Und deine Eltern sind daran schuld, hm? Willst die Schule abbrechen? Widerlich. Deine Einstellung zum Leben ist widerlich. Jeder von uns würde am liebsten sterben. Jeder beißt die Zähne zusammen, bis es wehtut, und schuftet von morgens bis abends, als ginge es ums nackte Überleben, obwohl er sich in Wirklichkeit beschissen fühlt. Und jetzt machts du hier so ein Theater, nur weil deine Mutter krank geworden ist. Du bist doch nicht aus Zucker? Oder etwa doch? Bist Du ein Weichei? Wenn es dir so beschissen geht, dann verschwinde halt. Wenn du sterben willst, dann stirb. Aber beeil dich. Scheißtochter.“
Die siebzehnjährige Kanko, wie auch der Rest ihrer Japanischen Familie, ihre zwei Brüder und die labile, alkoholkranke Mutter sind der väterlichen Beschimpfungen, die auch ins Körperliche übergehen, ausgesetzt. Er ist ein Choleriker wie er im Buche steht und Prügeleien sowie verbale Beschimpfungen sind an der Tagesordnung - Kankos Brüder haben sich schon aus der prekären Familiensituation geflüchtet und nur noch Kanko ist übrig geblieben, die sogar noch Verständnis für das Verhalten ihres Vaters aufbringt. Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Eltern, sieht sie als betreuungsbedürftig an, was eine Umkehr der Eltern-Kind-Rolle mit sich bringt - wären da nur nicht ihre Depressionen, unter denen sie zunehmend leidet.
„Alles verläuft sich. Verläuft und wiederholt sich. Eine durchschnittliche Hölle, butterweich und lauwarm. Für die vielen kleinen Übel, die man bei jedem Streit anrichtet, wird man auf ihren Grund gestoßen. Doch nicht die Schmerzen, die man erleidet, wenn man in den kochenden See aus Blut fällt, oder die Strapazen, die man durchsteht, wenn man am Ufer des Flusses zum Totenreich schwere Steine aufeinanderstapelt, machen diese Hölle so unerträglich, sondern die Tatsache, dass sie weitergeht.“
Während einer Autofahrt zur Beerdigung Kankos Großmutter väterlicherseits eskaliert die Situation vollends. Aufwühlende Ereignisse der Vergangenheit werden rekapituliert und es kommt zu gegenseitigen suizidalen Androhungen. Speziell in diesen Szenen erfährt man viel über die psychischen Gegenwartszustände der einzelnen Figuren.
„Kankos Reise“ ist ein Buch über transgenerationale Traumata (der Vater wurde als Kind selbst geschlagen und litt sehr unter mangelnder Aufmerksamkeit), über dysfunktionale Familien, aber auch über die Tücken von Depressionen und die Japanische Schweigekultur. Keiner der Figuren gelingt es, ihre Bedürfnisse oder Emotionen angemessen zu artikulieren und somit fehlt jegliche Grundlage zur konstruktiven Lösung von Konflikten oder zum Führen von gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen. Geradezu schockiert war ich von der Intensität der Aggressivität der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Vorwürfe der Figuren, in denen der Druck, der auf der Familie lastet, ein Ventil zu finden scheint. Der Text hat meine Empathie für die gravierenden Auswirkungen von Traumata wachsen lassen, auch wenn ich mir vielleicht mal eine Abweichung von der weiblichen Opferrolle gewünscht hätte. Fazit: Ein weiteres Werk meiner geliebten Japanischen Literatur, das ich als lesenswert erachte!
12. Mai 2025
4,0
Japanische Road-Novel! 👏🤩
„Du willst also sterben, ja? Und deine Eltern sind daran schuld, hm? Willst die Schule abbrechen? Widerlich. Deine Einstellung zum Leben ist widerlich. Jeder von uns würde am liebsten sterben. Jeder beißt die Zähne zusammen, bis es wehtut, und schuftet von morgens bis abends, als ginge es ums nackte Überleben, obwohl er sich in Wirklichkeit beschissen fühlt. Und jetzt machts du hier so ein Theater, nur weil deine Mutter krank geworden ist. Du bist doch nicht aus Zucker? Oder etwa doch? Bist Du ein Weichei? Wenn es dir so beschissen geht, dann verschwinde halt. Wenn du sterben willst, dann stirb. Aber beeil dich. Scheißtochter.“
Die siebzehnjährige Kanko, wie auch der Rest ihrer Japanischen Familie, ihre zwei Brüder und die labile, alkoholkranke Mutter sind der väterlichen Beschimpfungen, die auch ins Körperliche übergehen, ausgesetzt. Er ist ein Choleriker wie er im Buche steht und Prügeleien sowie verbale Beschimpfungen sind an der Tagesordnung - Kankos Brüder haben sich schon aus der prekären Familiensituation geflüchtet und nur noch Kanko ist übrig geblieben, die sogar noch Verständnis für das Verhalten ihres Vaters aufbringt. Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Eltern, sieht sie als betreuungsbedürftig an, was eine Umkehr der Eltern-Kind-Rolle mit sich bringt - wären da nur nicht ihre Depressionen, unter denen sie zunehmend leidet.
„Alles verläuft sich. Verläuft und wiederholt sich. Eine durchschnittliche Hölle, butterweich und lauwarm. Für die vielen kleinen Übel, die man bei jedem Streit anrichtet, wird man auf ihren Grund gestoßen. Doch nicht die Schmerzen, die man erleidet, wenn man in den kochenden See aus Blut fällt, oder die Strapazen, die man durchsteht, wenn man am Ufer des Flusses zum Totenreich schwere Steine aufeinanderstapelt, machen diese Hölle so unerträglich, sondern die Tatsache, dass sie weitergeht.“
Während einer Autofahrt zur Beerdigung Kankos Großmutter väterlicherseits eskaliert die Situation vollends. Aufwühlende Ereignisse der Vergangenheit werden rekapituliert und es kommt zu gegenseitigen suizidalen Androhungen. Speziell in diesen Szenen erfährt man viel über die psychischen Gegenwartszustände der einzelnen Figuren.
„Kankos Reise“ ist ein Buch über transgenerationale Traumata (der Vater wurde als Kind selbst geschlagen und litt sehr unter mangelnder Aufmerksamkeit), über dysfunktionale Familien, aber auch über die Tücken von Depressionen und die Japanische Schweigekultur. Keiner der Figuren gelingt es, ihre Bedürfnisse oder Emotionen angemessen zu artikulieren und somit fehlt jegliche Grundlage zur konstruktiven Lösung von Konflikten oder zum Führen von gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen. Geradezu schockiert war ich von der Intensität der Aggressivität der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Vorwürfe der Figuren, in denen der Druck, der auf der Familie lastet, ein Ventil zu finden scheint. Der Text hat meine Empathie für die gravierenden Auswirkungen von Traumata wachsen lassen, auch wenn ich mir vielleicht mal eine Abweichung von der weiblichen Opferrolle gewünscht hätte. Fazit: Ein weiteres Werk meiner geliebten Japanischen Literatur, das ich als lesenswert erachte!
12. Mai 2025
3 von 19 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Rin Usami
Rin Usami wurde 1999 in der Präfektur Shizuoka in Japan geboren. Schon in der Highschool begann sie mit dem Schreiben von Romanen. Ihr Debütroman wurde mit dem Yukio-Mishima-Preis ausgezeichnet, womit sie die jüngste Preisträgerin in der Geschichte dieses Preises ist. Im Jahr 2020, im Alter von 21 Jahren, gewann Usami den renommierten Akutagawa-Preis für »Idol in Flammen«. Sie lebt in Tokio.