9. Mai
Rating:4.5

Macht - das abhanden kommen und der Kampf des wiedererlangten

Macht - ist die Auseinandersetzung einer Frau mit einer Tat , der Tat der vergewaltigung und ihrer folgen . Folgen sie begleiten, jeden Tag , zu jeder Zeit , direkt und indirekt , anwesend ,lauernd und manchmal leise und manchmal laut immer dar. Ein einziges Geschehen und die Folgen ! Macht ist der Kampf um genau diese , die Macht wieder zu erlangen um sie zu kämpfen um das eigene Leben wieder zu kontrollieren und diese Macht über genau dieses zu haben. Das Buch ist grandios , ohne schaurige storyline , ein erleben des Kampfes um das Leben danach .

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
15. Nov.
Ich wünsche mir besonders, dass Männer dieses Buch lesen, um neue Blickwinkel zu Gewalt, Ohnmacht, Verletzungen und Stärke zu gewinnen.
Rating:4

Ich wünsche mir besonders, dass Männer dieses Buch lesen, um neue Blickwinkel zu Gewalt, Ohnmacht, Verletzungen und Stärke zu gewinnen.

„Macht“ von Heidi Furre ist eine einschneidende, eindringliche und nachhallende Lektüre, die mich bewegt hat. Die Geschichte wird vollständig aus der Perspektive von Liv ungeschönt erzählt und wirkt damit umso eindrucksvoller. Dass das Buch ohne Kapitel auskommt, verstärkt dieses Gefühl eines ununterbrochenen inneren Monologs, eines Atemstroms, der ihre innere Zerrissenheit zeigt. Besonders ist, dass die Autorin es auf jeder Seite schafft zu zeigen, wie tiefgreifend Traumata ein Leben prägen können. Auch unsichtbar für Außenstehende. Das Leiden, das Liv durchmacht, ist empfindbar, ohne dass das Buch sie lediglich in die Opferrolle drängt. Gerade diese Ambivalenz macht das Buch so anspruchsvoll, Man wird daran erinnert, dass man nie hinter die Fassaden von Menschen blicken kann und vorschnelles Urteilen immer eine Gefahr birgt. Für mich persönlich war es zudem ein bereichernder Aspekt, wie stark die Künstlerin Niki de Saint Phalle in diesem Roman präsent ist. Ihre Kunst im Roman und die Fotos haben meine Begeisterung für sie geweckt. Trotz all der positiven Eindrücke ließ mich das Ende etwas enttäuscht zurück; es fehlte mir ein letzter, runder Abschluss. Dennoch bleibt „Macht“ für mich ein empfehlenswertes Buch, keine leichte Kost, aber absolut lesenswert.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
8. Nov.
Über Trauma und Weiterleben - auf 176 Seiten
Rating:4

Über Trauma und Weiterleben - auf 176 Seiten

🔺Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt „Macht“ ist ein schmales, aber unglaublich kraftvolles Buch. Es erzählt die Geschichte von Liv, die eine Vergewaltigung erlebt hat und versucht, mit den Folgen zu leben. Nicht mit großen Worten oder dramatischen Szenen, sondern leise – genau dort, wo sich Trauma im Alltag festsetzt: in Gesten, im Körpergedächtnis, in Momenten, die plötzlich kippen. Der Schreibstil ist nüchtern, fast schnörkellos. Genau das macht es so eindringlich. Manche Sätze treffen direkt, ohne Vorbereitung. Für mich ist das Buch stark darin, zu zeigen, wie tief Gewalt wirkt – lange nachdem sie passiert ist – und wie schwierig es ist, sich die eigene Wahrheit zurückzuholen. Ich denke das Buch braucht auch keine weiteren Seiten.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
29. Juni
Rating:4

