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Romane

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

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Über das Buch

Heinrich Bölls Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann sorgte bei ihrem Erscheinen im Jahr 1974, das von einem Vorabdruck im Spiegel flankiert wurde, für eine heftige Auseinandersetzung um die Methoden des Boulevardjournalismus. Die Hauswirtschafterin Katharina Blum, die nebenbei bei Empfängen und Festlichkeiten die kalten Buffets besorgt und sich davon eine Appartementwohnung und einen Volkswagen leisten kann, gerät zufällig in den Mittelpunkt der Sensationsmache und Polithetze einer großen Boulevardzeitung. Bei einer Karnevalsparty verliebt sie sich in einen jungen Mann, der von der Polizei als radikaler Rechtsbrecher gesucht und allgemein »Bandit« genannt wird. Von da an ist ihr ein Sensationsjournalist auf den Fersen, der ihr Privatleben durchleuchtet und öffentlich macht. Die Folge der Hetze und der Verletzung der Intimität durch die Presse steht am Anfang der Erzählung: Katharina Blum hat den Journalisten erschossen, und ein ebenfalls beteiligter Pressefotograf ist von einer unerkannten Frau erschossen worden. Damit ist der schockierende Akzent gesetzt, der nach Interpretation und Aufklärung verlangt. Das Muster der Moritat von der verlorenen Frauenehre ist hier emanzipatorisch und aggressiv gewendet: Die in der öffentlichen Meinung gefallene Frau weiß sich nach anfänglicher Erschütterung zu wehren, notfalls mit Gewalt.

Editionen (9)

ISBN9783462300567
VerlagE-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum21.09.09
Seitenzahl160

Rezensionen & Bewertungen

351 Bewertungen

40 Rezensionen

3,5

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  • fruggielicious
    fruggielicious

    2817 Follower

    4,0

    Finde es weiterhin reichlich brisant und gar nicht veraltet!

    ✨Neuzugang 2025✨ Ich habe mir dieses Buch letztens spontan bei Thalia mitgenommen und direkt gelesen. Bölls „Ansichten eines Clowns“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern und ich habe gedacht, dass mich auch dieses hier überzeugen könnte. Und ja, genau das ist passiert. Ich bin nicht sicher, ob es ein re-read war, der Inhalt kam mir bekannt vor. „Was guckst du mich denn so entgeistert an, mein Blümelein – ich schlage vor, daß wir jetzt erst einmal bumsen.“ - Reporter Tötges kurz bevor Katharina ihn getötet hat. Ich finde das Buch, in dem es darum geht, dass die Presse Leben zerstören kann, zwar schwer zu lesen, weil es einfach älter ist, aber dennoch sehr aktuell und wichtig. Vor allem in der heutigen Zeit muss man die Inhalte neben der Presse auch auf Social Media übertragen. Wie da mitunter gemobbt, in den Selbst💀 getrieben und auf viele andere Art und Weise fertig gemacht wird, ist meiner Meinung nach außer Kontrolle. Dazu kommt, dass auch heutzutage weiterhin Frauen wie Sexobjekte behandelt, nicht ernst genommen, wie Leute zweiter Klasse etc. behandelt werden. Das erlebt Katharina auf sehr drastische Weise. Und wenn man selbst als privilegierte, weiße Frau solche Erfahrungen noch nie gemacht hat (kenne aber niemanden, also zumindest medical gaslighting oder sich unsicher gefühlt auf dem Heimweg etc. hat wirklich jede schon erlebt), dann ist es umso wichtiger darüber zu reden, damit endlich auch Frauen, die Minderheiten angehören, gehört werden. Wer das Buch noch nicht kennt, kann gern eigene Erfahrung machen, ich fand es lesenswert. 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️

    Finde es weiterhin reichlich brisant und gar nicht veraltet!

    1. Aug. 2025

  • 4,0

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum 📖✨ Heinrich Böll | 4/5 Sterne ⭐⭐⭐⭐ Manchmal greift man zu einem Buch und denkt: Das wurde vor 50 Jahren geschrieben – und dann liest man es und denkt: Das könnte heute erschienen sein. Heinrich Böll erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Leben innerhalb weniger Tage durch Boulevardpresse und Behördenwillkür zerstört wird. Katharina Blum verbringt eine Nacht mit einem gesuchten Mann – und von da an ist nichts mehr, wie es war. Nicht für sie. Nicht für ihr Umfeld. „Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann” Böll stellt diese Frage mit chirurgischer Präzision – und die Antwort tut weh. Was mich wirklich beeindruckt hat: dieser Schreibstil. Klar, distanziert, fast dokumentarisch – und trotzdem steckt in jeder Zeile eine Wut, die man spürt, ohne dass sie je laut wird. Dass Böll auf knapp 130 Seiten so viel sagt – offen und zwischen den Zeilen – ist schlicht handwerkliche Meisterschaft. Und das Erschreckendste? Die Zeitung. Der Boulevard. Der Mechanismus, wie Medien Menschen vernichten, Halbwahrheiten zu Fakten werden lassen, Druck erzeugen bis zur Eskalation – das ist aktuell wie nie. Social Media hat das nur beschleunigt. Manches wirkt wie ein Zeitdokument der 70er. Vieles liest sich wie ein Kommentar auf heute. Eine absolute Leseempfehlung – besonders für alle, die glauben, Meinungsfreiheit und Verantwortung seien Gegensätze. Habt ihr das Buch gelesen? Was hat euch am meisten beschäftigt?

    4. Apr. 2026

  • missyliest
    missyliest

    314 Follower

    4,0

    Diese Erzählung ist inhaltlich absolut modern. Heute würden zwar eher Fake News im Internet dazu führen, dass Katharina Blum nicht mehr in ihr vorheriges Leben zurückkehren kann. Aber ansonsten ist der Bezug zur Gegenwart absolut da. Katharina Blum führt ein geordnetes Leben. Sie ist Haushälterin in guten Haushalten und so sparsam, dass sie nach ihrer Scheidung alleine eine Eigentumswohnung anzahlen und dann abbezahlen kann. An Fasching im Jahr 1974 geht sie zu einer Party bei einer Freundin, wo sie Ludwig Götten kennenlernt. Dieser ist ein gesuchter Krimineller, weshalb auch Katharina festgenommen wird. Der Fokus dieser Erzählung liegt auf den Praktiken der ZEITUNG. Dass hier die BILD gemeint ist, liegt nahe. Der Journalist, der über den Fall schreibt, verdreht jede Tatsache so lange, bis er einen Sensationsbericht hat. Katharina leidet sehr unter der Falschdarstellung ihrer Person - zumal sie auch permanent als Frau abgewertet wird. Böll hat einen so klaren und einfachen Stil, dass man diese Erzählung schnell gelesen hat. Ein Klassiker, den man kennen sollte, finde ich.

    2. Dez. 2024

3 von 40 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Heinrich Böll

Heinrich Böll, 1917 in Köln geboren, nach dem Abitur 1937 Lehrling im Buchhandel und Student der Germanistik. Mit Kriegsausbruch wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war sechs Jahre lang Soldat. Seit 1947 veröffentlichte er Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele, Theaterstücke und zahlreiche Essays. Zusammen mit seiner Frau Annemarie war er auch als Übersetzer englischsprachiger Literatur tätig. Heinrich Böll erhielt 1972 den Nobelpreis für Literatur. Er starb im Juli 1985 in Langenbroich/Eifel.

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