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"Liebe und Kunst, das ist ja fast dasselbe."
"Wenn du so viel davon verstehst, weißt du vielleicht auch, wie Liebe und Kunst die Vernunft besiegen." "Quatsch. Besiegen, besiegen. Das Vokabular ist mir zu kriegerisch. Das ist kein Kampf. In der Liebe ist das Ziel die Niederlage, die Selbstaufgabe. Auf beiden Seiten. Nicht die Eroberung." Sie drückte ihre Zigarette aus. Er hielt seine noch zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger und sah zu, wie die Glut den Tabak in Asche verwandelte. - Zitat, Seite 97 "Wut und Liebe" - da ist die klassische Referenz an das berühmte Drama von Schiller im Buchtitel nicht zu überhören, oder? Aber wird uns der Schweizer Autor Martin Suter tatsächlich ein "Bürgerliches Trauerspiel" präsentieren? Wird er die Satire auf die Spitze treiben, oder den Fokus mehr auf die Liebesgeschichte legen? - Nun, finden wir es heraus. Der Protagonist Noah hat auf jeden Fall ferdinandsche Züge: "leidenschaftlich, aufbrausend und egozentrisch." Doch die Helden aus der "Sturm und Drang" Ära, deren edles Ideal die Eroberung einer holden Jungfrau war, sind längst passé. Dies muss auch unser Protagonist schmerzlich feststellen, als er von seiner Herzallerliebsten nach dem gemeinsamen Bettsport mit der Entscheidung derselben konfrontiert wird, sich zu trennen. Denn die Liebe allein genügt der schönen Camilla nicht mehr, denn das Leben mit dem erfolglosen Künstler Noah, genügt ihren Ansprüchen fürs Leben nicht (mehr). In Sachen Geld oder Liebe entscheidet sie sich mit kühlem Kalkül - und Noah kann es nicht fassen. Als er sich dem Weltschmerz in der Kneipe hingibt, kommt er in Kontakt mit einer älteren Dame, die konkrete körperliche Herzprobleme plagen, die jedoch ein Gedanke mit dem jungen Mann verbindet. Beide wollen sich ihrem Schicksal nicht kampflos ergeben. Die Herzdame sinnt auf Rache und macht Noah ein unmoralisches Angebot, welches ihn zum reichen Herzensbrecher machen wird. Kann er so vielleicht Camille zurückgewinnen? Kann das überhaupt gutgehen, diese Verbindung von Wut und Liebe? Überraschend bissig, manchmal schon fast bösartig, ist der Tonfall in dieser rasant erzählten Geschichte. Und wäre diese Geschichte ein Theaterstück, man würde es sich vermutlich mit Vergnügen ansehen. Aber es handelt sich nun einmal um einen Roman, und leider muss hier festgestellt werden, dass die Figuren eher wie Karikaturen wirken. Natürlich könnte man argumentieren, dass von diese Art von gesellschaftlicher Satire eine tiefere Ausleuchtung der Psychologie der Charaktere eher hinderlich für die gewünschten Effekte ist. Aber da die Geschichte sich zudem noch in einem Setting abspielt, die mit der Lebensrealität der Leserschaft in der Regel wenig zu tun haben dürfte, verpufft die Wirkung wahrscheinlich eher. Und dieser ganz bestimmte Charmefaktor, den Martin Suter oft durch seine skurrilen, aber sehr individuellen Protagonisten kreierte, fehlt hier leider. Diesen speziellen, aber doch irgendwie liebenswürdigen Protagonisten sucht man hier vergebens. Dennoch: Wer eine unterhaltsame Gesellschaftssatire mit klugen Wendungen und im gepflegten gut lesbaren Schreibstil gehalten, sucht, kann bedenkenlos zur Lektüre greifen. Und ein ganz kleines bißchen Liebe ist auch mit dabei. FAZIT Dies ist der erste Roman von Martin Suter, der mich an frühere Werke von Ingrid Noll erinnert hat. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum mich der Roman nicht ganz überzeugt hat - harmlos wirkende Frauenfiguren zu kreieren, die es hinter ihrer Fassade faustdick hinter den Ohren haben, beherrscht die Dame der schwarzhumorigen Literatur einfach viel besser als der gepflegte Schriftsteller aus der Schweiz. Im Nachwort erwähnt Martin Suter seine verstorbene Ehefrau, die immer seine erste Leserin war - und nach Ansicht des Schriftstellers weiterhin ist, denn die Frage "Wie würde sie das finden?", begleite sein Schreiben. Ob seine geliebte Margrith, wie ich beim Lesen, den ganz speziellen Charme im Schreiben vermisst, ob ihre bewusste Inspiration dem Protagonisten des Romans mehr Liebenswürdigkeit verliehen hätte, bleibt Spekulation. Was ich tatsächlich interessant fand, war die Hommage im Roman an den Klassiker von 1784. Und man muss leider anmerken, dass sich die menschliche Natur seit damals kaum gewandelt hat. Daher meine Frage: Von welchem literarischen Klassiker würdest Du Dir ein modernes Remake wünschen?
