Brillantes Buch über die dunkle Vergangenheit Deutschlands mit einem Bogen zur Gegenwart. Ich halte es für buchpreisfähig. Für mich persönlich etwas anstrengend.
Szántó thematisiert in seinen Werken das Aufwachsen in multikulturellen Umfeldern, die jüdische Familiengeschichte, Migration, Sprachverlust sowie die Herausforderung der Selbstdefinition angesichts einer von Lücken, Brüchen und verschobenen Perspektiven geprägten Biografie. Der Titel „Treppe aus Papier“ symbolisiert dabei treffend die Dualität von Tragfähigkeit und potenzieller Fragilität. Szántós literarischer Stil weist Parallelen zu Autor*innen wie Saša Stanišić, Katja Petrowskaja oder Ilya Kaminsky auf, zeichnet sich jedoch durch eine eigenständige, subtile Handschrift aus. Die Kombination aus poetischer Prosa und essayistischen Reflexionen reiht sich in die Tradition literarischer Erinnerungstexte ein, ohne dabei in Nostalgie abzugleiten. „Treppe aus Papier“ stellt ein bemerkenswertes Debüt dar: ein Werk, das seine Wirkung nicht durch Lautstärke, sondern durch seine Resonanz entfaltet. Es ist eine Auseinandersetzung mit Identität, Sprache und der fragilen Struktur der Erinnerung, dessen Stärke gerade in seiner Zartheit liegt. Für Leser*innen, die literarische Präzision, poetische Ausdrucksformen und Themen wie Diaspora, jüdische Geschichte und Mehrsprachigkeit schätzen, bietet dieses Buch ein konzentriertes Kleinod.
Okay,wow! Mich hat das Buch, das Haus zerrissen, zerstört, es ist mir unter die Haut gegangen. Es hat mich schon immer fasziniert, was alte Häuser alles erlebt gaben. Hier das Haus selbst, auf diese besondere Art, erzählen zu lassen, fand ich großartig. Große Leseempfehlung, gerade in der jetzigen Zeit!
Die Thematik ist sicherlich gut, nur leider bin ich mit dem Schreibstil nicht warm geworden. Abbruch in Kapitel 3
Die Geschichte hat eine ungewöhnliche Erzählperspektive. Das Haus erzählt von den verschiedenen Menschen die es zu unterschiedlichen Zeiten - es ist über 100 Jahre alt - bewohnt haben. Thematisch geht es um den Nationalsozialismus, die Erlebnisse der betroffenen Menschen damals, der Umgang mit Schuld, dem Verdrängen und unter den Tisch kehren heute. Es wurde viel in der Zeit hin und her gesprungen und darin vom Leben verschiedener Menschen erzählt, sodass ich manchmal Probleme hatte zu folgen. Über allem die Sichtweise des Hauses ( die nicht neutral ist). So war es fast ein bisschen viel für mich. Was mir fehlte ist, dass für mich einige der Beziehungen zueinander sehr oberflächlich beschrieben wurden. Da hätte ich mir an einigen Stellen mehr Intensität gewünscht. Gerade zwischen Nele und ihren Eltern und auch zwischen Nele und Irmgard. Beide Beziehungsebenen bleiben doch sehr oberflächlich. Insgesamt aber ein lesenswertes Buch, das mal etwas anders ist, als so viele andere mit ähnlichem Inhalt.
Wenn Häuser reden und Worte und Erinnerungen Stufen bauen, entsteht eine Treppe aus Papier. Sehr lesenswert!
„Uns freut jedes mitgebrachte Land, jede bewanderte Erinnerung und jede neue Sprache, denn auch nur ein kurzes Bewohnen erweitert unsere Welt um kostbare Facetten. Wir betrachten die Außenwelt mit Neugier. Wir sind nur ein Ort unter vielen, und die Feinheiten und Schicksale, die dich so einzigartig machen, in deinem Erleben und Begreifen, wissen uns höchstens zu streifen. Genau deshalb bist Du hier so willkommen und wir ganz neugierig auf deine Schätze.“ ~ Zitat Seite 25/26 ~ Also, wer das erste Kapitel gelesen hat und danach sagt: „Wow, das ist genial!“, wird auch vom Rest des Buches nicht enttäuscht werden. Und wer das erste Kapitel gelesen hat und danach sagt: „Puh, was war das denn?“, sollte das erste Kapitel gleich nochmal lesen, um den Wow-Effekt zu erlangen. So ist es zumindest mir ergangen. Nach dem 2. Lesen dachte ich: „Chapeau, Herr Szántó, das ist brillant!“ Und keine Angst, nur das erste Kapitel besteht aus einem einzigen Satz, bei dem ich das Gefühl hatte, ich befände mich auf einem Poetry Slam. Der Rest der Geschichte, welche auf mehreren Zeitebenen spielt, ist wunderschön flüssig und zärtlich geschrieben. Einige Textpassagen sind fast schon philosophisch und haben mich ordentlich zum Nachdenken gebracht bzw. mir so manchen Aha-Moment beschert. Fakt ist, dieses Buch erfordert Aufmerksamkeit, aber es lohnt sich ungemein, diese zu investieren. Denn das Besondere und wirklich Geniale ist, dass die einzelnen Zeitebenen oft miteinander verschmelzen und trotzdem alles wunderbar zusammenpasst. So etwas habe ich vorher noch nie gelesen und würde fast behaupten, dass ist wahrhaft literarische Kunst. Zwei kleine Kritikpunkte gibt es aber von mir, so dass ich diesem Buch „nur“ 4 Sterne gebe. Einen Minuspunkt gibt es, da mir die Beziehung von Nele und Irma ein wenig zu oberflächlich war, da hätte ich mir viel mehr Tiefgang und Emotionen gewünscht. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass der Rest des Buches all diese Tiefen und Emotionen aufweist. Einen weiteren Minuspunkt muss ich dem Autor bei der Altersberechnung von Neles Großeltern und die damit verbundene Rolle zum dritten Reich geben. Ich glaube, da hat Herr Szántó sich ein wenig verrechnet, oder? Hat jemand von Euch das Buch schon gelesen? Da stimmt doch was nicht mit dem Alter der Großeltern… Hmmm, habe ich Euch jetzt neugierig gemacht? Das ist gut so! Und bevor ich jetzt noch zu viel verrate, möchte ich Euch lieber ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Dieser Roman ist wirklich etwas ganz Besonderes und sehr lesenswert! Für mich war es definitiv Neuland und ich freue mich auf alles, was von dem „Spoken-Word-Künstler“ Henrik Szántó noch so kommt. 📃🏠⭐️⭐️⭐️⭐️🏠📃
