30. Mai
Kompakter, facettenreicher, guter  Roman
Rating:4

Kompakter, facettenreicher, guter Roman

Ich habe diesen Coming of Age /Künstler Roman, der die großen Themen Freundschaft, Entfremdung, Homosexualität , den Umgang mit Aids (zu Zeiten, in denen die Krankheit noch absolut tädlich verlief) sehr gerne gelesen. Das Ende war unerwartet, "dennoch" oder gerade deshalb., eine gute Entscheidung. Manche Facetten haben mich an "Ein wenig Leben" erinnert, das ich geliebt habe. Wobei dies sicher hauptsächlich an Parallelen zur New Yorker Künstlerszene und der Homosexualität des Protagonisten liegt ... Die Tatsache, dass es Sulzers Vater mit dem posthumen Ruhm seiner Malerei ähnlich erging wie der Hauptfigur Frank, fand ich zudem interessant. Sulzers Sprache ein Highlight für mich. Ich werde sicherlich noch mehr von ihm lesen.

Fast wie ein Bruder
Fast wie ein Bruderby Alain Claude SulzerGaliani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
28. Apr.
Rating:4

"Sagen wir also, wir lebten wie nahe Verwandte. Wir kannten uns so lange, dass wir uns nicht daran erinnerten, wann uns klar geworden war, dass wir keine Brüder waren; als wären wir tatsächlich Geschwister, mussten wir uns darüber den Kopf nicht zerbrechen. Es war wie es war ." "Lass von dir hören ", sagte ich ihm, und meine Hoffnung war, dass er nichts von sich hören lassen würde. Manche überlebten." Die Geschichte von Frank und dem namenlosen Ich-Erzähler die ihre Kindheit und Jugend gemeinsam verbracht haben. Sie wohnten nebeneinander, wuchsen wie Geschwister auf. Die Eltern waren befreundet und sie haben beide innerhalb kürzester Zeit die Mutter verloren. Dann kam es zu einem Zwischenfall, der die Familien nicht nur räumlich voneinander entfernte, sie verloren sich aus den Augen und die Interessen und Neigungen entwickelten sich in verschiedene Richtungen. Frank versucht in den USA als Künstler Fuß zu fassen und lebt seine Sexualität in vollen Zügen aus. Der Erzähler weiß sofort, was das bedeutet. Ein leicht zu lesendes Buch, das die Themen Freundschaft, Homosexualität, AIDS und Erwachsenwerden behandelt. Auch die Schwierigkeiten sich in der Kunst- und Filmbranche zu etablieren sind ein großes Thema.

Fast wie ein Bruder
Fast wie ein Bruderby Alain Claude SulzerGaliani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
31. Aug.
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Rating:4

#fastwieeinbruder ist ein eindrucksvolles Buch, das auf unter 200 Seiten eine bemerkenswerte Tiefe erreicht. Die Erzählung konzentriert sich auf zwei Freunde im Ruhrgebiet der 1970er Jahre, deren Beziehung durch die Enthüllung der Homosexualität des einen auf die Probe gestellt wird. Sulzer zeichnet ein Porträt einer Männerfreundschaft, die von tiefer Verbundenheit geprägt ist und zugleich zunehmend Befremdung erfährt. Die Struktur des Romans ist knapp und präzise, wobei Sulzer mit wenigen, aber treffenden Worten die inneren Konflikte und das Unbehagen des Ich-Erzählers in Bezug auf die Sexualität und künstlerische Ausrichtung seines Freundes herausarbeitet. Die Entwicklung der Handlung gewinnt durch die Einführung der Aids-Thematik an Tragik, was dem Roman in Folge eine besondere Schwere verleiht. Besonders beeindruckt hat mich, wie Sulzer das späte Aufleben von Franks Kunst beschreibt, das den Erzähler zwingt, seine Freundschaft und die Werke seines „fast-Bruders“ neu zu bewerten. Dieses späte Erkennen der zuvor ignorierten Kunst wirft ein völlig neues Licht auf ihre Beziehung und unterstreicht in aller Kürze die Komplexität menschlicher Verbindungen. Es gelingt Sulzer hervorragend, in dieser kompakten Erzählung große Themen wie Freundschaft, Entfremdung, Sexualität, Kunst und Verlust zu verhandeln. Er schafft damit ein literarisches Kleinod, das Seite für Seite seine volle Tiefe entfaltet.

Fast wie ein Bruder
Fast wie ein Bruderby Alain Claude SulzerGaliani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch