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Romane

Wir, wir, wir

3,3(87)
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Deutsch
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Über das Buch

»Ein bewundernswertes Debüt, das unter die Haut geht.« – The Sunday Times

Für Fans von Meg Wolitzer und der Serie Yellowjackets

Falls Landing, Florida: ein kleiner Ort umgeben von Freizeitparks, sumpfigen Seen und von der brennenden Sommersonne ausgetrockneten Pflanzen. Eine Clique 13jähriger Mädchen kreist obsessiv um Sammy, die Tochter des ansässigen Priesters. Sie ist einige Jahre älter – und alles, was die Mädchen selbst sein wollen: beliebt, schön, mysteriös und mit einem der coolen Jungs zusammen. Auf die Clique übt Sammy eine geradezu hypnotisierende Faszination aus, sie projizieren all ihre Träume auf das ältere Mädchen und gehen auf in ihrer geteilten Identität, ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl, ihrer gemeinsamen Stimme. Bis Sammy plötzlich spurlos verschwindet – und auch im Inneren ihrer Clique Risse auftauchen. Eine brutale, eindrückliche Geschichte über die Bande, die wir in unserer Jugend knüpfen, und den Moment, an dem sie unwiderruflich reißen.


»Das spannendste Debüt der Saison.« Vogue

»Eine fesselnde Geschichte, die sowohl durch nuancierte Einblicke als auch durch einen energetischen Plot besticht.« – Elle

»[Dieser Roman] besitzt eine Vielzahl hochkarätiger Zutaten, nicht zuletzt Tates sprachliches Talent und beeindruckende Beobachtungsgabe.« – The Guardian

Editionen (1)

ISBN9783312014156
VerlagNagel & Kimche
Erscheinungsdatum27.01.26
Seitenzahl256

Rezensionen & Bewertungen

87 Bewertungen

23 Rezensionen

3,3

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  • fairytears222
    fairytears222

    49 Follower

    4,5

    Dieses Buch fühlt sich an wie Girlhood als Fiebertraum

    Selten hat sich ein Buch für mich gleichzeitig so surreal, verstörend und trotzdem unglaublich nah angefühlt. Es ist definitiv kein „leichtes“ Buch und vermutlich auch keines, das jedem gefallen wird, aber genau das macht es für mich so besonders. Die Atmosphäre des Romans ist schwer zu beschreiben, weil sich beim Lesen permanent alles leicht entrückt anfühlt, fast wie ein Fiebertraum oder eine Erinnerung, die nicht ganz greifbar ist. Ich habe die Schreibweise wirklich geliebt. Sie ist stellenweise beinahe hypnotisch und erzeugt dieses eigenartige Gefühl zwischen Schönheit, Verfall und emotionaler Rohheit. Während des Lesens musste ich die ganze Zeit an diese melancholische Americana-Ästhetik denken, Lana Del Rey a.k.a. Lizzy Grant, Ethel Cain, Southern Gothic, schmutzige Lollipops, Kaugummis, lange Haare, Jeans Shorts, the virgin suicides,... dieses fragile, verwilderte Bild von Girlhood. Und ich glaube tatsächlich: Die Frauen/Mädchen, die dieses Gefühl verstehen, werden auch dieses Buch verstehen. Denn für mich geht es in diesem Roman unglaublich stark um Weiblichkeit und darum, wie schmerzhaft es sein kann, ein Mädchen oder eine Frau zu werden. Nicht auf eine romantisierte Weise, sondern eher körperlich, unangenehm, manchmal sogar abstoßend. Das Buch zeigt Girlhood nicht als etwas Zartes oder Schönes, sondern als etwas Ambivalentes, etwas, das gleichzeitig Sehnsucht, Gewalt, Scham, Begehren und Verlust in sich trägt. Besonders einige Stellen sind mir extrem im Kopf geblieben. Zum Beispiel der Satz: „Männer können eine Frau nur lieben, indem sie sie erniedrigen.“ Oder diese Passage über die „Schale Wasser“ in der Brust, die durch etwas Fremdes und Widerliches verunreinigt wird. Ich glaube, genau deshalb hat mich diese Stelle so getroffen, weil sie dieses Gefühl von verlorener Unschuld so präzise beschreibt. Dieses Empfinden, dass etwas in einem beschädigt oder beschmutzt wurde und dass man sein ganzes Leben versucht, mit diesem Verlust umzugehen. Ich denke, viele junge Frauen, leider oft schon Mädchen, können dieses Gefühl auf irgendeine Weise nachvollziehen. Auch die Passage über die Liebe beziehungsweise über den Körper eines Menschen fand ich unglaublich stark: „Ich liebte seinen Körper, diesen weichen, vertrauten Sack …“ Diese Art, Liebe nicht unbedingt als romantisches Ganzes wahrzunehmen, sondern eher fragmentiert, körperlich, beinahe destruktiv, das war für mich emotional sehr nachvollziehbar und erschreckend ehrlich beschrieben. Insgesamt ist Wir, wir, wir ein sehr komplexes, vielschichtiges und stellenweise wirklich unangenehmes Buch. Aber genau deshalb bleibt es so lange im Kopf. Es beantwortet nicht alles, es hinterlässt Fragen und ein seltsames Gefühl von Leere, Melancholie und Nachhall. „Schön“ ist wahrscheinlich das falsche Wort dafür, aber intensiv trifft es vielleicht besser. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen, allerdings eher an Menschen, die atmosphärische, psychologisch dichte und literarisch etwas experimentellere Bücher mögen.

