Wie man einen Mann verführt
Gwendolyn, 19 Jahre alt, kämpft mit Panikattacken, einem gebrochenen Herzen – und plötzlich mit einem sprechenden Kater, der sie durch ein magisches Portal ins sagenumwobene Avalon zieht. Was wie ein chaotischer Start klingt, entwickelt sich schnell zu einer klassischen „Fish out of water“-Fantasygeschichte mit Romantasy-Elementen und einer Prise dunkler Mythologie. Gwen erfährt, dass sie Feuerkräfte besitzt und eine wichtige Rolle in einem Land spielen soll, das vom sogenannten Eisenprinzen Mordred mit eiserner Hand regiert wird. Zwischen Misstrauen, Verantwortung und einer zunehmend spürbaren Anziehung zwischen den beiden entspinnt sich der Auftakt einer düsteren Saga. Die Geschichte wird abwechselnd aus Gwens und Mordreds Perspektive erzählt – ein erzählerischer Kniff, der beiden Figuren Tiefe verleiht und Einblicke in ihre jeweiligen Beweggründe ermöglicht. Gwen ist eine sympathische, wenn auch stellenweise recht naive Protagonistin. Ihre Panik, ihre Orientierungslosigkeit und ihr Bedürfnis, sich selbst treu zu bleiben, wirken authentisch. Gleichzeitig bleibt sie in manchen Momenten etwas passiv und trifft impulsive Entscheidungen, ohne allzu viel zu hinterfragen – was manchmal Frustpotenzial birgt. Mordred ist der typische Antiheld: hart, unnahbar, aber mit einer komplexen Vergangenheit, die sein Handeln verständlich macht. Seine Figur ist gut angelegt, auch wenn man stellenweise gern noch tiefer in seine Konflikte und Beziehungen – etwa zu den Rittern – eingetaucht wäre. Stilistisch überzeugt das Buch mit einem lockeren, modernen Erzählton. Besonders Gwen verleiht der Geschichte mit ihrer frechen, manchmal leicht ironischen Art eine angenehme Leichtigkeit, selbst in düsteren Momenten. Die Welt Avalon ist spannend konzipiert, wenngleich sie in ihrer Tiefe noch nicht ganz ausgeschöpft wird. Die Idee der magischen Kristalle und der Eisenwesen ist originell, hätte aber ebenfalls etwas mehr Raum zur Entfaltung verdient. Was die Romantik betrifft, entwickelt sich die Anziehung zwischen Gwen und Mordred recht zügig. Wer hier eine langsame Annäherung oder einen fein ausgearbeiteten Enemies-to-Lovers-Plot erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Zudem wird Mordreds herrisches Verhalten teilweise sehr unkritisch dargestellt – ein Aspekt, den man reflektieren sollte, ohne dass es den Lesespaß zwingend mindert. Fazit: „Einen Dunklen Prinzen zu verführen“ ist ein unterhaltsamer und atmosphärischer Reihenauftakt, der mit einer kreativen Welt, einer spannenden Mythologie und zwei interessanten Hauptfiguren punktet. Trotz einiger Schwächen in Tiefe, Spannung und Charakterentwicklung habe ich die Geschichte gern gelesen und freue mich auf die Fortsetzung. Wer düstere Romantasy mit Magie, alten Legenden und einer Prise Humor sucht, wird hier fündig.