Dran bleiben lohnt sich…
Die ersten Seiten hat mich ehrlich gesagt erstmal ziemlich abgeschreckt. Irgendwie bin ich überhaupt nicht reingekommen, weshalb das Buch dann auch erstmal für ein paar Monate ungelesen herumlag. Auf Empfehlung einer Freundin habe ich es dann doch nochmal zur Hand genommen und das war die richtige Entscheidung.Denn sobald man über den Einstieg hinweg ist, entwickelt sich die Geschichte ganz anders als (von mir) erwartet. Nele (16) und Irma (Ü90) stehen dabei im Mittelpunkt. Anfangs wirken sie teilweise noch etwas distanziert oder schwer greifbar, aber je weiter man liest, desto mehr versteht man ihre Hintergründe, ihre Entscheidungen und auch ihre Verbindungen zueinander. Die NS-Zeit spielt hier die wichtigste Rolle. Sie wird eher ruhig und schrittweise aufgearbeitet. Es geht weniger um große dramatische Szenen, sondern vielmehr darum, wie die Vergangenheit, vor allem in Irmas und Ruths Leben, bis in die Gegenwart hineinwirkt. Die Thematik an sich ist natürlich immer aktuell. Allerdings muss ich sagen, dass sie für mich inhaltlich nichts wirklich Neues war. Trotzdem finde ich, dass das Buch gerade deshalb gut geeignet ist, um sich (nochmal) damit auseinanderzusetzen. Ich könnte es mir zum Beispiel auch gut im Schulunterricht vorstellen.
Poetisch - berührend - authentisch
Im zweiten Kapitel dachte ich noch „das wird safe ein Abbruch“. Ich fand es doch sehr komisch, wie das Haus „sprach“. Aber schon ein paar Seiten weiter hat’s mich irgendwie gepackt und nicht mehr losgelassen. Einfühlsam und langsam entblättert sich die Geschichte und nimmt uns mit in die deutsche Vergangenheit. Wer hat in diesem Haus gewohnt und was tragen alle mit sich herum? Die letzten 100 Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen, weil ich unbedingt wissen musste, welches Schicksal jeweils Ruth, Irma und Nele zugedacht ist. Gegen das Vergessen! Lest das Buch bitte alle auch!
Welche Geschichte erzählt unser Haus?
Dies ist eines der interessantesten und bewegensten Bücher, welches ich seit langem gelesen habe. Die bewegende Geschichte eines Hauses und deren Bewohner. Zwei sind besonders hervorgehoben. Irma, 90 Jahre alt, und Nele, 16 Jahre alt. Vergangenheit und Gegenwart nähern sich einander.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
„Treppe aus Papier“ ist kein Buch für den schnellen Konsum. Sprachlich feinfühlig und zugleich präzise, entwickelt der Text eine ganz eigene Atmosphäre, die einen langsam, aber sicher in ihren Bann zieht. Jede Formulierung wirkt bewusst gewählt und trägt zur Tiefe der Geschichte bei. Das ruhige Tempo schafft Raum zum Innehalten und Nachdenken – selten habe ich ein Buch erlebt, das sich so viel Zeit nimmt und genau dadurch seine volle Wirkung entfaltet. Ein leises, aber eindrucksvolles Leseerlebnis ❤️!
Sie war dabei. Sie ist hier. Wäre sie auch dabei gewesen? Nele, 16, kurz vor den Prüfungen, lebt in einem geschichtsträchtige Haus. Viel ist in seinem Mauern geschehen und an all das erinnert sich das Haus und erzählt uns aus der Sicht des Beobachtenden seine Geschichten. Viel erfahren wir über Irma, die seit fast einem Jahrhundert lebt und viel in diese Zeit erlebte. Nele und Irma helfen einander und so erfahren wir von damals und einiges von heute. Auch Schuld und Versagen werden lebendig und drängen an die Oberfläche. Aber auch eine Mauer des Schweigens entsteht. Und Nele fragt sich, wie es in ihrer Familie war und ist und stellt sich den Fragen, wie sie damals gelebt hätte. Zunächst kam ich mit der Art der Erzählung nicht richtig klar. Beim hin und her springen hatte ich das Gefühl der Unvollständigkeit. Später wurde der Text etwas runder, griffiger. Dann gefiel es mir besser. Auch die Gegenüberstellung von Nele und Irma jeweil im gleichen Alter war sehr aufschlussreich. Den zweite Teil des Romans fand ich dann flüssiger und harmonischer erzählt. Mir blieben die Charaktere relativ fern. Mit Nele konnte man mitfühlen, trotzdem kommt sie nicht nahe, wahrscheinlich lag auch dies daran, dass sie für mich nicht richtig greifbar war. Auch von allen anderen erfährt man nur wenig, so dass ihr Wesen weitgehend fremd bleibt. Gleichzeitig sind die kurzen Sequenzen, in denen wir von ihnen hören, intensiv und geben ein Augenblicksbild. Gefallen haben mir die geschichtlichen Exkurse. Auch das zaghafte Auftauchen des Versagens in der Nazizeit, der damaligen Irrtümer und das Entstehen des alten Gedankenguts heute, werden schonend und doch ehrlich angesprochen. Wichtige Themen, ansprechend und nachdenklich machend. Wenn wir heute wollen, das es uns noch besser geht, stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich möglich sein wird, wenn wir das nationalsozialistischen Gedankengut heute wieder zulassen. Überlegungen, die auch und besonders in unserer Zeit wichtig sind. Eine sehr gute, wichtige, aufrüttelnde Geschichte mit einer besonderen Idee der Erzählweise, die für mich etwas holprig war. Trotzdem möchte ich diese Erfahrung nicht missen.
