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Romane

Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen find't

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Über das Buch

Die attraktive Fabrikantengattin liebt es, immer und überall im Mittelpunkt zu stehen. Um als kleine Person an der Tafel nicht übersehen zu werden, thront sie bei den häufigen Gastlichkeiten im Hause Treibel auf einem Luftkissen. Nicht minder aufgeblasen ist ihre Vorliebe für das Poetische und die gefühlvolle Sentenz. Der Kunst huldigt sie, indem sie den Tenor und Millionär Adolar Krola zu ihren Hausgästen zählt. Was aber zählt wirklich? 1888, in der Entstehungszeit des Romans, schrieb Fontane: "›Frau Kommerzienrätin oder wo sich Herz zum Herzen findt‹. Dies ist die Schlußzeile eines sentimentalen Lieblingsliedes, das die 50jährige Kommerzienrätin im engeren Zirkel beständig singt und sich dadurch Anspruch auf das ›Höhere‹ erwirbt, während ihr in Wahrheit nur das Kommerzienrätliche, will sagen viel Geld, das ›Höhere‹ bedeutet." Mit diesem Band liegt eines der populärsten Fontaneschen Werke in der authentischen Gestalt des Zeitschriftenabdrucks der "Neuen Rundschau" (1892) vor. In seinem Kommentar stellt Tobias Witt den ebenso sprachvirtuosen wie ironischen Roman in den Kontext der Berliner Verhältnisse, die Fontanes mitreißendes Konterfei des Bourgeoistum herausforderten. Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel, die vitale Mittfünfzigerin aus der Köpenicker Straße, liebt nichts so sehr als den effektvollen Auftritt - und Geld. Doch auch in puncto Gefühl und Poesie möchte sie brillieren. Ein komischer Zwiespalt, der in der hinreißenden Darstellung dieses Romans noch komischer wirkt. Berliner Industrielle und geheimrätliche Villenbesitzer, aber auch Fontanes eigene Familie in Gestalt der Schwester Jenny und seines Lieblings Mete lieferten den Stoff zu diesem ironischen Tableau gegensätzlicher Lebensentwürfe. "›Frau Commerzienräthin oder Wo sich Herz zum Herzen find't‹, eine humoristische Verhöhnung unserer Bourgeoisie mit ihrer Redensartlichkeit auf jedem Gebiet, besonders auf dem der Kunst und der Liebe, während sie doch nur einen Gott und ein Interesse kennen: das goldene Kalb." Theodor Fontane an Paul Schlenther, 26. April 1888 Herausgegeben von Tobias Witt

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ISBN9783351031268
VerlagAufbau
Erscheinungsdatum20.07.05
Seitenzahl374

Rezensionen & Bewertungen

51 Bewertungen

7 Rezensionen

2,9

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  • 3,0

    Zwischen Bürgerstolz und Herzensfragen – Fontanes „Jenny Treibel“

    In „Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen find’t“ erzählt Theodor Fontane die Geschichte zweier Familien im Berliner Bürgertum des späten 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht Jenny Treibel, Tochter eines einfachen Mannes, die durch ihre Heirat in wohlhabende Kreise aufgestiegen ist. Nach außen gibt sie sich gefühlvoll, schwärmt von Idealen und wahrer Liebe – doch wenn es konkret wird, zählen für sie vor allem Ansehen, Vermögen und gesellschaftliche Sicherheit. Als Corinna Schmidt, die kluge Tochter eines Professors, versucht, durch eine Heirat mit Jennys Sohn Leopold sozial aufzusteigen, prallen Idealismus und Berechnung, Gefühl und Kalkül aufeinander. Fontane zeichnet dabei ein fein beobachtetes Bild des Bildungs- und Besitzbürgertums – mit viel Ironie und scharfem Blick für menschliche Schwächen. Fontanes Figuren in diesem Roman sind übertrieben, dennoch glaubwürdig. Seine Dialoge pointiert und oft subtil humorvoll. Besonders gelungen ist die entlarvende Darstellung von Scheinmoral und gesellschaftlicher Doppelmoral – das wirkt erstaunlich zeitlos. Gleichzeitig braucht der Roman Geduld. Große dramatische Wendungen bleiben aus, vieles spielt sich in Gesprächen und gesellschaftlichen Nuancen ab. Wer eine mitreißende Handlung sucht, wird eher enttäuscht. Auch die emotionale Nähe zu den Figuren bleibt stellenweise auf Distanz. Insgesamt ist „Jenny Treibel“ ein kluger, gesellschaftskritischer Roman mit feinem Humor – literarisch wertvoll, aber nicht unbedingt packend. Für Leserinnen und Leser, die Charakterstudien und ironische Gesellschaftsbeobachtungen schätzen, lohnt sich die Lektüre.

