
Eine Achterbahnfahrt der Emotionen und Spannung.
Dieses Buch ist für mich wie eine klassische Spannungskurve mit Höhen, Tiefen und ein paar Stolperstellen dazwischen. Wenn ich es bildlich beschreiben müsste: Es startet eher flach und holprig, steigert sich ab etwa Seite 80 immer stärker, erreicht seinen Höhepunkt irgendwo zwischen Seite 200 und 240, fällt danach wieder ab, bekommt um Seite 300 nochmal einen kleinen Aufschwung – und läuft dann eher ruhig und leicht uneben aus. Und genau so hat es sich auch gelesen. Der Einstieg war für mich ehrlich gesagt schwierig. Schon die erste Szene lässt den männlichen Protagonisten Hayes alles andere als sympathisch wirken – und das zieht sich auch noch eine ganze Weile. Er ist ruppig, teilweise wirklich unangenehm, und man fragt sich mehrfach, warum Hattie sich das eigentlich antut. Hattie dagegen ist das komplette Gegenteil: sensibel, emotional, geprägt von Verlust und einfach nur erschöpft vom Leben. Der Tod ihrer Mutter und später auch ihrer Schwester – die für sie eine Art Ersatzmutter war – hängt wie eine dunkle Wolke über ihr. Man merkt richtig, wie verloren sie ist und wie sehr sie versucht, irgendwie zu funktionieren, obwohl sie innerlich längst am Limit ist. Dass sie nicht einfach alles hinschmeißt und verschwindet, ist eigentlich schon bewundernswert. Mit der Situation rund um Hayes, ihren Job bei ihm und die ganzen Verstrickungen (inklusive Fake-Lüge und Vergangenheit) nimmt die Geschichte dann langsam Fahrt auf. Und hier beginnt auch der Teil, der mich wirklich gepackt hat. Es entsteht Tension. Wortgefechte. Unausgesprochene Gefühle. Und man wartet die ganze Zeit darauf, dass es endlich „kippt“. Gerade Hattie tat mir dabei oft leid – und gleichzeitig ging sie mir auch ein bisschen auf die Nerven, weil sie immer wieder gegen dieselbe Wand läuft. Dieses ständige Hoffen, dieses sich ein Stück weit selbst bloßstellen… da hätte ich mir manchmal einfach mehr Stolz für sie gewünscht. Hayes dagegen entwickelt sich. Vom unsympathischen, schwierigen Typen hin zu jemandem, bei dem man merkt: harte Schale, weicher Kern. In seinen Gedanken wirkt er oft viel greifbarer und menschlicher als in seinem Verhalten. Der Mittelteil ist dann wirklich stark. Die Spannung steigt, Konflikte spitzen sich zu, Geheimnisse kommen ans Licht – und dann kommt dieser Punkt, auf den alles hinausläuft. Der „Knall“. Danach dürfen die beiden endlich ihren Weg gehen. Und genau hier passiert das, was für mich der größte Knackpunkt des Buches ist: Die Spannung fällt ab. Es wird ruhig. Sehr ruhig. Teilweise zu ruhig. Alles, was vorher kompliziert war, löst sich auf. Die Familiendynamik entspannt sich, Beziehungen klären sich, und plötzlich ist vieles einfach… gut. Fast schon zu gut. Es wird cozy. Es wird süß. Und stellenweise auch ziemlich kitschig. Was nicht per se schlecht ist – im Gegenteil. Die Autorin kann diese weichen, romantischen Momente wirklich gut schreiben. Aber im direkten Vergleich zum intensiven Mittelteil wirkt das Ende fast ein bisschen zu glatt. Ein kleiner Spannungshub kommt zwar nochmal um Seite 300, aber der erreicht bei weitem nicht mehr das vorherige Level. Und dann gab es noch diesen einen Punkt, der mich wirklich gestört hat: Das zusätzliche Drama ganz am Ende. Das wirkte auf mich eher unnötig – fast so, als hätte man nochmal künstlich Spannung erzeugen wollen, obwohl die Geschichte ihren Höhepunkt eigentlich schon hinter sich hatte. Das hätte entweder früher kommen müssen oder man hätte es einfach weglassen können. Was ich dagegen wieder sehr spannend finde – je mehr ich darüber nachdenke: Die Geschichte fühlt sich stellenweise unglaublich echt an. Gerade im Bezug auf Hatties Familie. Die Dynamiken, die Entscheidungen, auch die Dinge rund um ihre Schwester… das ist alles nicht perfekt, nicht „richtig“, aber genau deshalb irgendwie glaubwürdig. Dieses Gefühl von: Man meint es gut – und macht trotzdem alles falsch. Das hat mich teilweise richtig gestresst beim Lesen, aber gleichzeitig ist genau das auch eine Stärke des Buches. Zum Schreibstil: Der Anfang war für mich schwer zugänglich und teilweise anstrengend. Mit der Zeit wird er aber deutlich angenehmer und zieht einen mehr rein. Was mir persönlich etwas gefehlt hat, war sprachliche Tiefe. Die Sätze sind eher schlicht gehalten, wenig komplex – was nicht schlecht sein muss, aber mir hat da manchmal einfach das gewisse Etwas gefehlt. Kann natürlich auch an der Übersetzung liegen. Mein Fazit: Ein Buch mit einer sehr klaren Entwicklung – sowohl in der Story als auch im Lesegefühl. Schwacher, anstrengender Einstieg Richtig starker, fesselnder Mittelteil Ruhiges, teilweise zu glattes Ende Trotz meiner Kritik: Es ist ein gutes Buch. Aber eines, das man am besten am Stück lesen sollte – ohne größere Pausen. Gerade die haben bei mir dafür gesorgt, dass ich am Ende schwer wieder reingekommen bin und vieles sich deutlich zäher angefühlt hat. Nicht perfekt für mich – aber definitiv ein Buch, das etwas mit einem macht. Nur halt nicht zum erneuten Lesen einlädt.