Ein Haus berichtet von Missständen und Alltäglichkeiten
Dieses Buch hat mich tief berührt. Die Erzählperspektive ist innovativ und interessant, die Geschichten des Hauses emotional und ungeschönt. Die Grausamkeit und Sinnlosigkeit der NS-Zeit wird deutlich und trotz Irma, die man ins Herz schließt, keineswegs kleingeredet oder relatviert. Die Geschehnisse behalten ihre Schwere und der Bogen in die Gegenwart ist schmerzlich gut gezogen. Leider wird das Buch wahrscheinlich wieder nur die erreichen, die schon einen offenen Blick auf die Welt haben und die, die das Leid noch heute verursachen und wieder salonfähig machen wollen, bleiben ignorant. Einziger Kritikpunkt an diesem sonst sehr gelungenem Buch, ist das Ende. Meiner Meinung nach wird zum Schluss zu viel wiederholt und in die Länge gezogen. Es hätte schon ein früheren Abschluss finden können.

Eine besondere Erzählperspektive.
Der Autor erzählt die Geschichte dieses Romans aus der Perspektive eines Wohnhauses und über verschiedene Epochen. Eine interessante und vielversprechende Idee, die - zumindest bei mir - leider nicht ihre Wirkung erzielt hat. Obwohl ich den Themenkomplex um die NS-Zeit und deren Aufarbeitung spannend finde, gelang es mir nicht einen Zugang zu den Charakteren aufzubauen. Die Sprache des Romans, die mich an einigen Stellen positiv umgehauen hat, war an den meisten Passagen leider sperrig und hat eine Distanz zu dem Geschehen aufgebaut.

Ich heulte vor Rührung über dieses wahnsinnig tolle Buch rund um die Themen Schuld, Verantwortung, Erinnerung und Überleben im Dritten Reich. Für mich ist Treppe aus Papier eines der besten Bücher der letzten Jahre..
Treppe aus Papier ist eines der Bücher welches ich wirklich jedem Menschen gerne ans Herz legen würde. Denn es überrascht mit einem unfassbar kreativen und neuen Clou, verbindet wunderschöne Erzählung mit kreativen Ideen und historischer Dramatik. Im Zentrum des rund 220 Seiten kurzen Romans steht Nele, 15 bzw. 16 Jahre alt. Die Geburtstagsfeier ist ein einschneidender Moment. Nele ist aktuell akut versetzungsgefährdet da die Erlebniswelt gerade im Alter von 15 bis 16 soviel besseres zu bieten hat als das langweilige Lernen. Erste Liebe, akute Unlust, alles fühlt sich dringender an als Lernen. Ausgerechnet eine Geschichtsklausur zum Thema Drittes Reich könnte noch alles retten. Mit Nele und ihren Eltern im Haus wohnt auch Irma, 90 Jahre alt, des Lebens nach dem Tod ihres Mannes eigentlich längst überdrüssig. Irma lebte als Kind bereits in diesem Haus, hatte dort Freunde, Familie, ihren Mittelpunkt. Dann längere Zeit nicht mehr, später zog sie wieder zurück. Zwei Leben, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben und die der Zufall im Treppenhaus irgendwie zusammenführt. Aber der vielleicht wichtigste „Charakter“ dieses Buches ist ein völlig unerwarteter: das Haus selbst. Denn hier gilt: Die Wände haben nicht nur Ohren, die Wände erzählen. Das Haus wird zum Erzähler, zum Gedächtnis und zum Zeugen von über 125 Jahren Geschichte. Es gibt Einblicke in das, was war - besonders in die Zeit des Dritten Reiches - und verknüpft Vergangenheit und Gegenwart auf eine Art, die ich so noch nicht gelesen habe. Teilweise erzählt das Haus zeitgleich was jetzt passiert und was früher dort passierte. Ein Haus ohne Zeitgefühl mit viel Gefühl für das Zeitgeschehen also. Die regelmäßigen Treffen mit Nele helfen Irma eigene begangene Erlebnisse irgendwie zu verarbeiten, die Gespräche mit der Zeitzeugin helfen Nele bei ihrer Geschichtsklausur, vorallem aber hilft es ihr ihren Eltern die richtigen Fragen über Oma, Opa und "wie es damals früher so war?" zu stellen. Aber was in dieser Erzählung so besonders ist? Henrik Szanto, dessen Wurzeln im Poetry Slam liegen, schafft es durch verschiedenste literarische Stilmittel sowohl Emotionen zu steuern als auch den Charakteren Leben zu vermitteln. Ein dreiseitiger Satz ohne Punkt gleich zu Beginn in welchem, so fühlt es sich zumindest für mich an, das Haus alles einmal rauslassen musste was sich über die Jahre angesammelt hat. An anderen Stellen warten Stakkato-Sätze welche eine gewisse Eingängigkeit und Wichtigkeit mit sich führen. Nichts davon wirkt unangenehm. Jede Formulierung passt und jedes Wort klingt authentisch gewählt. Ich will gar nicht mehr über die Handlung verraten. Aber ich kann sagen: Die letzten 40 Seiten haben mich komplett zerlegt. Ich heulte vor Rührung über dieses wahnsinnig tolle Buch rund um die Themen Schuld, Verantwortung, Erinnerung und Überleben im Dritten Reich. Für mich ist Treppe aus Papier eines der besten Bücher der letzten Jahre.