„Macht“ von Heidi Furre ist ein stilles, aber erschütterndes Buch.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Frau, die nach außen hin ein scheinbar normales Leben führt – mit Ehemann, zwei Kindern und dem Wunsch nach einem eigenen Zuhause. Doch in ihr lebt etwas, das alles überschattet: die Erinnerung an eine Vergewaltigung, von der ihr Mann nichts weiß. Furre zeigt mit eindrücklicher, fast schon lyrischer Sprache, wie tief eine solche Erfahrung ins Leben eingreift. Nichts bleibt davon unberührt. Nicht ihre Partnerschaft, nicht ihre Mutterschaft, nicht einmal der Kauf eines Hauses. Selbst bei der Wahl einer Immobilie denkt sie an abgelegene Wege und dunkle Ecken – Sicherheitsfragen, die für ihren Mann unverständlich wirken. Besonders bewegend fand ich, wie sich das Erlebte in ihrer Rolle als Mutter widerspiegelt. Sie möchte ihre Tochter schützen, ohne ihr die Leichtigkeit zu nehmen. Sie will ihren Sohn begleiten, damit er nie zu jemandem wird, der anderen Leid zufügt. Alles, was sie tut, trägt die Schwere dieser Erfahrung in sich. Selbst wenn dem Täter im besten Fall drei Jahre Gefängnis drohten, wäre das keine Gerechtigkeit. Denn das, was bleibt, lässt sich nicht in Jahren messen. Das Ende des Romans hat mich ratlos zurückgelassen. Offen, fast unfertig. Und obwohl ich solche Enden oft schätze, hat es sich hier falsch angefühlt. Vielleicht aber war genau das der Punkt. Nach einer Vergewaltigung kann es keinen runden Abschluss geben. Niemals. Ein kraftvolles Buch. Schmerzhaft. Wichtig.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
27. Mai
Rating:4

Emotional intensiv

Eigentlich ist „Macht“ ein recht stilles und recht kurzes Buch. Aber irgendwie ist der Inhalt doch teils heftig, so dass es einige Zeit nachhallt. Es geht um Machtstrukturen, Schmerz und wie man mit etwas umgehen kann, dass eigentlich gar nicht passieren dürfte. Die Protagonistin selbst versucht sich manchmal so weit von allem zu distanzieren, dass es für so gewirkt hat als würde sie bewusst Mauern bauen und ganz nüchtern agieren, um ja nicht zu zerbrechen.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
18. Apr.
Rating:4

📚 Inhalt Liv ist Mitte 30, arbeitet in einem Krankenhaus, lebt in einem kleinen Haus, mit einem Mann, der sie liebt und zwei Kindern. Eigentlich könnte alles perfekt sein, wäre da nicht Livs Geheimnis, von dem nicht einmal ihr Mann weiss. Liv wurde vor vielen Jahren vergewaltigt. Ihr Leben ist geprägt von Situationen, in denen sie Angst hat. Sie ist zerrissen zwischen Mut und Wut, Selbstbestimmtheit und Angst. Doch etwas ist für sie ganz klar: sie will kein Opfer sein. 📖 Meinung Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich mit dem Buch gestartet habe. Der Roman spielt hauptsächlich in Livs Gefühlsleben, was ich sehr spannend gefunden habe. Es gibt kaum einen Dialog und gerade für mich, nimmt das dem Buch einiges an Tempo raus. Ich war angehalten, langsam und sorgfältig zu lesen und Livs Gefühle nachzuvollziehen. Es gelingt der Autorin gut, diese Gefühle zu transportieren. Dabei konnte ich Liv nicht immer nachvollziehen, aber wie sollte ich auch? Ich bin froh, dass ich nie das Trauma erleben musste, welches Liv als junge Frau erlebt hat. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle auch nicht immer gut heissen und war teilweise von ihr fast ein wenig abgestossen. Das half mir sehr, mich selbst zu reflektieren. Welches Recht habe ich, die Gefühle einer Vergewaltigten in Frage zu stellen? Gar keins. Gefühle sind immer richtig, es sind nicht meine. Mir gefiel der langsame Aufbau sehr gut und die Verarbeitungsschritte, die Liv nach und nach gemacht hat. Obwohl die Vergewaltigung allgegenwärtig ist, wird die Stelle glücklicherweise nicht überdetailliert beschrieben. Obwohl das Buch nicht viele Seiten hat, wurde alles wichtige gesagt. Es war kein Satz zu viel, kein Wort am falschen Platz. Ich kann und möchte das Buch nicht als Unterhaltungsroman abtun, es ist mehr als das. Auch möchte ich das Buch nicht uneingeschränkt weiter empfehlen, da es bestimmte einige Personen triggern kann. Daher sollte man sich wirklich bewusst sein, auf was für ein Buch man sich einlässt, bevor man mit dem Lesen beginnt.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
2. Dez.

