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Licht ist die linke Hand der Dunkelheit
Die Thematik des schon 1969 erschienenen SF-Roman der renommierten Schriftstellerin Ursula K. Le Guin könnte nicht besser in diese Zeit passen, da er die Gender-Frage zum Hauptthemen macht und schon damals als einer der ersten „feministischer SF“ galt. Er erschien 2023 in einer Neuübersetzung durch Karen Nölle. Worum geht es? Der Gesandte vom Welten-Kollektiv Genly Ai wird auf die Welt „Winter“ geschickt, mit dem Angebot, sich diesem anzuschliessen. Ai muss sich, wie übrigens auch der Leser, erst einmal in dieser doch sehr anderen Welt zurechtfinden, will er mit Diplomatie Verbindungen knüpfen. Die an das extrem kalte Klima des Planeten angepassten Menschen (alle Welten des Kollektivs stammen ursprünglich von der gleichen Spezies ab) unterscheiden sich in vielen Dingen von dem, was Ai gewohnt ist. Gepflogenheiten, Etikette, Politik und ungeschriebene Gesetze werden zur fast unüberwindlichen Barriere für eine erfolgversprechende Kommunikation oder gar Diplomatie. Die herausragendste Besonderheit auf dem Planet ist allerdings, dass die Bewohner keiner konstanten sexuellen Unterteilung folgen, die wir und Ai als männlich oder weiblich kennen, sie sind „ambisexuell“, zumeist aber asexuell. Einmal im Monat jedoch werden sie sexuell aktiv, indem sie männliche oder weibliche Eingenschaften annehmen, die sogenannte „Kemmer“. Dies überaus interessante Modell hat mich eigentlich zum Buch greifen lassen und viel habe ich mir im Vorfeld vorgestellt. Le Guin erfüllte meine Erwartungen kaum. Sie nennt ihr Werk im überaus gelungenen Vorwort ein „Gedankenexperiment“, was die Sache auf den Punkt trifft. Die Erzählart ist seltsam distanziert, wirkt hypothetisch, wie eine eher wissenschaftliche Abhandlung, als experimentiere die Autorin während des Schreibens mit dem Model der Androgynie, um mal zu schauen, wohin ein solches Model eine Gesellschaft führe. Mir fehlten die Emotionen, obwohl diese bei der Thematik sicher angebracht wären. Sie lies mich in einer fremden Welt allein wursteln, bombardierte mich mit femden Ausdrücken, Orten ohne genaue Verortung, wechselnde Namen oder Charaktereigenschaften. Die Hauptpersonen blieben mir fern und was mit ihnen geschieht, war mir schon bald im Vorfeld klar. Von daher keine wirklich genussvolle Lesereise zu einer fremden Welt sondern ein mühsames Unterfangen und eher ernüchternd. Es bleibt, wie Le Guin es selbst nannte, ein Gedankenexperiment.
22. Feb. 2026
Licht ist die linke Hand der Dunkelheit
Die Thematik des schon 1969 erschienenen SF-Roman der renommierten Schriftstellerin Ursula K. Le Guin könnte nicht besser in diese Zeit passen, da er die Gender-Frage zum Hauptthemen macht und schon damals als einer der ersten „feministischer SF“ galt. Er erschien 2023 in einer Neuübersetzung durch Karen Nölle. Worum geht es? Der Gesandte vom Welten-Kollektiv Genly Ai wird auf die Welt „Winter“ geschickt, mit dem Angebot, sich diesem anzuschliessen. Ai muss sich, wie übrigens auch der Leser, erst einmal in dieser doch sehr anderen Welt zurechtfinden, will er mit Diplomatie Verbindungen knüpfen. Die an das extrem kalte Klima des Planeten angepassten Menschen (alle Welten des Kollektivs stammen ursprünglich von der gleichen Spezies ab) unterscheiden sich in vielen Dingen von dem, was Ai gewohnt ist. Gepflogenheiten, Etikette, Politik und ungeschriebene Gesetze werden zur fast unüberwindlichen Barriere für eine erfolgversprechende Kommunikation oder gar Diplomatie. Die herausragendste Besonderheit auf dem Planet ist allerdings, dass die Bewohner keiner konstanten sexuellen Unterteilung folgen, die wir und Ai als männlich oder weiblich kennen, sie sind „ambisexuell“, zumeist aber asexuell. Einmal im Monat jedoch werden sie sexuell aktiv, indem sie männliche oder weibliche Eingenschaften annehmen, die sogenannte „Kemmer“. Dies überaus interessante Modell hat mich eigentlich zum Buch greifen lassen und viel habe ich mir im Vorfeld vorgestellt. Le Guin erfüllte meine Erwartungen kaum. Sie nennt ihr Werk im überaus gelungenen Vorwort ein „Gedankenexperiment“, was die Sache auf den Punkt trifft. Die Erzählart ist seltsam distanziert, wirkt hypothetisch, wie eine eher wissenschaftliche Abhandlung, als experimentiere die Autorin während des Schreibens mit dem Model der Androgynie, um mal zu schauen, wohin ein solches Model eine Gesellschaft führe. Mir fehlten die Emotionen, obwohl diese bei der Thematik sicher angebracht wären. Sie lies mich in einer fremden Welt allein wursteln, bombardierte mich mit femden Ausdrücken, Orten ohne genaue Verortung, wechselnde Namen oder Charaktereigenschaften. Die Hauptpersonen blieben mir fern und was mit ihnen geschieht, war mir schon bald im Vorfeld klar. Von daher keine wirklich genussvolle Lesereise zu einer fremden Welt sondern ein mühsames Unterfangen und eher ernüchternd. Es bleibt, wie Le Guin es selbst nannte, ein Gedankenexperiment.
22. Feb. 2026