Leider zu oberflächlich
Ich fand das Konzept an sich spannend und hatte daher relativ hohe Erwartungen an das Buch, leider wurden diese nicht erfüllt. Der Autor schweift viel in pseudo-literarische Nebensätze, die sich dadurch unnötig in die Länge ziehen und einen auch häufig mit Fragezeichen im Kopf hinterlassen, ab. Das Buch wirkt dadurch stellenweise erzwungen literarisch. Mehrere Stellen im Buch ergeben dadurch wenig Sinn. Stichwort Sinn; manch einer hat es bereits bemerkt, die Chronologie stimmt nicht. Neles Geschichte spielt aufgrund der Erwähnung von ChatGPT nachweislich im Jahr 2024 oder 2025, was, wenn man alles zurückrechnet, zu dem Ergebnis führt, dass Neles Uropa derjenige hätte sein müssen, auf den sie sauer ist. Schade um so einen groben Logikfehler. Außerdem wirkt Neles Wut leider wenig glaubhaft, auch hier fehlt wieder authentisches Schreiben und Darstellen. Aus irgendeinem Grund konnte ich es Nele bzw. dem Autor schlichtweg nicht abkaufen — auch hier fühlte es sich zu erzwungen an. Ich fand es auch schade, dass das ganze Thema NS-Zeit, von dem das Buch ja schließlich handelt, wenig bis gar keine Tiefe erhält. Der Autor begrenzt sich sehr auf das Oberflächliche, es fehlt an fundiertem Inhalt. Nicht, dass ich ein Geschichtsbuch erwarten würde, aber Details sorgen nunmal für Glaubwürdigkeit und Authentizität, an welchen es hier nun mangelt. Nichtsdestotrotz gibt es auch die ein oder andere berührende Stelle und manche Textabschnitte, die schön sind. Meistens die, die das Haus betreffen. Da die Idee an sich also originell und stellenweise ergreifend ist, reicht es für 2,5 Sterne.
Ich fand dieses Buch so toll und besonders, durch diese doch andere Erzählweise. Bewegend und nachdenklich. Große Empfehlung!
Empfehlung aus dem Radio. Eine Geschichte aus der Sicht eines Hauses.
Ein Haus berichtet über eine Begegnung von Nele und ihrer Nachbarin, die bei Nele weitere Fragen aufwirft. Auch ausgelöst durch den Geschichtsunterricht. Wie war das damals eigentlich? Und was genau hat die eigene Familie für eine Rolle gespielt? Das Haus berichtet von vielen Geschichten und Personen, die in ihm leben oder gelebt haben. Es mag sich vielleicht ein bisschen durcheinander oder verwirrend anhören, aber es lies sich so unfassbar gut lesen. Allein durch das „verweben“ der Zeiten, war’s was besonderes. Zitat aus dem Buch: „Da liegt was in den Ritzen. So wie der Schimmel am Saum einer Fuge überdauert, wenn nicht gründlich gescheuert wird. Die Vorstellungen dieser Zeit sind hartnäckig und voller Geduld. Sie reifen, verschleiern ihren Kern, offenbaren sich im Gewand des Geläuterten und beweisen, dass ein Gift lang und gründlich wirken kann, wenn es sich als Salbe tarnt.“ Da steckt so viel Wahrheit drin 🥺 Uff, das hat schon irgendwie gesessen. Ganz klar ist, für mich, die Massage. Wir dürfen nicht vergessen, was passiert ist. Den Teil der deutschen Geschichte, den so viele gerne vergessen und verdrängen wollen. Wir sollten unser bestes geben zu verhindern, dass es sich wiederholt.

Zwischen den Wänden
Was hätte das Haus, in dem wir leben, wohl zu erzählen? Welche Geschichten schlummern in seinen Wänden, welche Emotionen sind in seine Räume eingesickert, welche leisen oder grausamen Momente hat es miterlebt? Genau von diesen Fragen ausgehend entfaltet „Treppe aus Papier“ seine ganz eigene, für mich magische Erzählweise. Was zunächst fast ein bisschen verrückt klingt – ein Haus, das spricht und erinnert – wird hier zu einer tief bewegenden Reise durch Zeit, Schicksale und Erinnerungen. Schon nach wenigen Seiten war ich völlig gefangen in dieser besonderen Perspektive. Das Haus wird zum stillen Zeugen menschlicher Leben, zum Bewahrer von Freude, Verlust, Schuld und Hoffnung. Es erzählt nicht nur Geschichten, es fühlt sie mit – und genau das macht dieses Buch so intensiv. Die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, und man beginnt unweigerlich, auch über die eigene Familiengeschichte nachzudenken. Besonders beeindruckt hat mich die Sprache: so poetisch, so feinfühlig, dass ich am liebsten jeden zweiten Satz markiert hätte. Es sind diese stillen, eindringlichen Formulierungen, die lange nachhallen und sich tief ins Herz setzen. Gleichzeitig eröffnet das Buch eine grandiose Sicht auf historische Ereignisse, ohne jemals trocken oder distanziert zu wirken – vielmehr werden sie greifbar, persönlich und erschütternd nah. „Treppe aus Papier“ ist für mich pure Emotion. Ein Buch, das nicht nur erzählt, sondern nachwirkt. Es stellt Fragen, die bleiben: über Vergangenheit, über Erinnerung und über die Geschichten, die wir vielleicht selbst nie ganz kennen werden – weder die unserer Häuser noch die unserer eigenen Familie.
Das war mal ein ganz anderes Buch.! Ein Haus, das über das Leben seiner Bewohner schreibt...und das über einen Zeitraum von circa 100 Jahren. Am Anfang musste ich mich erstmal reinfinden in die Schreibweise. Es ist kein Buch, das man mal zwischendurch liest, sondern es hat Zeit und volle Konzentration gebraucht. Ich bin in die deutsche Geschichte eingetaucht habe die NS - Zeit erlebt anhand der Schicksale der Bewohner dieses Hauses. Sehr anschaulich wurde auch die Bürde dieser Epoche für die nachfolgenden Generationen beschrieben sowie die Sprachlosigkeit, die bis in die heutige Zeit hineinreicht. Es ist ein sehr wichtiges Buch und sollte von vielen Interessierten gelesen werden !
Viele gute Ansätze
Nur jubelnde Kritiken! Deshalb bin ich noch etwas mehr enttäuscht. Die Idee, menschliche Schicksale und deutsche Geschichte aus Sicht eines Hauses auf seine Bewohner zu schreiben, finde ich super. Die Geschichte der letzten 100 Jahre! Mitnichten. Deutsche Geschichte ist für mich mehr als nur die NS-Zeit und die Gegenwart. Was ist mit der Zeit dazwischen? Anscheinend stand das Haus da leer. 🤨 HS wählt für seine Geschichte einen sehr philosophischen Ansatz. Das war mir streckenweise einfach zu viel, gegen Ende regelrecht deprimierend. Er vermenschlicht das Haus regelrecht. Ich habe in diesem Roman die schönen Erinnerungen vermisst. Das Buch hat einige sehr treffsichere und schöne Aussagen. Dafür muss man sich allerdings auch durch viel Blablabla kämpfen.
