Schöner Gedanke
„Meine Arbeit besteht darin, möglichst viele von den Dingen, die über den Rand der Welt geglitten sind, wieder aufzusammeln, und ihren Wert trotz der Disharmonie, die sie vielleicht umgibt, zur Geltung zu bringen.“ (S. 7) „Das Museum der Stille“ ist ein leiser Roman über Erinnerungsstücke und deren Fortbestand. Jedem Menschen wird in diesem Buch ein Gegenstand zugeschrieben, der für ihn als Person steht und seiner gerecht wird. Dieses Objekt soll als perfektes Artefakt konserviert, katalogisiert und schlussendlich im besagten Museum ausgestellt werden. Eine schöne Idee zur Thematik „Erinnerung“ an eine verstorbene Person, in einem nicht näher definierten Dorf, mit namenlosen Protagonisten, um auch hier den Fokus, klar und zielgerichtet, auf die Handlung zu lenken. Wer denkt, diese Anonymität könnte keine Tiefe schaffen, irrt. Yoko Ogawa schreibt poetisch. Ihre Wortwahl ist treffend und melancholisch. Und obwohl die Geschichte für mich auch am Schluß, noch einige ungelöste Handlungsstränge und Ungereimtheiten beinhaltete, fühlte ich mich zwischen den Seiten unaufgeregt wohl und beobachtete aus der Ferne den Aufbau dieses besonderen Ortes. Der Inhalt, das spüre ich, wird ein paar Tage nachhallen, denn die Idee ist so großartig und wichtig und bei mir gerade ganz aktuell, um in mich hineinzuhöre und zu fragen: Welchen Gegenstand würde ich stellvertretend aufbewahren, verließe ein geliebter Mensch diese Welt?



