Das war mein erstes Buch des Autors - und ich glaube, ich wĂŒrde auch gerne noch Teil 2 lesen.
Ich habe oft gelesen, dass andere den Schreibstil als anstrengend empfinden - ich hingegen fand ihn super angenehm, ich fand die Charaktere dadurch sehr nahbar und realistisch und ich fand das Buch sehr leicht zu lesen, was vermutlich an den sehr kurzen Abschnitten und dem Schreibstil lag. Die Wechsel zwischen den ganzen Beteiligten fand ich toll, so hatte man viele verschiedene Blickwinkel und es wirkte spannender.
Christian als Person mochte ich sehr gerne, bei Ben bin ich leicht skeptisch. Ich denke, dass man im zweiten Teil nochmal mehr ĂŒber die beiden Ermittler erfahren wird, aber Bens geheime Vorliebe gibt mir echt zu denken.
Die Story an sich gibt es natĂŒrlich oftmals in Krimis, ich fand das Buch aber trotzdem spannend und viele Wendungen haben mich ĂŒberrascht - z.B. Anne und Barbara - auch wenn man natĂŒrlich sagen muss, dass man durch die KĂŒrze des Buches nicht wirklich viel in der Tiefe erfahren hat. Hier wĂ€re es spannend zu sehen, wie viel nochmal im zweiten Buch aufgegriffen wird, vor allem, da diese beiden Teile der Geschichte ja eigentlich irgendwie nicht aufgeklĂ€rt wurden.
JCW hat ein sehr markantes Stilmerkmal. Er erzÀhlt keine Geschichte.
Er beschreibt die Handlung und eigene GemĂŒtsverfassung immer abwechselnd aus Sicht der beteiligten Personen.
Ăber die Geschehnisse/Handlung darĂŒber hinaus, muss sich der Leser selbst seinen eigenen "Film" basteln.
Bei den Protagonisten hat CJW einen guten Grundstein fĂŒr Fortsetzungen geschaffen, denn Neven und Sandner haben eine Vorgeschichte, die in diesem Band angerissen wird und auf deren weiteren Verlauf ich auf jeden Fall gespannt bin.
Bei mir hat dieser Krimi einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Jan Costin Wagner gilt als "Poet unter den Krimiautoren". Dies und die Inhaltsangabe haben mich dazu veranlasst, das Buch anzufragen. Nun bin ich bei knapp der HĂ€lfte des Romans und er hat mich immer noch nicht gepackt. Es kommt keine Spannung auf, die stĂ€ndigen SprĂŒnge der Blickwinkel und auch der Schreibstil machen es mir so schwer. Obwohl ich ja doch schon verhĂ€ltnismĂ€Ăig weit bin habe ich immer noch kein Bild der einzelnen Akteure im Kopf, kann teilsweise noch nicht einmal auf Anhieb die Namen zuordnen.
Vielleicht bin ich momentan einfach nicht frei genug im Kopf - somit lÀsst sich wohl sagen, dass "Sommer bei Nacht" kein Krimi ist, den man schnell so nebenbei weglesen kann.
FĂŒr mich aktuell zu anstrengende Kost. Leider.
Das war mein erstes Buch von Jan Costin Wagner und es hat mich ĂŒberrascht wie literarisch und sensibel er schreibt. Leider hat der Krimi nicht so viel Spannung und ein paar LĂ€ngen. Aber sehr empfehlenswert.
Hier tĂ€tigt der Autor einen genialen Schachzug, was die Ermittler angeht. Allein deswegen wĂŒrde ich diese Reihe gerne weiter verfolgen, ABERđ...
Die Story ist total langweilig. Diese inneren Monologe sind zum Einschlafen, der Schreibstil ist gewöhnungsbedĂŒrftig, ein Zufall jagt den nĂ€chsten und die Ermittlungen gehen auch nicht voran. Höchstens werden Szenarien eingebaut, die den Fall null voranbringen. Somit möchte ich nicht weiterlesen!
Eine Handlung wie viele andere
Krimis.
Doch ganz anderer STIL. Literarisch. Schwierig zum Anfang,
Die Personen mit ihren Wahrnehmungen wechseln schnell. Die Handlung geht so eintönig und langsam wie manchmal bei Hakan Nesser Ich war versucht Kapitel zu ĂŒberspringen...
Wer aufpasst kommt auf den TĂ€ter.
Es dauert aber noch sehr lange bis zur Auflösung . Trotzdem werde ich jetzt Bd 2 lesen.
