
Pakt mit dem Teufel
Klaus Mann erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der seine Schauspielkarriere an einem kleinen Theater beginnt und sich nach der Machtübernahme den Nationalsozialisten anbiedert. So steigt er schließlich zum gefeierten Star auf. Höfgen, dem die Rolle des Mephisto in Goethes „Faust“ wie auf den Leib geschnitten ist, erkennt zu spät, dass er durch seine Kooperation mit dem NS-Regime tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel – dem Mephistopheles – geschlossen hat. Er hat für den Ruhm seine Seele verkauft. Manns Geschichte basiert auf wahren Vorbildern und Begebenheiten: Höfgen steht stellvertretend für seinen Ex-Schwager Gustaf Gründgens. Das führte dazu, dass viele Verlage den Exilroman erst nicht in der BRD veröffentlichen wollten und dieser dann auch gänzlich verboten wurde. Dabei ist Manns Werk mehr als nur eine persönliche Abrechnung. Seine Hauptfigur ist die Personifikation von Opportunismus und rücksichtslosem Karrierestreben. Höfgen ist bereit, für den Ruhm seine ethischen Prinzipien zu opfern. Dabei geht sein gesellschaftlicher Erfolg mit einem persönlichen moralischen Niedergang einher. Wirft man einen Blick auf Gründgens Nachkriegskarriere – wie schnell er trotz seiner NS-Vergangenheit wieder arbeiten durfte und wie prägend er als Kopf führender Schauspielinstitutionen wirken konnte – lässt sich festhalten: Die Realität hat den Roman, dessen Handlung 1936 endet, fortgeschrieben. Überhaupt hat mich Klaus Manns Weitsicht beeindruckt. Die deutlichen Worte, mit denen er schon 1936 und zudem aus dem Exil die Gräuel des NS-Regimes dargestellt hat, hatte er vielen seiner Zeitgenossen voraus. Immer wieder gibt es Passagen, die einen kaum glauben lassen, dass das Werk ohne Kenntnis der Ereignisse der Jahre 1937-1945 geschrieben wurde. Welche Beziehung besteht zwischen Kunst und Macht? Wie wird Kunst von totalitären Regimes instrumentalisiert? Und wie lassen sich Künstler durch Anpassung korrumpieren? Fragen, die auch 90 Jahre nach der Entstehung des „Mephisto“ und damit in Zeiten, in welchen ein Kulturstaatsminister wieder versucht, politisch Einfluss auf Kulturinstitutionen in Deutschland zu nehmen, bedeutsamer denn je sind.










