Das Buch hatte fĂŒr mich eine ruhige und nachdenkliche Geschichte ĂŒber Kindheit, Familie und das Erwachsenwerden. Die Autorin beschreibt GefĂŒhle und Gedanken sehr einfĂŒhlsam und realistisch. Obwohl die Handlung eher ruhig verlĂ€uft, hat mich das Buch emotional abgeholt und zum Nachdenken gebracht.
"Ihre Sohlen fangen an zu jucken vor Verlangen nach der rauen Rinde. SehnsĂŒchtig starrt sie in die Astgabeln, dort, wo man im grĂŒnen Schatten sitzt, verborgen wie ein Vogel. Wenn jetzt niemand eingreift, ist es um sie geschehen, und sie sitzt schon auf dem Baum. Und wie sich die BĂ€ume freuen, wenn sie zu ihnen kommt! Es ist eine groĂe Seligkeit, man weiĂ nicht wo der Baum aufhört und Meta anfĂ€ngt."
Diese Mischung aus kindlicher Fantasie, sinnlicher EindrĂŒcke und lebendiger Umwelt war eine groĂe Seligkeit fĂŒr mich.
Intensivere Schilderungen von kindlichen EindrĂŒcken habe ich noch nie gelesen. Die kleine Meta lĂ€sst Pflanzen, BĂ€ume, Tiere und das Haus lebendig werden. LĂ€sst den Leser teilhaben an der Verwirrung ĂŒber die Erwachsenenwelt.
Es ist eine fragmentarische ErzĂ€hlung und das mag eventuell nicht jeder. Vielleicht fĂŒhlt es sich aber noch wertvoller an, wenn man sich die autobiographische Natur des Buches klar macht. Marlen Haushofer beschrieb immer wieder eine Wand, die sie von anderen Menschen trennt. Durch dieses Buch kann man dies besser nachfĂŒhlen.
Eine tolle einfĂŒhlsame Reise durch die Kindheit mitreiĂend erzĂ€hlt. Marlen Haushofer hat einen besonderes Talent den Leser in die Geschicht zu ziehen.
Die (autobiografisch und feministisch angehauchte) fragmentarische Kindheit eines MĂ€dchens und ihrer Familie in einer österreicher ForsthĂŒtte.
Wunderschöne Sprachbilder aus wundervollen Worten. Die Perspektive eines Kindes, durch Fantasie und einer Art AmmoralitĂ€t sehr authentisch und vereinnahmend (zumindest fĂŒr Leser und Leserinnen, die nicht in GroĂstĂ€dten aufgewachsen sind) erzĂ€hlt.
Inhaltlich gibt es keinen roten Faden, aber welche Kindheit besitzt solch einen schon? Eine Ansammlung an Gedanken, Freuden, Ăngste, Freunde, Familie, Fremde, Feinde und vielen, vielen (Tag-) TrĂ€umen.
Der âHimmel der nirgendwo endetâ ist die komplexe Erwachsenenwelt, die sich der kleinen Meta erst ĂŒberfordernd entgegenstellt und die sie dann mit zunehmendem Alter in sich aufnimmt.
Mit ihren sehr unterschiedlichen Eltern und dem kleinen Bruder wĂ€chst sie in einem österreichischen Forsthaus mitten im Nirgendwo auf. Meta ist höchst sensibel, nimmt ihre Umgebung sehr genau wahr. Dabei ist sie von vielem ĂŒberfordert und abgestoĂen und wiederum von vielem eingenommen und angezogen. Mit ihrer Mutter wird sie so gar nicht warm, was auf Gegenseitigkeit beruht. Der Vater hingegen bereichert sie ungemein mit seinen eigenen Geschichten, die er ihr erzĂ€hlt, aber auch den literarischen Klassikern, mit denen er sie versorgt.
Meta versucht die Erwachsenenwelt zu verstehen, scheitert aber oft daran, und sucht die heilsame Klarheit der Naturerfahrungen. Inmitten dieser Irrungen und Wirrungen bildet sich schlieĂlich eine jugendliche IdentitĂ€t heraus.
Marlen Haushofer gelingt, wie auch in âDie Wandâ, eine AtmosphĂ€re, die maĂgeblich von der NĂ€he zur Natur geprĂ€gt wird. Der Plot mĂ€andert auch hier unstrukturiert und weitestgehend höhepunktlos vor sich hin. Hin und wieder schafft Haushofer eine authentische EmotionalitĂ€t zwischen den Welten Kindheit und Erwachsensein, die allen Leser*innen AnknĂŒpfungspunkte an das eigene Leben liefern kann.
Im GroĂen und Ganzen fehlten mir aber die starken Motive, die groĂartigen Zitate, die wirklich bewegenden Momente.