Jan Costin Wagner ist bekannt fĂŒr seine psychologisch tiefgrĂŒndigen Romane, seinen fĂŒr Krimis ungewöhnlich lyrischen Schreibstil. Wer meinem Blog schon eine Weile folgt, weiĂ vielleicht, dass mich beides erfreut aufhorchen lĂ€sst. Ich habe ein Faible fĂŒr Autoren, die die Normen ihres Genres aufbrechen â zum Beispiel liebe ich den Schreibstil von Friedrich Ani oder Stig SĂŠterbakken, die ungewöhnlichen (Anti)Held*innen von Marie Reiners, Ane Riel oder Lioba Werrelmann._
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Dennoch stĂŒrzte mich âSommer bei Nachtâ schon nach wenigen Kapiteln in bestĂŒrzte Ratlosigkeit. Meine Notizen:_
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âHabe Schwierigkeiten, hineinzufinden. Ich liebe lyrische Schreibstile, aber hier wirkt es auf mich etwas erzwungen, angesichts hĂ€ufiger Perspektivwechsel zu uniform â als hĂ€tten verschiedene Charaktere die gleiche Gedankenwelt. Phrasen und Konzepte wiederholen sich.â_
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Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfasst hatte, war, wie viel Sinn es fĂŒr die Geschichte macht, dass grundverschiedene Charaktere haltlos durch sehr Ă€hnliche Gedankenwelten irren. Denn auch, wenn sie vom Wesen her sehr unterschiedlich sind und sich unterschiedlichen Herausforderungen stellen mĂŒssen, ist ihnen eines gemein: sie alle werden in diesem Sommer auf verschiedene Arten und Weisen in den Abgrund stĂŒrzen. Und sie alle verweigern sich den Klischees._
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Meine nÀchsten Notizen, nach etwa der HÀlfte, waren vorsichtig euphorisch:_
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âBin jetzt angekommen im Buch â in der erdrĂŒckenden Hitze dieses fatalen Sommers, in dem jeder Protagonist seine AbgrĂŒnde hĂŒtet. Dachte erst, die verschiedenen Gedankenwelten seien zu gleichförmig, aber es summt doch jeder â manchmal unterschwellig, kaum hörbar â seine eigene Melodie im Choral dieses Dramas. So langsam lĂŒften sich die Schleier, wenn auch nur vor dem Leser.â_
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Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Schock bereits hinter mir. Das Erschrecken ĂŒber diese eine Sache, die in vielen Rezensionen und vielen Artikeln des Feuilletons schon verraten wird â aber bis dato spurlos an mir vorbeigegangen war. Sie stellte mich vor ethische Fragen, mit denen ich nicht gerechnet hatte._
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Aber genau hier zeigt sich die Meisterschaft des Autors, der das Gleichgewicht wahrt zwischen dem Schrecken und der Hoffnung, dem Drama und dem VerstĂ€ndnis. Er verurteilt nicht, er schreibt dem Leser nicht vor, was er zu denken oder zu glauben hat. Auch bei kontroversen Themen, die bei den meisten Menschen eine sofortige und inbrĂŒnstige Abneigung auslösen, bleibt sein Schreibstil ruhig-poetisch und sein Urteil offen. Er lĂ€sst LĂŒcken, die den Gedanken der Leser*innen Raum geben._
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Mehr als diesen Ausschnitt aus meinen Notizen möchte ich hier noch nicht verraten:_
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âMehr und mehr entwickelt die Geschichte eine Sogwirkung, die dem Leser die Luft abschnĂŒrt. Jeder Charakter trĂ€gt sein Trauma mit sich, und im Fall des Ermittlers Ben Neven ist das eine mutige, sicher auch kontroverse Wahl des Autors, die hier aber mit viel FeingefĂŒhl â und dennoch ungeschönt â behandelt wird.â_
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Ab da lieĂ mich das Buch wirklich nicht mehr los, ich dachte oft und lange darĂŒber nach â beim Kochen, beim Staubsaugen, beim ZĂ€hneputzen. Das Buch liefert dem Leser die verschiedenen Bestandteile der Thematik und der Lösung, aber keine Gebrauchsanweisung. Was in meinen Augen auch gut so ist._
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Am Ende war mein Krimileserherz jedoch erstmal enttĂ€uscht. Der Fall wird im Grunde nur durch einen doppelten Zufall aufgeklĂ€rt. Reine Ermittlungsarbeit ist bereits gescheitert oder zumindest im Sande verlaufen, als dies die Ermittler auf die richtige Spur bringt. Das sorgte bei mir fĂŒr einen leicht schalen Beigeschmack._
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Und dann passiert etwas, womit der Krimileser nicht rechnet, weil es gegen eine fundamentale Erwartung verstöĂt. Aber ist das gut oder schlecht? Ăberraschend und ungewöhnlich ist es auf jeden Fall, und nach lĂ€ngerem Nachdenken bin ich zu diesem Schluss gekommen:_
