2. Jan.
Rating:4

„Es war einmal ein Vogel“, begann sie, obwohl Sams Augen geschlossen waren. „Der geriet in einen Hurrikan. Darin waren schon Autos und Feuerwehrleute und Lampen, Ärzte, Hunde, Klaviere, Priester und Fotoalben und … Sofas.“ (S. 61) Iona wollte ihren Vater Tahvo, der von ihr nichts weiß, nie kennenlernen. Doch jetzt ist sie hochschwanger und auf der Suche nach ihm. Sie benötigt Geld. Doch statt ihn in seinem Haus zu finden, muss sie in selbiges einbrechen. Da tritt Tine auf die Bühne, die Nachbarin (mit ihrer Tochter Clara), die Tahvo ebenfalls seit geraumer Zeit sucht. Auf der gemeinsamen Suche gesellt sich eine weitere Person ins Boot, Karoline. Nach anfänglichen Schwierigkeiten machen sich die Frauen auf den Weg nach Finnland, denn dort vermuten sie Tahvo, in einer Kommune, von der er einst sprach. „[…] Jedenfalls glaube ich mittlerweile, dass es nicht möglich ist, einfach alles hinter sich zu lassen. Solange man am Leben ist, kann man nicht aus der Welt fallen, so wie man in sie hineingefallen ist. [...] Das heißt aber auch nicht, dass man alles mitmachen soll. Man muss gehen und bleiben, gleichzeitig […] für manche Leute ist das nicht radikal genug.“ (S. 213) Die Autorin liefert eine auch aufwühlende Geschichte, die mit feinen Spitzen und Humor gespickt ist; die trotz ihrer gefühlten Einfachheit, die ungleichen Protagonistinnen klar zeichnet. Und trotzdem die drei Frauen so unterschiedlich sind, verbinden sie viele Themen. Ihre unterschiedlichen Ansichten vom Leben lassen sie aneinander reiben, aber auch wachsen. Mit feiner Klinge seziert die Autorin die Figuren. Die Geschichte hat Tiefe, denn offensichtlich kennen alle den gleichen Mann, und eigentlich doch nicht. Die Autorin arbeitet mit Bildern, was mich persönlich ja immer sehr anspricht. Zum Ende hin hat mich die Geschichte ein wenig verloren, da es so ein dahinplätschern wurde, und das Ende mag offenbleiben, Tahvo diffus in der Geschichte leben … doch mit einem klaren Ende würde es sich vermutlich nicht so fein anfühlen. Leseempfehlung - … und Tahvo hätte ich irgendwie gerne kennengelernt.

Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut
Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus bautby Marie MalcovatiEdition Nautilus GmbH