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Romane

Villette

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Über das Buch

Lucy, eine kluge und sensible junge Frau, tritt in Villette eine Stelle als Englischlehrerin an einer Mädchenschule an. Als sie dort Dr. John Bretton, einen Freund aus Kindheitstagen, wiedertrifft, verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch ihre Liebe bleibt unerwidert. Lucy ist am Boden zerstört, weiß nicht, wohin mit ihren Gefühlen. In ihrer Verzweiflung flüchtet sie sich in eine platonisch überhöhte Liebe zu Monsieur Paul Emanuel, dem strengen Institutsleiter, der auf Lucy eine besondere Anziehungskraft ausübt …

Editionen (7)

ISBN9783458360070
VerlagInsel Verlag
Erscheinungsdatum21.05.14
Seitenzahl776

Rezensionen & Bewertungen

43 Bewertungen

9 Rezensionen

3,8

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  • bookswithchristina
    bookswithchristina

    150 Follower

    4,5

    Darstellung von Einsamkeit

    Villette von Charlotte Brontë ist ein Roman, der sich anfühlt wie stille Einsamkeit. Die Autorin gibt den Lesern bei "Jane Eyre" zumindest noch Romantik, Dramatik und emotionale Katharsis. Villette dagegen verweigert Trost fast konsequent. Dieser Roman möchte nicht gefallen. Er möchte verstanden werden. Und vielleicht macht ihn gerade das zu einem starken Werk. Lucy Snowe gehört für mich zu den faszinierendsten Erzählerinnen der klassischen Literatur. Sie ist intelligent, scharf beobachtend und emotional unglaublich kontrolliert. Während viele viktorianische Heldinnen ihre Gefühle offen ausdrücken, wirkt Lucy beinahe verschlossen gegen ihre eigene Innenwelt. Und genau das macht sie so real. Sie erzählt ihre Geschichte nicht ehrlich im klassischen Sinn. Sie verschweigt Dinge. Weicht aus. Formuliert Gefühle indirekt oder versteckt sie hinter Ironie. Als Leser hat man ständig das Gefühl, dass unter ihren Worten noch eine zweite, viel verletzlichere Wahrheit liegt. Das erzeugt eine seltsame Form emotionaler Distanz. Es ist ein Werk über Einsamkeit, nicht über Romantik. Viele gehen vermutlich mit der Erwartung an Villette heran, einen weiteren viktorianischen Liebesroman zu lesen. Aber eigentlich interessiert sich Charlotte Brontë für etwas völlig anderes. Dieses Buch handelt von Einsamkeit. Nicht von dramatischer, poetischer Einsamkeit, sondern von stiller, alltäglicher Isolation. Lucy bewegt sich ständig unter Menschen und bleibt trotzdem emotional abgeschnitten. Genau das macht den Roman stellenweise fast schmerzhaft zu lesen. Brontë beschreibt das Gefühl, übersehen zu werden, mit einer Präzision, die selbst heute noch unangenehm aktuell wirkt. Es gibt in Villette keine große emotionale Sicherheit. Keine einfache Hoffnung. Selbst schöne Momente tragen immer eine gewisse Traurigkeit in sich. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum das Buch so lange nachhallt. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Stimmung des Romans. Villette selbst - diese fiktionalisierte Version Brüssels - wirkt permanent fremd und leicht traumartig. Das Internat, die langen Flure, die religiösen Spannungen und die ständige soziale Beobachtung erzeugen eine Atmosphäre, die sich fast wie Gothic Horror anfühlt, aber nicht auf offensichtliche Weise. Das Unheimliche in diesem Buch entsteht selten durch große Ereignisse. Es steckt eher in Blicken, Schweigen und emotionaler Isolation. Selbst die berühmte Nonne wirkt weniger wie ein klassischer Geist und mehr wie eine Manifestation unterdrückter Gefühle. Charlotte Brontë schreibt Horror hier nicht als äußere Bedrohung, sondern als psychischen Zustand. Die Liebesgeschichte fühlt sich wohl absichtlich unbefriedigend an. Auch die Romantik in Villette funktioniert völlig anders als in vielen klassischen Romanen. Die Beziehung zwischen Lucy und Monsieur Paul besitzt durchaus emotionale Intensität, aber sie wirkt nie idealisiert. Zwischen den beiden bleibt immer Distanz. Missverständnisse, Stolz und emotionale Zurückhaltung verhindern echte Einfachheit. Das Interessante ist: Brontë scheint sich viel stärker für Sehnsucht zu interessieren als für Erfüllung. Liebe erscheint in diesem Roman nie als Rettung. Eher wie etwas Zerbrechliches, das jederzeit verschwinden kann. Und das Ende… ehrlich gesagt glaube ich, dass genau dieses Ende perfekt zu Villette passt und dann auch wieder nicht 🤣 Charlotte Brontë verweigert ihren Lesern bewusst eine klare emotionale Auflösung. Kein großes Happy End. Keine vollständige Katharsis nach all den unzähligen Seiten. Ich verstehe aber vollkommen, warum manche Leser Schwierigkeiten mit Villette haben, denn der Roman ist langsam. Melancholisch. Emotional verschlossen. Manchmal wirkt Lucy fast frustrierend passiv, und die Handlung entfaltet sich deutlich weniger dramatisch als in Jane Eyre. Außerdem verlangt das Buch Geduld. Vieles wird nur angedeutet statt ausgesprochen. Aber genau darin liegt auch seine Stärke. Villette fühlt sich nicht wie ein künstlich konstruiertes Drama an. Es fühlt sich wie ein echtes Bewusstsein an - kompliziert, widersprüchlich und oft einsam. Fazit Villette ist kein tröstlicher Roman. Charlotte Brontë schreibt hier keine klassische Liebesgeschichte und keine einfache Entwicklungserzählung. Stattdessen erschafft sie ein stilles, melancholisches Porträt emotionaler Einsamkeit. Lucy Snowe ist dabei eine der faszinierendsten und menschlichsten Erzählerinnen, die ich in klassischer Literatur erlebt habe - gerade weil sie sich nie vollständig entschlüsseln lässt. Dieses Buch ist nicht romantisch im klassischen Sinn. Nicht angenehm. Nicht leicht zugänglich. Aber es besitzt eine emotionale Ehrlichkeit, die viele modernere Romane nicht erreichen. Villette fühlt sich an wie ein langer Winterabend: still, dunkel, einsam und unmöglich ganz zu vergessen.

