Diese Erzählung aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg kommt so harmlos daher und hat doch ihre Untiefen. Zu Beginn starten ein Engländer und seine Tochter eine Ballonfahrt von Deutschland nach England, und wir treffen sie erst am Ende kurz vor ihrer Landung wieder. Dazwischen ist von Freundschaft und Liebe, von Krankheit und Tod, von Rettung und Mord und, in einer Binnenerzählung, von Odysseus bei den Phäaken die Rede. Handelnde Personen sind Kinder aber auch eine Köchin, ein Friedhofsgärtner, ein Schriftsteller, ein Leutnant, ein Schwan (vielleicht Zeus?). Die Dialoge sind scheinbar betulich harmlos, doch hinter der Harmlosigkeit gibt es die Ankündigung von etwas Bösem. Es sind Menschen gestorben: bei einem Mord, nach einer Krankheit, der Leutnant sehnt sich nach dem Tod seiner Geliebten, selbst zu sterben, von eigener Hand oder im kriegerischen Kampf in Afrika. Jungen sehnen sich nach verschworener Gemeinschaft in einer Bande mit Treueschwüren, und Odysseus will nach Hause. Und über allem dräut das Septembergewitter.
6. MärzMar 6, 2025
Septembergewitterby Friedo LampeMILENA