3 Tage vor
"Liebe und Kunst, das ist ja fast dasselbe."
"Wenn du so viel davon verstehst, weißt du vielleicht auch, wie Liebe und Kunst die Vernunft besiegen." "Quatsch. Besiegen, besiegen. Das Vokabular ist mir zu kriegerisch. Das ist kein Kampf. In der Liebe ist das Ziel die Niederlage, die Selbstaufgabe. Auf beiden Seiten. Nicht die Eroberung." Sie drückte ihre Zigarette aus. Er hielt seine noch zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger und sah zu, wie die Glut den Tabak in Asche verwandelte. - Zitat, Seite 97 "Wut und Liebe" - da ist die klassische Referenz an das berühmte Drama von Schiller im Buchtitel nicht zu überhören, oder? Aber wird uns der Schweizer Autor Martin Suter tatsächlich ein "Bürgerliches Trauerspiel" präsentieren? Wird er die Satire auf die Spitze treiben, oder den Fokus mehr auf die Liebesgeschichte legen? - Nun, finden wir es heraus. Der Protagonist Noah hat auf jeden Fall ferdinandsche Züge: "leidenschaftlich, aufbrausend und egozentrisch." Doch die Helden aus der "Sturm und Drang" Ära, deren edles Ideal die Eroberung einer holden Jungfrau war, sind längst passé. Dies muss auch unser Protagonist schmerzlich feststellen, als er von seiner Herzallerliebsten nach dem gemeinsamen Bettsport mit der Entscheidung derselben konfrontiert wird, sich zu trennen. Denn die Liebe allein genügt der schönen Camilla nicht mehr, denn das Leben mit dem erfolglosen Künstler Noah, genügt ihren Ansprüchen fürs Leben nicht (mehr). In Sachen Geld oder Liebe entscheidet sie sich mit kühlem Kalkül - und Noah kann es nicht fassen. Als er sich dem Weltschmerz in der Kneipe hingibt, kommt er in Kontakt mit einer älteren Dame, die konkrete körperliche Herzprobleme plagen, die jedoch ein Gedanke mit dem jungen Mann verbindet. Beide wollen sich ihrem Schicksal nicht kampflos ergeben. Die Herzdame sinnt auf Rache und macht Noah ein unmoralisches Angebot, welches ihn zum reichen Herzensbrecher machen wird. Kann er so vielleicht Camille zurückgewinnen? Kann das überhaupt gutgehen, diese Verbindung von Wut und Liebe? Überraschend bissig, manchmal schon fast bösartig, ist der Tonfall in dieser rasant erzählten Geschichte. Und wäre diese Geschichte ein Theaterstück, man würde es sich vermutlich mit Vergnügen ansehen. Aber es handelt sich nun einmal um einen Roman, und leider muss hier festgestellt werden, dass die Figuren eher wie Karikaturen wirken. Natürlich könnte man argumentieren, dass von diese Art von gesellschaftlicher Satire eine tiefere Ausleuchtung der Psychologie der Charaktere eher hinderlich für die gewünschten Effekte ist. Aber da die Geschichte sich zudem noch in einem Setting abspielt, die mit der Lebensrealität der Leserschaft in der Regel wenig zu tun haben dürfte, verpufft die Wirkung wahrscheinlich eher. Und dieser ganz bestimmte Charmefaktor, den Martin Suter oft durch seine skurrilen, aber sehr individuellen Protagonisten kreierte, fehlt hier leider. Diesen speziellen, aber doch irgendwie liebenswürdigen Protagonisten sucht man hier vergebens. Dennoch: Wer eine unterhaltsame Gesellschaftssatire mit klugen Wendungen und im gepflegten gut lesbaren Schreibstil gehalten, sucht, kann bedenkenlos zur Lektüre greifen. Und ein ganz kleines bißchen Liebe ist auch mit dabei. FAZIT Dies ist der erste Roman von Martin Suter, der mich an frühere Werke von Ingrid Noll erinnert hat. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum mich der Roman nicht ganz überzeugt hat - harmlos wirkende Frauenfiguren zu kreieren, die es hinter ihrer Fassade faustdick hinter den Ohren haben, beherrscht die Dame der schwarzhumorigen Literatur einfach viel besser als der gepflegte Schriftsteller aus der Schweiz. Im Nachwort erwähnt Martin Suter seine verstorbene Ehefrau, die immer seine erste Leserin war - und nach Ansicht des Schriftstellers weiterhin ist, denn die Frage "Wie würde sie das finden?", begleite sein Schreiben. Ob seine geliebte Margrith, wie ich beim Lesen, den ganz speziellen Charme im Schreiben vermisst, ob ihre bewusste Inspiration dem Protagonisten des Romans mehr Liebenswürdigkeit verliehen hätte, bleibt Spekulation. Was ich tatsächlich interessant fand, war die Hommage im Roman an den Klassiker von 1784. Und man muss leider anmerken, dass sich die menschliche Natur seit damals kaum gewandelt hat. Daher meine Frage: Von welchem literarischen Klassiker würdest Du Dir ein modernes Remake wünschen?
3 Tage vor






