Wie man ein wichtiges Thema verhunzt
Die Temperaturen steigen unaufhörlich, Waldbrände bedrohen die Städte und Dörfer in Europa, Wasser wird rationiert. Zwischendrin zwei Brüder, die, jeder auf seine Weise, mit den Folgen der Klimakrise umgehen müssen … Vorweg: Das Thema dieses Buches ist so ungemein wichtig und die Grundidee klang einfach nur großartig. Erwartet hatte ich, auch durch den journalistischen Background des Autors, fundiertes wissenschaftliches Wissen, ein dystopisches Endzeitfeeling, Nachdenkenswertes über ethisch-moralische Grundsätze der Maßnahmen, die ergriffen werden müssen … … bekommen habe ich aber nur einen furchtbar schlechten Roman. Dem Buch fehlt es leider handwerklich an jeder Ecke und jedem Ende und es darf sich rühmen, mit die schlechtesten Dialoge zu haben, die ich je in einem ‚ernsthaften‘ Roman gelesen habe. Die sind teilweise so cringe, mir hat sich alles zusammengezogen. Dazu diese furchtbaren beiden Männer Robert und Tom, der eine ein verschwurbelter Aluhutträger, der andere ein selbstverliebter Wissenschaftler-Rockstar oder was auch immer, der zwar keine fünf Minuten Zeit für seine Tochter hat (er muss nämlich erst mal noch die Welt retten), aber dafür sehr viel Zeit, sich neben der Ehefrau (die eigentlich nur nervt) eine Geliebte zu halten (natürlich die Seelenverwandte!). Überhaupt die Frauen in diesem Buch: Gesichtlos (ich glaube, es wird nicht mal die Haarfarbe von einer erwähnt), in der Krise zicken sie sich an, weil die eine einen Freund hat, die andere nicht (ja klar, wir sind halt schlichte Gemüter) und eigentlich sind sie im Großen und Ganzen nur Stichwortgeberinnen für die Männer. Dann wieder gibt es Stränge, die völlig ins Leere laufen (was soll das Kapitel mit den Investoren?), es wird ständig von hier nach da und wieder zurück gefahren, überhaupt stimmt die Zeitlinie überhaupt nicht - Menschen und Autos materialisieren sich innerhalb von wenigen Minuten an einem Ort - und Szenen sind innerhalb von fünf Sätzen begonnen und abgeschlossen. Das ist alles handwerklich richtig, richtig schlecht und nur ein kleiner Abriss, es gäbe noch jede Menge mehr zu bemängeln. Das ständig erwähnte Phönix-Projekt bleibt dann auch sehr vage (es wird ein bisschen wie Klima-Kommunismus beschrieben) und es beruht darauf, dass alle Staaten nach Toms Pressekonferenz einsehen, dass man handeln muss und wird und die Menschen alle solidarisch werden und ihren Wohlstand aufgeben. Süß, echt süß. Das dämliche Ende allein hätte direkt noch mal verdient gehabt, dass ein Stern abgezogen wird (die Zukunft wird dann doch ganz toll, weil Tom Janne einen super Job zuschanzt und die wird das dann schon richten, zumindest träumt sie sich das am Strand so vor, wo es auf einmal nur noch milde 28° hat), aber den habe ich dem Autor gelassen, als Verdienst, jemand gefunden zu haben, der ihm das verlegt. Ist ja auch eine Leistung.

