
ZÄHE ENTTÄUSCHUNG! Die Ausgangslage klang nach allem, was einen guten Survival-Thriller ausmacht: Schnee, Isolation, Misstrauen und ein Mörder unter den festsitzenden Fremden. Umso größer ist die Enttäuschung, dass Dead of Winter von Darcy Coates aus dieser vielversprechenden Idee so wenig macht. Ein Thriller dieser Art lebt von Isolation, Angst und dem Gefühl, irgendwohin fliehen zu können. Die verschneiten Berge, eisige Temperaturen und eine abgelegene Jagdhütte sollten eigentlich eine beklemmde Atmosphäre erzeugen. Stattdessen bleibt das Setting über weite Strecken erstaunlich leblos. Die Umgebung wird zwar regelmäßig beschrieben, wirkt aber selten greifbar oder bedrohlich. Gerade weil Darcy Coates für ihre atmosphärischen Geschichten bekannt ist, wirkt das umso enttäuschender. Die Kulisse bleibt letztlich austauschbar und trägt nur wenige zur Spannung bei. Nach einem durchaus gelungenen Einstieg verliert die Geschichte erstaunlich schnell an Tempo. Statt die Spannung kontinuierlich aufzubringen, wiederholen sich viele Szenen in leicht abgewandelter Form. Die Figuren verdächtigen sich gegenseitig, diskutieren immer wieder dieselben Möglichkeiten und treffen Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar wirken. Während sich die Opferzahl langsam erhöht, hat die eigentliche Handlung das Gefühl auf der Stelle zu treten. Neue Erkenntnisse sind rar gesät, echte Wendungen bleiben lange aus und viele Kapitel vermitteln den Eindruck, lediglich die Zeit bis zum nächsten Mordfall zu überbrücken. Dadurch entstehen spürbare Längen, die den Lesefluss spürbar bremsen. Besonders problematisch ist, dass die Story trotz ihrer überschaubaren Handlung in die Länge gezogen wird. Wo andere Bücher das Tempo anziehen würden, verliert sich Dead of Winter immer wieder in Wiederholungen und endlosen Diskussionen. Zusätzlich wird das Buch durch seine Charaktere ausgebremst. Obwohl eine größere Gruppe von Personen auf engen Raum eigentlich viel Konfliktpotenzial bietet, bleiben die meisten Figuren oberflächlich. Viele von ihnen bleiben eindimensional und wirken eher wie Mittel zum Zweck als wie echte Persönlichkeiten. Selbst Protagonisten Christa wirkt trotz ihrer größeren Rolle nie wirklich greifbar. Dadurch wird es schwer, mit ihr mitzufiebern oder sich emotional auf die Geschichte einzulassen. Hinzu kommt, dass viele Entwicklungen wenig überraschend wirken. Das Mysterium um den Täter verliert schnell an Reiz, weil echte Spannung oder raffinierte Irreführungen fehlen. Statt nervenaufreibener Unsicherheit wirkt vieles vorhersehbar und nach bekannten Genere-Mustern aufgebaut. Vielversprechende Ausgangslage, enttäuschende Umsetzung. Für mich bisher das schwächste Buch von Darcy Coates.











