Das Grauen als Normalzustand
Nachdem ich Das Handwerk des Teufels gelesen hatte, war ich so beeindruckt, dass ich unbedingt mehr von Donald Ray Pollock lesen wollte. So bin ich auf Knockemstiff gestoßen. Thematisch knüpft das Buch deutlich an, wieder geht es um eine Kleinstadt in der amerikanischen Provinz, wieder um Gewalt, Drogen, Armut, Missbrauch und Trauma. Diese sind keine dramaturgischen Ausnahmen, sondern der Normalzustand, aus dem Pollock seine Geschichten formt. Knockemstiff ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen jeweils andere Bewohner der gleichnamigen Stadt und ihrer Umgebung im Mittelpunkt stehen. Es sind Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Leben, die sich nach und nach zu einem düsteren Gesamtbild fügen. Die Geschichten sind oft grotesk, ekelhaft, schockierend und schwer auszuhalten. Manche stoßen ab, andere lassen einen fassungslos zurück. Nicht jede Erzählung hat mich gleich stark gepackt, aber viele wirken lange nach. Pollock erklärt das Grauen nicht, er hält es aus und zwingt auch die Leserinnen und Leser dazu. Genau das macht die Texte so intensiv. Auch wenn mir Das Handwerk des Teufels insgesamt noch etwas besser gefallen hat, lassen sich die Bücher nur bedingt vergleichen. Während dort eine zusammenhängende, generationsübergreifende Geschichte erzählt wird, wirkt Knockemstiff roher und fragmentarischer. Es ist eine unbequeme Lektüre, von der man den Blick kaum abwenden kann und die man nicht so schnell vergisst.



