
Persönlich, schonungslos, stellenweise schwer zu ertragen, trotzdem bereichernd
Melissa Febos erzählt in Girlhood eine schonungslose, autobiographische Geschichte über das Frausein und vor allem das Frau‑Werden. Ihre Erfahrungen – frühe sexuelle Übergriffe, später Drogenabhängigkeit, die Arbeit als Domina und immer wieder Grenzverletzungen durch Männer – machen das Buch stellenweise schwer auszuhalten. Ich musste es mehrfach weglegen, weil die Schilderungen bedrückend waren. Gerade weil Febos nicht von spektakulärer Gewalt erzählt, zeigt ihr Buch umso deutlicher, wie allein Mädchen und Frauen mit sexuellen Traumata bleiben. Sie beschreibt eindrücklich, wie Schuld und Scham internalisiert werden, wie sie als Jugendliche stigmatisiert und ausgeschlossen wurde und wie diese Prägungen ihr Leben lang nachwirken: Schwierigkeiten in der Grenzsetzung, Unsicherheit in Beziehungen, das ständige Zweifeln an den eigenen Bedürfnissen. Als Mutter hat mich das besonders getroffen. Febos verknüpft ihre persönliche Geschichte mit einem größeren kulturellen und historischen Kontext und macht sichtbar, wie tief gesellschaftliche Muster in weibliche Sozialisation eingreifen. Auch wenn ich das Buch nicht bewertet habe, weil es sich für mich nicht „bewerten“ lässt, halte ich es für sehr empfehlenswert – für Mütter, für Frauen und ebenso für Männer, die verstehen wollen, was weibliche Sozialisation und sexualisierte Grenzverletzungen bedeuten.