5 ⭐️ Ein ganz besonderes Buch.
Ein kleines Glück zu finden und zu bewahren, ist der größte Affront, denn insgeheim wissen sie: Dieses Leben lässt sich nicht auslöschen. Es gehört dazu. Zeit mag vergehen, verschütten und begraben und darin ihre zerstörerische Kraft entfalten, aber wir stemmen uns dagegen. Wir bewahren. Alles ist, und alles ist jetzt.
Dieses Buch ist anders! Anders geschrieben, anders wichtig und anders aktuell! Das Buch ist aus Sicht des Hauses geschrieben und erzählt die Geschichte von den Menschen, die es bewohnt haben. Nele findet im Treppenhaus einen Ohrring und so kommt Nele zufällig mit Irma ins Gespräch. Zentrales Thema ist der Nationalsozialismus und dessen Folgen. Der Schreibstil ist so anders und besonders. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um damit warm zu werden. Das Buch zwingt einen es langsam zu lesen. Nur so versteht man wirklich den Inhalt. Es wird oft poetische Sprache genutzt . Das Buch ist so besonders und wichtig! Aktueller geht es kaum! Ich finde gar keine richtigen Worte um auszudrücken wie ich mich fühle. Sollte jeder Mensch gelesen haben.

Wenn Häuser sprechen könnten 🏠🤫✨
Eine sehr ungewöhnliche Perspektive. Die Geschichte aus Sicht eines Hauses zu erzählen, wirkt zunächst ungewöhnlich, entwickelt aber schnell eine besondere Wirkung. Plötzlich denkt man darüber nach, was in den eigenen vier Wänden vielleicht schon alles passiert ist, welche Menschen hier gelebt, geliebt oder gelitten haben. Gerade die Passagen, die sich mit der Kriegs- und Nachkriegszeit beschäftigen, sind dabei besonders eindringlich und erschütternd. Ganz leicht ist Roman allerdings nicht. Der Einstieg fiel mir schwer, weil die Figuren und Zeitebenen zunächst nicht immer klar zuzuordnen sind. Man muss sich ein wenig einlesen und bereit sein, sich auf die besondere Erzählweise einzulassen.
Die Grundidee des Buches, ein Haus und seine Bewohner über mehr als 100 Jahre hinweg zu erzählen, fand ich einfach großartig. Besonders die Geschichte um Irma, Ruth und Nele hat mich sehr gefesselt und motiviert, das Buch weiterzulesen. Es ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass die Schrecken der NS-Zeit niemals vergessen werden dürfen. Ich hätte es sogar besser gefunden, wenn dies das Hauptthema gewesen wäre, ohne noch andere Bewohner mit einfließen zu lassen. Allerdings hatte ich ziemliche Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Es hat für mich ungewöhnlich lange gedauert, überhaupt in das Buch hineinzufinden. Trotz dieser Anfangshürden konnte mich die erzählerische Kraft und die wichtigen Themen des Romans letztlich überzeugen.
Tolle Geschichte
Leider hatte ich sehr mit dem eigenartigen Schreibstil zu kämpfen. Die Sätze sind komplex aufgebaut und die Wortwahl breit. Was mir persönlich oft den leichten Lesefluss erschwert hat. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, was das Lesen teilweise harzig gestaltet. Die Geschichte hat mich dennoch weiter dazu gebracht das Buch nicht abzubrechen. Eine tolle tiefe Geschichte die mich berührt hat. Ich kann das Buch empfehlen, ist jedoch nichts für ein schnelles Lesevergnügen. Es braucht Zeit und Konzentration jeden Satz genau zu lesen und zu verstehen. Es gibt wiederum Kapitel die leichter zu lesen sind und mich dann etwas entspannt hatten nach den längeren Intensiven Kapiteln. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieses Buch mal verfilmt wird.
Ein wichtiges Buch

Leise, klug, atmosphärisch: Treppe aus Papier schärft den Blick und klingt nach. Kein Plot-Feuerwerk – dafür literarische Tiefe.
„Dieses Buch ist kein Sprint. Es ist ein Gang durch Türen, die in Räume führen, die man nicht kannte.“ Treppe aus Papier liest sich wie eine Entdeckung im besten Sinne: leise, aufmerksam, von einer eigentümlichen Sogkraft, die nicht aus Tempo entsteht, sondern aus Stimmung. Szántó baut keine Geschichte, die man „wegliest“ – er legt Schichten frei. Seite für Seite entsteht das Gefühl, dass hier etwas Größeres unter der Oberfläche arbeitet: Erinnerung, Kultur, Zugehörigkeit – und die Frage, wie man sich selbst in all dem verortet. Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie der Roman Beobachtung ernst nimmt. Er vertraut darauf, dass Leser*innen Zwischenräume füllen können. Das Erzählen ist dabei nicht kalt oder distanziert, sondern ruhig und präzise – wie jemand, der sich Zeit nimmt, bevor er ein Urteil fällt. Genau dadurch wirken viele Passagen nach: nicht als Pointe, sondern als Echo. Auch formal hat das Buch etwas Anziehendes: Es ist strukturiert, aber nicht mechanisch; poetisch, aber nicht vernebelt. Es gibt Sätze, die man zweimal liest – nicht, weil man sie nicht versteht, sondern weil man spürt, dass sie mehr tragen, als sie auf den ersten Blick zeigen. Diese „Papierstufen“ sind keine Deko, sie sind Bewegung: nach innen, nach hinten, nach oben. Und dann ist da dieses seltene Gefühl, das Literatur manchmal auslöst: dass sie nicht nur erzählt, sondern eine Art Wahrnehmung schärft. Nach dem Lesen schaut man anders auf Dinge – auf Räume, auf Worte, auf die kleinen Verschiebungen zwischen Menschen. Für mich ist das die größte Stärke von Treppe aus Papier: Es verändert nicht die Welt, aber es verändert den Blick auf sie. Fazit: Ein stiller, kluger Roman, der belohnt, wenn man ihm Zeit gibt. Wer leise Bücher liebt, die lange nachklingen, findet hier genau das: Literatur, die nicht drängt – sondern bleibt. Für Leser, die… …Romane mögen, die atmosphärisch und leise wirken statt laut zu plotten. …Freude an Beobachtung, Sprache und Zwischenräumen haben. …Bücher suchen, die man nicht „fertigliest“, sondern mitnimmt. Meine Zeile zum Buch: „Manchmal führt die nächste Stufe nicht nach oben – sondern tiefer in das, was man übersehen hat.“ nstagram-Caption (Hook + S