    21. Mai 2026

  • annikaliest
    annikaliest

    94 Follower

    4,0

    Im sengend heißen Florida, zwischen Freizeitparks, mysteriösen Seen und Trostlosigkeit trifft sich eine Clique 13-Jähriger Mädchen (und Christian). In diesem Setting spielt die Geschichte des „Wir-Kollektivs“ aus Leila, Britney, Christian, Isabel, Jody und ihrer Schwester Hazel. Eine besondere Geschichte, die einen vor allem durch eine sich steigernde Spannung, mysteriöse Umstände, eine morbide Stimmung sowie diverse Momente der Irritation in eine Art Sog hineinzieht. Zum Setting gehört außerdem, dass die Mütter dem „Wir“ (wie die Cliquen-Mitglieder in der Erzählung kollektiv genannt werden) wenig Aufmerksamkeit schenken, da sie hauptsächlich mit sich und diversen Schönheitsthemen, wie u.a. der Talentshow im lokalen Einkaufszentrum, beschäftigt sind. Die Väter sind ohnehin abwesend, was in Summe zu einem immer größer werdenden Gieren nach Aufmerksamkeit führt. Besondere Aufmerksamkeit schenken sie selbst Sammy, der Tochter des örtlichen Predigers. Sie umkreisen und beobachten sie und wollen ihre Aufmerksamkeit um jeden Preis. Doch dann verschwindet Sammy plötzlich, die Mütter bilden Suchtrupps und ständig taucht überall die Frage „Wo ist sie?“ auf. Und bei den Lesenden taucht unweigerlich die Frage danach auf, wieviel die Clique weiß… In die Geschichte eingebettet sind Erzählungen der mittlerweile erwachsenen Cliquenmitglieder; hier zeigt sich, dass sie Schuld und schlechtes Gewissen darüber, oft nur beobachtet statt gehandelt zu haben, noch immer nicht ablegen können. Und auch vom Gefühl, immer in der unterlegenen Position zu sein, können sie sich auch im Erwachsenenalter nicht lösen und blicken weiterhin neidisch auf die anderen, glamouröseren Leben um sie herum… Dizz Tate schafft es, eine absolute Sogwirkung zu erzeugen, die einerseits durch eine sich unterschwellig aufbauende Bedrohungslage und mysteriöse Dynamik, sowie andererseits durch die Hoffnung auf Aufklärung der vielen angedeuteten Irritationen und nicht wirklich nachvollziehbaren Handlungsstränge bedingt ist. Leider erfüllt sich diese Hoffnung allerdings bis zum Ende nicht. Und auch wenn ich eigentlich durchaus offene Enden mag, war es mir hier letztlich etwas viel der Irritation, Metaphorik und Nebulösität. Ingesamt aber ein spannendes, besonderes und mysteriöses Coming-of-Age-Drama!