    11. Feb. 2026

  • buecherfee0111
    buecherfee0111

    66 Follower

    1,0

    1,5 Sterne Jenny Treibel ist die Frau des Kommerzienrates und Fabrikanten Treibel und hat 2 Söhne, den gut verheirateten Otto und Leopold. Obwohl sie immer sagt, die Bildung und Gefühle stehe vor dem finanziellen Vorteil, handelt und handelte sie genau anders herum. Sie war eine einfache Krämerstochter und entschied sich aktiv gegen ihre Jugendliebe Willibald Schmidt (der später Professor wurde) und für den reichen Fabrikanten. Als sich Schmidts Tochter Corinna und ihr Sohn Leopold sich verlieben und verloben, setzt sie der geplanten Hochzeit alles entgegen. Sie sieht das Glück ihres Sohnes in der reichen Schwester ihrer anderen Schwiegertochter. Ich fand die Geschichte ziemlich langweilig und banal. Die Gefühle der jungen Leute konnte man absolut nicht nachvollziehen. Erst ist Corinna angeblich unsterblich in Leopold verliebt nur um sich später umzuentscheiden, weil er nicht in die Gänge kommt und sich nicht richtig gegen seine Mutter durchsetzen kann. Und dann ist sie urplötzlich jemand anderem zugetan, den sowieso alle von Anfang an passender fanden. Im Buch kommen sehr viele uralte Begriffe vor, die es schon lange nicht mehr in der deutschen Sprache vorkommen und die ich auch oft googeln musste. Dadurch wurde der Lesefluss oft gestört. Eine Art Wörterbuch am Ende des Buches hätte ich mir gewünscht.

    10. Feb. 2023

  • notizhefte
    notizhefte

    68 Follower

    5,0

    Jenny Treibel, geborene Bürstenbinder, hat es von der Krämerstochter zur Fabrikantengattin gebracht; Treibel freilich hat für ihren Geschmack zu geringe Ambitionen – er ist bislang lediglich Kommerzienrat geworden und betreibt auch eine Kandidatur um ein Abgeordnetenmandat eher halbherzig – und allzu wenig Kunstverständnis. Die „Frau Commerzienräthin“ würde gerne in besseren Kreisen verkehren und auch ihre sentimentale Ader stärker gewürdigt wissen. Das Buch kreist um den Gegensatz zwischen Bildungs- und Besitzbürgertum, um die Frage, ob das Glück eher in den kleinen Verhältnissen des Gelehrtenstandes oder doch in den üppigeren der Bourgeoisie zu finden sei. Fontane bezieht hier klar Stellung, sowohl als Autor des vorliegenden Romans wie auch im wirklichen Leben, wie der Anhang durch briefliche und andere Äußerungen des Dichters belegt. Mehr auf meinem BLog "Notizhefte": https://notizhefte.com/2020/07/12/frau-jenny-treibel/

    24. Apr. 2023

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Theodor Fontane

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 im märkischen Neuruppin geboren. Nach vierjähriger Lehre arbeitete er in verschiedenen Städten als Apothekergehilfe und erwarb 1847 die Zulassung als »Apotheker erster Klasse«. 1849 gab er den Beruf auf, etablierte sich als Journalist und freier Schriftsteller und heiratete 1850 Emilie Rouanet-Kummer. 1855 bis Anfang 1858 hielt er sich in London auf, u. a. als »Presseagent« des preußischen Gesandten. Zwischen 1862 und 1882 kamen die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« heraus. Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Kriegsberichterstatter und Reiseschriftsteller war Fontane zwei Jahrzehnte Theaterkritiker der »Vossischen Zeitung«. In seinem 60. Lebensjahr trat er als Romancier an die Öffentlichkeit. Dem ersten Roman »Vor dem Sturm« (1878) folgten in kurzen Abständen seine berühmt gewordenen Romane und Erzählungen sowie die beiden Erinnerungsbücher »Meine Kinderjahre« und »Von Zwanzig bis Dreißig«. Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

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