Ein Haus, das seine Geschichte erzählt, mit all den Bewohnern, die es als Erinnerungen in sich trägt. Manche nur kurz erwähnt, andere haben eine etwas größere Nebenrolle, aber vorwiegend geht es um Nele, Irma und Ruth sowie deren Familien. Irma und Nele wohnen jetzt in diesem Haus mit Geschichte. Nele im vierten Stock und Irma im ersten. Nele ist gerade in der besonderen Phase ihres jungen Lebens - die Eltern nerven, sie soll für die Schule lernen und dabei kann sie nur an Laura denken. Eine Geschichtsklausur und ein Ohrring auf den Briefkästen bringen Irma und Nele zusammen. Nele erkennt durch Irma, dass die Geschichte nicht vergangen ist, sondern auch in ihrem Haus lebt. Irma lebte schon in den 1930er und 1940er Jahren hier, zusammen mit Ruth. Beide waren Kinder, als sich die Zeiten langsam verdunkelten. Dieses Haus schildert in einer wirklich schönen Sprache. Kurz hatte ich befürchtet, dass es anstrengend werden könnte, da die ersten drei Seiten aus einem einzigen Satz bestanden. Aber danach ging es mit kürzeren Sätzen und sehr feiner und poetischer Sprache weiter. Ich war sofort in der Geschichte drin und habe schnell bemerkt, dass ich das Lesen hinauszögern wollte. Ich wollte einfach länger Gast in diesem Haus sein. Und gleichzeitig musste ich weiterlesen, da ich wissen wollte, wie es weitergeht. Ich mochte Irma mit ihrer direkten Art und Neles Neugier und das Verliebtsein. Ich bekam die Erkenntnis, dass Kinder, die mit nazitreuen Eltern aufwachsen und eine kühle und disziplinierte Erziehung genießen, nicht gelernt haben, Liebenswürdigkeit auszustrahlen oder andere Meinungen anzunehmen. Aber sind sie deswegen weniger Menschenfreunde? Viele Fragen, die mir beim Lesen aufkamen: „Hat wirklich fast keiner Nazis in seiner Familie und das, obwohl ganz Deutschland voll davon war?“ und „Welche Auswirkungen hat es auf die Familie der Nutznießer dieser Zeit? Haben die Nachkömmlinge nicht bessere Voraussetzungen fürs Leben? Und das nur, weil die Vorfahren Raubgut und Enteignung zum Vorteil ausgenutzt haben? Was ist mit den Erben derer, denen Eigentum genommen wurde?“ Eine berührende und so wichtige Geschichte. Ich kann sie nur weiterempfehlen. Nachtrag: ich war auf der Lesung und war begeistert. https://veranstaltungen-stadtbibliothek-stuttgart.de/?id=20929 hier kann man das Gespräch als mp3 nachhören 💕 S.24 „In uns lebten bislang zweihundertsiebzehn verschiedene Personen, hier sind neun Menschen verstorben, es wurden zweiundzwanzig Kinder gezeugt, aber nur drei hier geboren. Eines dieser drei, Irma, lebt wieder hier und wird mit ihren neunzig in diesem Jahr die längste Zeit mit uns verbracht haben. Irma, unser Jahresring mit fehlender Mitte.“ S.74 „Dann sind wir ganz Frage, ganz Echoraum, eine Hohlkammer für die Stimmen des Danachs. In unserem Bauch gären Gespräche, wallen Worte, ein Spiel aus Wechsel und Wiederholung, eine Schar der Fragezeichen.“ S.89 „Das Kind macht keinen Ton, während Golda die Wunde desinfiziert. Es zuckt nicht einmal zusammen. „Tapfer bist du“, sagt Golda, und es gelingt ihr nicht, den Hauch von Traurigkeit aus der Stimme zu verbannen, weil das Mädchen so eisern die Prozedur erträgt. S.104 „Irma trinkt aus Raubgut. Der Sessel, die Karaffe, das Gas, der mehrfach reparierte Luster. Das Erinnerungsvermögen der Gegenstände übertrifft das der Menschen.“ S.175 „Alwin darf keine Immobilien mehr besitzen. Man zwingt ihn, uns zu verkaufen. Wilhelm Kebel, der Nacheigentümer, wird bis 1970 gute Mieten verdienen. Bei den Verkaufsgesprächen spricht er durchgehend mit leicht gehobenen Augenbrauen und nickt so gespielt gütig, als würde er Alwin mit dem Verkaufspreis einen Gefallen tun.“
„Treppe aus Papier“ zeigt, wie ein Haus alles sieht, nichts vergisst und wie junge Augen aufdecken, was andere verdrängen, ein stiller, nachdenklicher Roman.
Es handelt sich um einen Roman, in dem ein Haus seine eigene Geschichte und die der Menschen, die in ihm gewohnt haben, erzählt. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Im Kern geht es um die 15-jährige Nele und die 90-jährige Irma. In ihrer Beziehung entfaltet sich die Geschichte der letzten hundert Jahre. Es geht um Verantwortung, Erinnerung und darum, was in diesem Haus geschehen ist. Besonders eindrucksvoll ist die ungewöhnliche Erzählperspektive: Das Haus selbst wird zum stillen Beobachter und Zeugen. Es bewertet kaum, aber es vergisst nichts, und manchmal wird sein stilles Urteil deutlich. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre. Das Buch verwebt sehr kunstvoll die verschiedenen Zeitebenen miteinander. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander und zeigen, wie sehr frühere Ereignisse bis heute nachwirken. Die Sprache ist poetisch und dicht. Dadurch liest sich der Roman nicht an allen Stellen leicht oder flüssig, aber genau das zwingt einen dazu, genauer hinzuschauen. Das Buch lebt von seinen tiefgründigen Gedanken. Das Buch zeigt, dass wir alle Verantwortung tragen, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Es steckt so viel Tiefe in diesem Roman. „Treppe aus Papier“ ist wunderschön geschrieben, aber es macht auch sehr wütend, weil das Buch zeigt, wie viel verdrängt oder verschwiegen wurde / wird. Es ist kein Buch zum schnellen Durchlesen, sondern eines, das zum Nachdenken anregt.
