Fünf, sechs, sieben, acht
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
EWALD ARENZ, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Mit ›Alte Sorten‹ (DuMont 2019) stand er auf der Liste »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2019, und ›Der große Sommer‹ (DuMont 2021) erhielt 2021 ebenjene Auszeichnung. Zuletzt erschienen ›Zwei Leben‹ (DuMont 2024) und ›Katzentage‹ (DuMont 2025).
Beiträge
[Eins Zwei Drei Vier…] Fünf Sechs Sieben Acht … und schon werde ich gedanklich in meine eigenen Tanzstunden zurückgeworfen. Diese rhythmische Einzählung, sie ist Antons ganzes Leben. Als Choreograf liebt er seinen Job, das Tanzen, die Interpretation seiner Umgebung und deren Umsetzung in Kunst. Für das Publikum noch kaum wahrnehmbar, doch mit seinen 60 Jahren spürt er zunehmend, wie sich Schrittfolgen verlangsamen. Wie sich sein Stil zu wiederholen beginnt. Wie jüngere Talente ihn überholen. Älter werden. Das Gefühl beginnender Bedeutungslosigkeit. Wo könnte man dieses Thema besser aufarbeiten als anhand der Arbeit eines Kulturschaffenden selbst? Wurden die Höhepunkte des Lebens und der Karriere bereits überschritten; und wenn ja, wann? Was liegt noch vor einem? Wann ist es Zeit, das Bühnenlicht auszuschalten oder den Vorhang für neue Talente freizugeben? Und was möchte ich mit der verbleibenden Zeit noch erreichen? Ewald Arenz kratzt mit seinem neuesten Roman an Themen wie dem Älterwerden und auch dem Sterben, ohne dabei zu intensiv zu werden oder den Bogen zu überspannen. Diesen Fragen begegnet der Protagonist sogar eher mit einer (zumindest teilweise auch gespielten) Ironie: „Der Tod kommt näher. Unausweichlich.“ Ich würde ‚Fünf Sechs Sieben Acht’ als das Gegenteil eines Coming-of-Age-Romans einordnen. In dem Buch steckt jedoch noch mehr: die Verarbeitung der Vergangenheit, Vater-Tochter-Beziehungen („Was schuldet man sich?“) und Sehnsuchtsorte, die man „immer in einem Winkel des Herzens aufbewahrte“. Gerade die Aspekte der Vater-Tochter-Konstellation mochte ich sehr. Persönlich konnte ich allerdings eher mit Antons Umfeld sympathisieren als mit der leicht egozentrischen Hauptfigur selbst. Ein wenig Egozentrik passt allerdings auch gut in das Theaterumfeld. Ebenfalls gelungen ist der Aspekt der Nachwuchsförderung: die eigenen Fähigkeiten zu kanalisieren und weiterzugeben, anstatt stur nur an sich selbst festzuhalten. Das Buch bietet in Bezug auf die Figur Jo eine überraschende Wendung, die meiner Meinung nach gern noch etwas ausführlicher hätte aufgearbeitet werden können. Den Hintergrund dieser Entwicklung empfand ich als zu einschneidend, als dass er gerne noch etwas mehr Raum verdient hätte. Manche Bücher hat man schon beim Lesen wie einen Film vor Augen und hier war das für mich wieder einmal der Fall. Der kurzweilige und bildhafte Schreibstil hat dazu maßgeblich beigetragen. Ich mag es, wie Ewald Arenz so unterschiedliche Welten erschafft, als hätte er sie selbst alle schon durchlebt. Auch wenn mich frühere Bücher des Autors noch einen kleinen Tick mehr überzeugt haben, bleibt auch bei ‚Fünf Sechs Sieben Acht’ das Fazit: ein klassischer Arenz.

Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
EWALD ARENZ, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Mit ›Alte Sorten‹ (DuMont 2019) stand er auf der Liste »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2019, und ›Der große Sommer‹ (DuMont 2021) erhielt 2021 ebenjene Auszeichnung. Zuletzt erschienen ›Zwei Leben‹ (DuMont 2024) und ›Katzentage‹ (DuMont 2025).
Beiträge
[Eins Zwei Drei Vier…] Fünf Sechs Sieben Acht … und schon werde ich gedanklich in meine eigenen Tanzstunden zurückgeworfen. Diese rhythmische Einzählung, sie ist Antons ganzes Leben. Als Choreograf liebt er seinen Job, das Tanzen, die Interpretation seiner Umgebung und deren Umsetzung in Kunst. Für das Publikum noch kaum wahrnehmbar, doch mit seinen 60 Jahren spürt er zunehmend, wie sich Schrittfolgen verlangsamen. Wie sich sein Stil zu wiederholen beginnt. Wie jüngere Talente ihn überholen. Älter werden. Das Gefühl beginnender Bedeutungslosigkeit. Wo könnte man dieses Thema besser aufarbeiten als anhand der Arbeit eines Kulturschaffenden selbst? Wurden die Höhepunkte des Lebens und der Karriere bereits überschritten; und wenn ja, wann? Was liegt noch vor einem? Wann ist es Zeit, das Bühnenlicht auszuschalten oder den Vorhang für neue Talente freizugeben? Und was möchte ich mit der verbleibenden Zeit noch erreichen? Ewald Arenz kratzt mit seinem neuesten Roman an Themen wie dem Älterwerden und auch dem Sterben, ohne dabei zu intensiv zu werden oder den Bogen zu überspannen. Diesen Fragen begegnet der Protagonist sogar eher mit einer (zumindest teilweise auch gespielten) Ironie: „Der Tod kommt näher. Unausweichlich.“ Ich würde ‚Fünf Sechs Sieben Acht’ als das Gegenteil eines Coming-of-Age-Romans einordnen. In dem Buch steckt jedoch noch mehr: die Verarbeitung der Vergangenheit, Vater-Tochter-Beziehungen („Was schuldet man sich?“) und Sehnsuchtsorte, die man „immer in einem Winkel des Herzens aufbewahrte“. Gerade die Aspekte der Vater-Tochter-Konstellation mochte ich sehr. Persönlich konnte ich allerdings eher mit Antons Umfeld sympathisieren als mit der leicht egozentrischen Hauptfigur selbst. Ein wenig Egozentrik passt allerdings auch gut in das Theaterumfeld. Ebenfalls gelungen ist der Aspekt der Nachwuchsförderung: die eigenen Fähigkeiten zu kanalisieren und weiterzugeben, anstatt stur nur an sich selbst festzuhalten. Das Buch bietet in Bezug auf die Figur Jo eine überraschende Wendung, die meiner Meinung nach gern noch etwas ausführlicher hätte aufgearbeitet werden können. Den Hintergrund dieser Entwicklung empfand ich als zu einschneidend, als dass er gerne noch etwas mehr Raum verdient hätte. Manche Bücher hat man schon beim Lesen wie einen Film vor Augen und hier war das für mich wieder einmal der Fall. Der kurzweilige und bildhafte Schreibstil hat dazu maßgeblich beigetragen. Ich mag es, wie Ewald Arenz so unterschiedliche Welten erschafft, als hätte er sie selbst alle schon durchlebt. Auch wenn mich frühere Bücher des Autors noch einen kleinen Tick mehr überzeugt haben, bleibt auch bei ‚Fünf Sechs Sieben Acht’ das Fazit: ein klassischer Arenz.