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âSelbst im hellsten Sonnenschein stehen die Charaktere stets mit einem Bein im Abgrund ihrer Seele. Sommer bei Nacht. Ob sie gegen die Vergangenheit ankĂ€mpfen, eine Bedrohung von auĂen oder ihre eigene Natur â sie alle leiden an der gnadenlosen Unbegreiflichkeit der Welt. Daher kann es in dieser Geschichte gar keinen glatten Schnitt geben, kein harmonisches Happy End, und deswegen ist der Schluss meines Erachtens auch gut so, wie er ist.â_
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Fazit_
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Ein kleiner Junge verschwindet, Ermittler Ben Neven und Christian Sandner haben nur wenige Anhaltspunkte. Es gibt eine verschwommene Aufnahme, die Jannis an der Hand eines Mannes mit einem groĂen Teddy zeigt, doch ĂŒber 300 Hinweise fĂŒhren zu nichts._
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Im Flimmern der heiĂen Sommersonne eröffnen sich ĂŒberall menschliche AbgrĂŒnde â auch in den Psychen der Ermittler. Jan-Costin Wagner kleidet diese Geschichte in seinen unverwechselbaren Stil, der ohne ein Wort zuviel eine dichte AtmosphĂ€re aufbaut. Er geht Wagnisse ein: mit seinen Charakteren, mit dem Ablauf der Ermittlungen, mit dem Ende._
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Ich musste öfter innehalten und darĂŒber nachdenken, wie ich dies oder jenes finde, ob es fĂŒr mich Sinn macht, ob ich dem Autor noch weiter durch die Geschichte folgen will oder nicht. Letztendlich bleibt jedoch nur das Fazit: ich bin begeistert._
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Diese Rezension erschien zunÀchst auf meinem Buchblog:_
https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-jan-costin-wagner-sommer-bei-nacht/
Vorab: ich bin ein groĂer Fan von Jan Costin Wagner! Er gehört fĂŒr mich zu den ganz wenigen hochliterarischen Krimischriftstellern, die wir hier in Deutschland haben. Seine poetische und doch ebenso schlichte wie eindringliche Sprache ist einfach beeindruckend. Eine Stilistik, die man sofort wiedererkennt. Im besten Sinne. Seine Kimmo-Joentaa-Reihe habe ich mit groĂer Freude verschlungen. Als echtes Fangirl hatte seine neue Reihe rund um die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner also per se schon Vorschusslorbeeren von mir bekommen.
Und ja, auch hier ist die Sprache wieder ganz groĂ. Doch das Thema ist eben noch gröĂer, noch relevanter. KindesentfĂŒhrung. Aber vor allem: PĂ€dophilie. Was folgt, ist ein kleiner Spoiler. Ohne diesen geht es aber nicht. Denn es gibt da etwas, das die Handlung unterschwellig prĂ€gt und auch sehr frĂŒh thematisiert wird. Wenn auch nebenbei, was es noch hĂ€rter und ungeheuerlicher macht. Aber fangen wir beim Fall selbst an. Der 5-jĂ€hrige Jannis wurde von einem Mann entfĂŒhrt. PĂ€dophilie als Tatmotiv liegt hier schnell auf der Hand. Ben Neven und Christian Sandner nehmen die Ermittlungen auf. Beide sind sie ⊠nun ja ⊠kaputt. Wenn auch auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Wobei die dunklen Seiten von Ben Neven deutlich aufgrund der Thematik im Vordergrund stehen. Womit wir beim Spoiler wĂ€ren. Wer das nicht hören will, sollte an dieser Stelle bitte aufhören zu lesen.
Ben Neven, der Ermittler, der Jannis und den PĂ€dophilen finden will, ist nĂ€mlich selbst pĂ€dophil. Genau das erzeugt ein sehr abgrĂŒndiges Spannungsfeld. Neven steht also auch auf kleine Jungs, hat aber die unsagbare Grenze noch nie ĂŒberschritten, holt sich zu kinderpornografischen Bildern, an die er vor allem durch seine Arbeit kommt, einen runter und vergeht anschlieĂend in SchuldgefĂŒhlen, wĂ€hrend seine Tochter (an die er ja zum GlĂŒck sexuell nicht interessiert ist) friedlich im Nebenzimmer schlĂ€ft.
Das ist schon ziemlich harter Tobak, der stark am GemĂŒt sĂ€gt und Unglaubliches nahbar macht. Allerdings belĂ€sst es Jan Costin Wagner oft nur bei Andeutungen, arbeitet das (noch) schlummernde Monster in Ben Neven kaum aus, tippt es aber immer mal wieder zaghaft an. Dieses Antippen gilt allerdings auch fĂŒr alle anderen Figuren. Mit leichter Feder und viel SensibilitĂ€t. Da muss man oft schon genauer hinlesen, um die Tiefe in den Charakteren zu erkennen. Die AnsĂ€tze sind aber da. Bei aller stiller Sprachgewalt, bei allen schonungslosen MenschenabgrĂŒnden geht Wagner hier Ă€uĂerst behutsam, ja, fast schon verhalten vor. Er entblĂ€ttert noch nicht alle Schichten. Was sie dann aber wiederum etwas vage macht und mich als Leserin ratlos zurĂŒcklĂ€sst. Das reicht natĂŒrlich bei mir trotzdem allemal fĂŒr vier Sterne, aber ich hoffe sehr, dass Wagner im zweiten Teil der Reihe nochmal eine Schippe drauflegen wird.