Klare Leseempfehlung aber nichts für zwischendurch oder nebenbei. Das Buch muss noch sacken, ausführliche Rezi folgt
Spannende Idee aus der Perspektive eines Hauses zu schreiben. Leider nicht immer stringent umgesetzt. Aber das tut dem Leseerlebnis keinen Abbruch.
Ein wunderbares berührendes Buch. Absolute Leseempfehlung.
Historische Geschichte voller Wissen und Poesie
Die Grundidee, durch die Geschichten eines Hauses die deutsche Vergangenheit zu erzählen, finde ich sehr kreativ und es war sehr veranschaulichend, beklemmend, traurig und gespickt mit sehr viel Wissen. Es fühlte sich beim Lesen sehr realistisch an und die Geschichte bringt einen sehr zum Nachdenken, auch was die eigenen Vorfahren angeht. Die Vorstellung, dass unser Zuhause unser Leben mitverfolgt und dokumentiert, finde ich irgendwie tröstlich und verstärkt das Zuhause Gefühl. Jedoch war es für mich bei dem Erzählstil auch schwierig, am Ball zu bleiben. Zuerst muss man sich daran gewöhnen, dass das Haus die Geschichte erzählt, dann kommt noch dazu, dass innerhalb eines Satzes zwischen den Perspektiven der verschiedenen Jahre gesprungen wird und sich Situationen der Gegenwart und Vergangenheit überlappen. Am schwierigsten war für mich jedoch die Kombination von langen Schachtelsätzen (der erste Satz des Buches zieht sich über 3,5 Seiten) und den Einschub von Wissenshappen in den Nebensätzen. Das Buch enthält für mich zu viel Input auf einmal, ich konnte die Mischung aus der eigentlichen Geschichte, Wissen und Poesie nicht gleichermaßen aufnehmen und würdigen, weil ich nicht alles fokussieren konnte. Daher habe ich mich vorrangig auf die Geschichte konzentriert. Manchmal ist weniger mehr. Der Autor scheint sich auf jeden Fall viel Mühe bei der Ausführlichkeit seiner Recherchen gemacht zu haben bzw. ein weitreichendes Wissen zu verschiedenen Themen zu haben. Wer eine historische, komplexe Geschichte gespickt mit vielen wissenschaftlichen Details und Poesie sucht, wird bei dieser Geschichte fündig.
Die Erinnerungen eines Hauses
Normalerweise bin ich keine Freundin von Zeitsprüngen aber dieses Gedankenexperiment, die Geschichten der Bewohner eines Hauses aus der Perspektive der Bausubstanz zu erzählen, hat mich sehr berührt.
Warum trifft es einen trotzdem, obwohl man weiß das es passiert…😓🌱
Ich wusste worauf ich mich einlasse und ich ahnte auch was passieren würde. Trotzdem habe ich Tränen verbraucht und mich gefragt, was für eine Ungerechtigkeit und Grausamkeit in diesem Land abgespielt hat. Es ist nicht einmal 100 Jahre her!!! Dieses Buch hat mir nochmal eine andere Sichtweise auf die Dinge der Sache gegeben und ich bin sehr dankbar.🙏 Der Autor hat das Werkzeug der Schriftsprache so wundervoll eingesetzt, dass ich es gar nicht zu Ende lesen wollte. Auch, dass das Haus die gesamte Geschichte erzählt, ist etwas einzigartiges und trägt zum Roman bei, der dadurch nur noch emotionaler wurde.😓 Danke an Herrn Szántó für dieses Buch. Definitiv mein neues Lieblingsbuch! Danke für diese Art der Aufarbeitung unserer schlimmen deutschen Landesgeschichte. Es war innerlich ein Brocken, aber ich bin dankbar dafür.🌱🐣 Nie wieder ist JETZT!
Das wichtigste Buch seit langem - und es ist wunderschön💫
Eine unfassbar gute und innovative Idee, ein wunderschöner Stil, vielleicht ein paar kleinere Längen zwischendrin. Es gab verschiedene Protagonistinnen, bei denen ich mich ehrlich gesagt an einer ein wenig störte, und das kurze Gefühl in der Mitte, der Autor könnte sich verrannt haben. Doch das Aufatmen, wenn doch alles organisch zusammenfindet kombiniert mit harten aber umso wichtigeren Erzählungen machen 'Treppe aus Papier' für mich zu einem kleinen Meisterwerk, wenn auch mit Abstrichen. In jedem Fall ein Muss!
Schuld verschwindet nicht, nur weil die Schuldigen sterben oder bereuen. Geschichte wird nicht besser, nur weil jemand hinschaut. Erinnern ist keine Heilung – sondern Verantwortung.
Das Buch erzählt über ein Jahrhundert hinweg die Geschichte eines alten vierstöckigen Wohnhauses und der Menschen, die dort gelebt haben. Es ist kein typischer Ich-Erzähler-Roman – das Haus selbst übernimmt die Perspektive und „erzählt“ von den Erinnerungen, die seine Mauern und Treppen gespeichert haben. Alles, was dort je passiert ist, wirkt gleichzeitig im Jetzt nach. Themen: • Erinnerung und Verantwortung: Wie wirkt Geschichte in der Gegenwart weiter? Was bedeutet es, sich zu erinnern?  • Verdrängung und Aufarbeitung: Wie gehen Menschen mit belastenden Familien- oder Zeitzeugnis-Erinnerungen um?  • Vergangenheit als lebendige Präsenz: Das Haus „fasst“ diese Idee metaphorisch, indem es alles erlebt zugleich speichert.

