
Jenseits des guten Geschmacks. Unterhaltsam, aber unerträglich brutal&ordinär. Ambivalentes Ende. Für Genre-Fans!
Bighead ist extrem drauf Der Horrorroman „Bighead“ von Edward Lee erschien 2012 im FESTA Verlag, das amerikanische Original jedoch bereits 1999 unter dem Titel „The Bighead“. Auf 352 Seiten erzählt Edward Lee eine Geschichte, die als „extrem“ gilt; der Verlag warnt ausdrücklich vor „überzogenen Darstellungen se******r Gewalt“. Ich entschied mich aus zwei Gründen für den Kauf: 1. Einer meiner Lieblingsautoren im Horrorgenre, Richard Laymon, bezeichnet Lees Schreibstil als „literarische Körperverletzung“, was mich neugierig machte. 2. Die Verlockung des Verbotenen – also das bewusste Herausfordern der eigenen (ethischen) Grenzen während der Lektüre. Als Bigheads Großvater stirbt, zieht er alleine los, um die Welt kennenzulernen. Gleichzeitig macht Charity einen Ausflug zu ihrer Tante Annie in die Provinz Virginias. Auf der Fahrt nimmt sie Jerrica mit, eine aufstrebende Journalistin. Annie führt eine Pension, in der ebenfalls ein Priester untergekommen ist. Doch nicht nur Bighead treibt sein Unwesen, denn immer wieder ist die Rede von weiteren brutalen Morden in der Gegend. Genau so wirr, wie sich die Inhaltsangabe liest, beginnt auch der Roman. Die Kapitel sind kurz, direkt und aus der Perspektive der jeweiligen Charaktere in der dritten Person geschrieben. Anfangs fragt man sich, wie das alles zusammenpassen soll, doch irgendwann wird tatsächlich ein Schuh daraus. Naja … irgendwie. Gut gefallen hat mir, wie der Autor die Eigenarten der Charaktere sprachlich aufgegriffen hat. Bighead hat keine hohe Schulbildung genossen, weshalb seine Kapitel einfach gehalten sind und nur so vor Rechtschreibfehlern strotzen. Auch die anderen Figuren spiegeln sich sprachlich wider: Der Priester flucht beispielsweise ständig, während andere viele Abkürzungen oder vereinfachte Ausdrucksweisen verwenden. Der Schreibstil ist insgesamt gewöhnungsbedürftig. Die Handlung rast förmlich voran, alle Versprechungen werden eingehalten, und man könnte für beinahe alles eine Triggerwarnung aussprechen, was mit se******r Gewalt zu tun hat. An dieser Stelle möchte ich bewusst keine Beispiele nennen, aber selbst ich habe mich stellenweise an der Grenze des Ertragbaren bewegt – obwohl ich regelmäßig Richard Laymon lese. Edward Lee ist nochmal eine ganz andere Nummer. Andererseits spielt die Handlung oft so weit am Rand der Realität, dass vieles absurd und teilweise fast schon komisch wirkt. Dadurch ließ sich die Brutalität für mich leichter ertragen als etwa in den Romanen von Jack Ketchum. Beeindruckend fand ich außerdem, wie Edward Lee die einzelnen Handlungsstränge am Ende zu einem furiosen Finale zusammenführt, auch wenn ich den übernatürlichen Aspekt nicht ganz schlucken konnte. Im Vorwort wird bereits erwähnt, dass es ein alternatives Ende gibt. Nach etwas Recherche stellte sich allerdings heraus, dass sich dieses hauptsächlich hinsichtlich der Mythologie vom jetzigen, autorengewünschten Ende unterscheidet. Insgesamt konnte mich das Buch trotz allem nicht vollständig überzeugen, auch wenn ich glaube, dass es innerhalb des Genres durchaus wegweisend war. Irgendwie ist es ja auch spannend herauszufinden, wo die eigenen Grenzen liegen. Mit genügend zeitlichem Abstand könnte ich mir sogar vorstellen, nochmal zu so einer Lektüre zu greifen – einfach dann, wenn einem nach schneller, völlig überzogener Unterhaltung ist. Deshalb vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.



















































