Sternebewertung fiktiv
Die Iren. Wirklich. Ich liebe diesen trockenen, leicht bitteren Humor, bei dem man nie genau weiß, ob man jetzt lachen darf oder gerade lacht, obwohl es eigentlich um einen Toten geht. Knapp 90 Seiten. Und man denkt erst, das ist doch schnell erzählt. Ist es auch. Aber was da alles drinsteckt, ist herrlich. Der Weber Mortimer Hehir ist tot. Und wie es sich für einen sturen Iren gehört, hat er noch zu Lebzeiten exakt festgelegt, wo er begraben werden will. Unter einem ganz bestimmten Baum. War es eine Ulme? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls hat er jahrelang alle damit genervt, inklusive seiner drei vorherigen Ehefrauen. Nun darf sich seine vierte, deutlich jüngere Witwe darum kümmern. Was zunächst simpel klingt, „Findet halt das Grab!“ entwickelt sich zur kleinen Dorf-Odyssee. Zwei Totengräber werden aufgetrieben. Die müssten es doch wissen. Tun sie theoretisch auch. Praktisch sind sie zerstritten, schwerhörig und sitzen mit dem Rücken zueinander, in gepflegter gegenseitiger Verachtung. Ich musste mehrfach grinsen. Während also Mortimer mit Pennys auf den Augenlidern und Kruzifix in der Hand im Kerzenschein aufgebahrt liegt, diskutiert das Dorf über Baumarten, alte Geschichten und darüber, wer eigentlich wem noch etwas schuldet. Der Tod wirkt hier weniger tragisch als vielmehr absurd begleitet und genau das macht den Reiz aus. Dieser bissige, trockene Humor funktioniert nur, wenn man ihn mag. Wenn man mit Sarkasmus umgehen kann und keine pathetische Trauergeschichte erwartet. Für mich war es genau richtig, kurz, knackig, humorvoll und eigenwillig. Und ganz ehrlich? Irland steht danach wieder ein Stück höher auf meiner Bucket List. Ein kleines Buch, das man wunderbar verschenken kann, an Menschen mit Sinn für schwarzen Humor.