    8. Apr. 2024

  • litera.lina
    litera.lina

    200 Follower

    3,5

    Dizz Tates Wir Wir Wir ist ein Roman, der seine Wirkung weniger über Handlung als über Form entfaltet. Das Zentrum des Textes liegt nicht im Plot, sondern in der Art, wie erzählt wird. Die konsequent eingesetzte Wir-Perspektive ist dabei nicht nur Stilmittel, sondern Erkenntnisrahmen. Die dreizehnjährigen Mädchen sprechen nicht als Individuen, sondern als kollektive Stimme – ein sprachlicher Zusammenschluss, der Identität zunächst auflöst, bevor er sie überhaupt sichtbar macht. Das erzeugt eine eigentümliche Dynamik. Gedanken wirken verschmolzen, Wahrnehmungen überlagern sich, das Individuelle bleibt lange unterhalb der Textoberfläche. Inhaltlich kreist der Roman um eine Gruppe Mädchen in einem abgeschotteten, fast künstlich wirkenden Florida-Setting, die sich obsessiv an Sammy orientieren – ein älteres Mädchen, das innerhalb der Gruppe Projektionsfläche für Begehren, Bewunderung und soziale Aspiration wird. Als Sammy verschwindet, verschiebt sich der Fokus jedoch weniger in Richtung Krimi als in eine innere Erosion der Gruppendynamik. Wichtig für die Einordnung: Das Verschwinden ist kein narrativer Motor im klassischen Sinne. Es fungiert eher als Kippmoment, an dem sichtbar wird, wie fragil das zuvor stabile „Wir“ eigentlich war. Stilistisch ist der Roman deutlich poetisch und experimentell angelegt. Die Sprache arbeitet stark mit Verdichtung, Wiederholung und metaphorischen Überlagerungen. Dadurch entsteht eine dichte Atmosphäre, die stellenweise hypnotisch wirkt, aber auch Distanz erzeugen kann. Der Text verlangt Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich weniger an Handlung als an Sprachfluss zu orientieren. Feministisch gelesen interessiert Wir Wir Wir weniger die Frage nach weiblicher Solidarität als deren Ambivalenz. Die Mädchen agieren in einem System gegenseitiger Beobachtung, in dem Zugehörigkeit und Konkurrenz nicht getrennt voneinander existieren. Weibliche Identität erscheint hier nicht stabil, sondern als etwas, das permanent im Kollektiv hergestellt und gleichzeitig unterlaufen wird. Das Ende bleibt bewusst metaphorisch und verweigert eindeutige Auflösung. Wer klare Antworten oder narrative Schließung sucht, wird hier keine finden – wer Offenheit und Deutungsspielraum schätzt, eher schon. Einordnung: * geeignet für Leser*innen, die experimentelle Erzählperspektiven und poetische Sprache mögen * weniger geeignet für klassische Plot-orientierte Spannungserwartung * stark, wenn man sich für Girlhood, Gruppendynamiken und Identitätsfragen interessiert * herausfordernd durch Sprache und Struktur

    6 Tage vor

3 von 23 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Dizz Tate

Dizz Tate wuchs in Florida auf und lebt derzeit in London. Ihre Kurzgeschichten wurden in diversen Medien veröffentlicht, 2018 gewann sie den Bristol Short Story Prize. Wir, wir, wir ist ihr erster Roman.

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