Ein Haus erzählt. Von Gegenwart und Vergangenheit. So passend zum Holocaust-Gedenktag
Treppe aus Papier ist ein Roman, der aus der Perspektive eines Wohnhauses erzählt. Die wichtigsten Bewohnerinnen für die Erzählstränge sind die 16-Jährige Nele und die 90-Jährige Irma. Nele lässt sich von Irma beim Lernen für Geschichte helfen und beginnt die eigene Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Historie des 20. Jahrhunderts zu hinterfragen. Ich fand es sehr schwierig in das Buch hineinzufinden. Der Autor geht kunstvoll mit Sprache um, auf eine Art, die mir das Lesen schwer gemacht hat. Nach dem ersten Drittel des Buches bin ich doch noch reingekommen, störte mich dann aber umso mehr an der Thematik, für die ich nur schwer zum gefühlt 97. Mal in einer Geschichte Interesse aufbringen kann. Hier wird der Diskussion auch einfach nichts Neues hinzugefügt, in meinen Augen. Das letzte Drittel hat mich - natürlich - emotional eingefangen, wie könnte es das nicht. Aber auch hier: Sehr an der Oberfläche, mit nichts bereichert, was ich nicht so oder so ähnlich schon an anderer Stelle zu Hauf gesehen und gelesen habe. Nicht falsch verstehen: Es tut trotzdem jedes Mal höllisch weh, erzeugt Übelkeit und Ängste. Die Frage ist für mich: Was hat es für einen Mehrwert, wenn mir der Autor nicht etwas darüber hinaus gibt. Nele sagt an einer Stelle (ich paraphrasiere), es sei wichtig zu Verstehen, wie es zum Holocaust kommen konnte. Der Autor trägt leider, soweit ich das sehen kann, nicht sehr viel dazu bei, diese Frage zu beantworten. Ich habe zwar ein oder zwei Dinge gelernt, die ich noch nicht wusste (dafür gibt es den zweiten Stern), das reicht mir aber schlicht nicht.
Große Enttäuschung
Viel erwartet, wenig bekommen. So sehr ich mich auch auf dieses Buch gefreut habe, so enttäuscht bin ich danach. In meinen Augen ist der Roman viel zu konstruiert und holperig. Die Story entfaltet sich nicht fließend, die Figuren bleiben auf Distanz. Gespickt mit pathetischen und fast philosophischen Anteilen, die das Geschehen für mich überhaupt nicht voran getrieben haben, sondern einfach nur füllendes Wortgemenge des Autors waren. Selbst das Haus als „Hauptfigur“ und Erzähler(in/innen?) bleibt auf einer theoretischen und beschreibenden Ebene in der mir jegliche Emotion gefehlt hat. Mir ist es auch, wie so häufig, unverständlich, wieso der Autor hier das queere Coming of Age von Nele beschreiben will, ohne ausreichend in die weibliche Gefühlswelt einzutauchen und die Herausforderungen zu benennen. Wenn wir argumentieren, dass dies nicht der Fokus des Romans ist - dann frage ich mich, wieso es dann überhaupt zum Thema gemacht wurde? Wieso ist Nele nicht Nils und lernt Laura kennen? Wo liegt der Mehrwert? Ist der einzige Anker das Paar Ohrringe, das übergeben werden musste? Für mich bleiben viele Fragezeichen und die Feststellung, dass dies kein gelungener Roman ist. Der Spannungsbogen hat über die fast 250 Seiten einfach nicht gehalten. Sehr schade!
Für mich nicht spannend genug um durchzuhalten
Zeit und Perspektiven wechseln nicht und alles wird gleichzeitig geschildert. Man muss sich darauf einlassen können. Ich hab’s vergeblich versucht. Puh, der Einstieg war schon sehr ungewohnt, die Struktur des Buches ist überhaupt nicht meins, obwohl ich deutsche Zeitgeschichte und Erinnerungskultur sehr mag, konnte ich nicht durchhalten 😓
Wie unfassbar berührend war bitte diese Geschichte? Ich glaub, die wird noch ganz lang nachhallen ♥️
Dieses Buch hat gerade einmal 220 Seiten und ist trotzdem ein literarisches Schwergewicht! Erzählt wird die Geschichte eines Mietshauses und seiner Bewohner über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren. Die Besonderheit des Romans liegt in seiner Erzählperspektive: Es ist das Haus selber, das von seinen zahlreichen Bewohnern berichtet. Von Familien(geheimnissen), Verrat, Glück, Neid, Neugierde, Vorurteilen, Menschlichkeit und Bosheit. All das existiert nebeneinander, überschneidet sich, spiegelt sich wider und wiederholt sich. Eine bedrückende Geschichte, bei der man schon früh Schreckliches ahnt. Keine leichte Kost aber trotzdem unbedingt lesenswert nicht zuletzt wegen der großartigen, bildhaften Sprache des Autors.
Wie würde es sich anhören, wenn unser Haus über seine Bewohnerinnen und Bewohner erzählen könnte?
Treppe aus Papier ist wahnsinnig klug und poetisch erzählt. Über Jahrzehnte hinweg hat das Haus unzählige Schicksale gesehen. Wo heute eine Buchhandlung ist, hat die SS damals das Schaufenster des jüdischen Uhrmachers zertrümmert. Wo früher Ruths Familie um ihr Überleben bangte, lebt heute Nele, deren größte Sorgen eine Mathearbeit und die erste Liebe sind. Erst durch die Begegnung mit einer älteren Nachbarin öffnen sich die verborgenen Geschichten des Hauses und es kommen wichtige Themen wie Generationstraumata, misslungene Entnazifizierung und Kritik and er deutschen Erinnerungskultur auf.
Erst ein bißchen schwerfällig, man muss sich daran gewöhnen, daß ein Haus erzählt. Zeit und Personen Sprünge teils zackig. Aber wenn man drin ist lässt es einen nicht mehr los.
Schön geschrieben. Traurig und spannend. Manches vielleicht zu sehr 'on the nose' bei einigen der Nebenfiguren. Vieles leider auch sehr wahr.




















































