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Nach dem Tod von Richard Chamberlain habe ich "The Thorn Birds" für einen Re-read wieder aus dem Regal geholt. Nicht wegen der Verfilmung - die liegt ewig zurück, sondern weil mich interessiert hat, wie der Roman heute auf mich wirkt. Colleen McCullough erzählt in ihrem Buch eine weit ausgreifende Familiengeschichte, angesiedelt im Australien des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Meggie Cleary und ihre komplizierte Beziehung zum katholischen Priester Ralph de Bricassart. Der Roman greift vertraute Themen auf: verbotene Liebe, familiäre Verpflichtung, religiöser Zwiespalt, starke Mutterfiguren, weibliche Ohnmacht, doch McCullough nutzt sie, um Spielräume innerhalb fester Strukturen sichtbar zu machen. Erzählt wird in einem langsamen Tempo, das Raum lässt, für Landschaft, Konflikte, Zwischentöne. Besonders auffällig ist, wie die australische Umgebung nicht nur Kulisse bleibt, sondern innere Zustände spiegelt: Natur als Spiegel psychischer Prozesse. Was mich beim Wiederlesen interessiert hat, war weniger die Liebesgeschichte als das soziale Gefüge: die Enge der Rollen, die Wucht familiärer Erwartungen, das langsame Aufbegehren. Meggie bleibt eine ambivalente Figur, nicht idealisiert, aber ernst genommen. "The Thorn Birds" ist ein Roman, dem man seine Entstehungszeit anmerkt. Manche Figuren wirken heute stilisiert, manche Szenen vorhersehbar. Aber in seiner Ernsthaftigkeit, seiner Konsequenz und seiner Haltung gegenüber den Themen Glaube, Schuld, Bindung und Selbstbehauptung bleibt er lesenswert. Kein sentimentales Wiedersehen, aber ein aufmerksames Wiederlesen, das mehr Tiefe offenbarte als erwartet.
8. Mai 2025
Nach dem Tod von Richard Chamberlain habe ich "The Thorn Birds" für einen Re-read wieder aus dem Regal geholt. Nicht wegen der Verfilmung - die liegt ewig zurück, sondern weil mich interessiert hat, wie der Roman heute auf mich wirkt. Colleen McCullough erzählt in ihrem Buch eine weit ausgreifende Familiengeschichte, angesiedelt im Australien des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Meggie Cleary und ihre komplizierte Beziehung zum katholischen Priester Ralph de Bricassart. Der Roman greift vertraute Themen auf: verbotene Liebe, familiäre Verpflichtung, religiöser Zwiespalt, starke Mutterfiguren, weibliche Ohnmacht, doch McCullough nutzt sie, um Spielräume innerhalb fester Strukturen sichtbar zu machen. Erzählt wird in einem langsamen Tempo, das Raum lässt, für Landschaft, Konflikte, Zwischentöne. Besonders auffällig ist, wie die australische Umgebung nicht nur Kulisse bleibt, sondern innere Zustände spiegelt: Natur als Spiegel psychischer Prozesse. Was mich beim Wiederlesen interessiert hat, war weniger die Liebesgeschichte als das soziale Gefüge: die Enge der Rollen, die Wucht familiärer Erwartungen, das langsame Aufbegehren. Meggie bleibt eine ambivalente Figur, nicht idealisiert, aber ernst genommen. "The Thorn Birds" ist ein Roman, dem man seine Entstehungszeit anmerkt. Manche Figuren wirken heute stilisiert, manche Szenen vorhersehbar. Aber in seiner Ernsthaftigkeit, seiner Konsequenz und seiner Haltung gegenüber den Themen Glaube, Schuld, Bindung und Selbstbehauptung bleibt er lesenswert. Kein sentimentales Wiedersehen, aber ein aufmerksames Wiederlesen, das mehr Tiefe offenbarte als erwartet.
8. Mai 2025