    Darstellung von Einsamkeit

    16. Mai 2026

  • 4,0

    Ein auf und ab…

    Jane Eyre gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern - also wollte ich gern weitere Bücher von Charlotte Brontë lesen. Meine Wahl fiel dabei auf „Villette“. Das Buch ist ein sehr beeindruckendes Werk, welches das Leben einer modern denkenden Frau zu damaliger Zeit schildert. Lucy Snowe versucht ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und immer das beste aus der Situation zu machen. Ihre starken Gefühle hält sie dabei oft zurück. Dadurch wirkt so oft reserviert bis zynisch. Trotzdem zeigt sich, dass sie sich immer um ihre Mitmenschen kümmert, sie umsorgt, Interesse zeigt und ihnen keineswegs zur Last fallen möchte. Sie führt ein sehr einfaches Leben, versucht aber irgendwann ihren Traum zu verwirklichen. Das Buch führt den Leser durch ein ständiges auf und ab durch Lucys Gedanken und Gefühle. Mal wirklich langweilig, mal total verwirrend, mal sehr spannend. Irgendwann beginnt man sich mehr und mehr für Lucy zu freuen und ihr einfach nur das Beste im Leben zu wünschen. Dass sie endlich ankommt. Glücklich wird. Und je weiter man gelangt, desto mehr hat der Leser den Eindruck, dass genau das passiert. Lucy wird glücklich. Oder nur kurz? Oder gar nicht? Das Ende lässt den Leser ratlos und wirklich unglücklich zurück. Von einem offenen Ende kann nicht gesprochen werden. Eher nach der Möglichkeit, die Tatsachen zu verdrängen. Ich versuche es.

    4. Aug. 2024

  • odilia_booklover
    odilia_booklover

    111 Follower

    5,0

    Erstaunlicherweise 5⭐️👀🇫🇷📖✨

    Lucy Snowe reist nach Frankreich, um in einer Schule in einem kleinen Dorf, Vilette, zu arbeiten. Dort muss sie sich zurecht finden und erkennt bald schon alte Freunde aus England wieder, die nun auch in Frankreich leben…🇫🇷📚✨ Weil ich Shirley, auch von Charlotte Brontë leider gar nicht mochte, hatte ich keine großen Erwartungen an dieses Buch. Aber schon kurz nach dem Anfang wurde ich positiv überrascht. Es ist tatsächlich auch so viel passiert, dass die 710 Seiten sich nicht gezogen haben und ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Erstaunlicherweise gab es sogar Plottwists, die ich zwar vorhergesehen habe, aber trotzdem sehr gut waren. 👀💗 Ich wurde leider von Shirley enttäuscht aber von diesem Buch hätte ich nicht erwartet, dass es mit so gut gefallen würde. Deshalb ist es eine wirklich große Klassiker-Empfehlung.🙂‍↕️💖📖 Bewertung: Charaktere⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Handlung⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Spannung⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Schreibstil (auf Englisch)⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

    Erstaunlicherweise 5⭐️👀🇫🇷📖✨

    11. Juni 2026

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Charlotte Brontë

Die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë gehören bis heute zu den meistgelesenen Autorinnen des 19. Jahrhunderts. Als Töchter eines englischen Pfarrers wuchsen sie in der Abgeschiedenheit eines abgelegenen Pfarrhauses in West Yorkshire auf, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieben. Bereits als Kinder verfaßten die Schwestern gemeinsam mit ihrem Bruder Branwell (1817-1848) die Erzählungen aus Angria. Als der Bruder jedoch alkohol- und drogenkrank wurde, waren die Schwestern aufgrund des frühen Todes der Mutter und der mangelnden Unterstützung des Vaters auf sich alleine gestellt. Ihre Werke erschienen zeitlebens unter den männlichen Pseudonymen Currer Bell (Charlotte), Ellis Bell (Emily) und Acton Bell (Anne). Charlotte Brontё (1816-1855), die älteste der drei Schwestern, arbeitete u.a. als Lehrerin und Gouvernante, nachdem sie in Brüssel an der Privatschule der Madame Heger Französisch gelernt hatte. Der erst posthum veröffentlichte Roman Der Professor handelt von ihrer unerfüllten Liebe zu Hegers Ehemann und zählt zusammen mit Jane Eyre zu ihren größten Erfolgen.

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