kurzes Buch, trotzdem nichts für zwischendurch

In „Macht“ erleben wir den Alltag und die Gedanken von Liv, die vor 15 Jahren vergewaltigt wurde. Sie möchte sich nicht als „Opfer“ oder „Überlebende“ bezeichnen, sondern will einfach nur, dass alles normal ist und sie alles unter Kontrolle hat. Ihre Gedanken sind dadurch sehr aufwühlend, aber auch nachvollziehbar. Das Buch hat mich an mehreren Stellen sehr zum Nachdenken angeregt. Vor allem, weil sie oft darüber spricht, dass es einem „nachhängt“, wenn man über die eigene Vergewaltigung spricht, dass man ab dann nur noch als Vergewaltigte wahrgenommen wird, nicht mehr als normaler Mensch. Dass die Leute sie anders behandeln, wenn sie darüber Bescheid wissen. Und dass sie deshalb so viele Jahre nicht mal ihren Mann davon erzählt hat. Insgesamt wirklich sehr bewegend und stark.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
31. Okt.
Rating:3.5

Mich hatte der Klappentext und die Thematik neugierig gemacht. Muss aber gestehen, dass ich die Geschichte aufgrund des Schreibstils nicht richtig greifen konnte. Es wirkte nicht wie eine Erzählung, ein Eintauchen in die Gedanken der Protagonistin - eher wie eine passive Beschreibung Ihres Alltags. Trotzdem ist es ein Buch welches man gelesen haben sollte, da die Thematik bis heute noch totgeschwiegen wird - dabei ist es gerade wichtig dass diese Geschichten erzählt und vorallem gehört werden.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
20. Apr.
Rating:4

"Ich wurde von einem Werwolf gebissen, der Biss geht nicht weg, egal was ich tue, es ist irreversibel" Von außen betrachtet ist Livs Leben perfekt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern und ihren Mann in einen hübschen Einfamilienhaus in Oslo und genießt ihre Arbeit. Doch der Schein trügt, vor vielen Jahren wurde sie vergewaltigt und bemüht sich seit dem ihr Leben besonders perfekt darzustellen. Doch die Erinnerung lauert ständig im Hintergrund und bestimmt große Teile von Livs Leben. Wie eine Schutzmauer verwendet sie teure Luxusprodukte, um sich hinter diesen zu verstecken und greift zu Beruhigungs- und Schlafmitteln. Als in der Pflegeeinrichtung, in der sie arbeitet, eine Patientin eingeliefert wird, deren Bruder ebenfalls vor Jahren einer Vergewaltigung angeklagt wurde, verstärkt dies Livs Trauma. „Macht“ hinterlässt als Buch von der ersten Zeile an einen starken Eindruck. Auf nur 173 Seiten schildert Heidi Furre wie eine Vergewaltigung das Leben eines Menschen prägen kann. Dabei werden die Gewalterfahrungen von Liv mit den Übergriffigkeiten, die jede Frau kennt vermischt und so die strukturelle Problematik beleuchtet. Der Schreibstil ist ungewöhnlich: wirkliche üble Situationen werden sehr nüchtern geschildert, dann gibt es immer wieder Gedankensprünge, wirre Überlegungen und Gefühlsbeschreibungen. Teilweise hat es mir beim Lesen schwer gemacht am Ball zu bleiben und ich habe wesentlich länger für das Buch gebraucht als ich bei der Seitenzahl erwartet hatte. Nicht ein einziges Mal kommt in diesem Roman wörtlich Rede vor. Als Lesende bin ich die ganze Zeit dem Gedankenkarussell Livs ausgesetzt und muss mit ihr zusammen den langen Prozess der Verarbeitung durchleben. Letztlich wird hier nicht im klassischen Sinne eine Geschichte mit Spannungsbogen erzählt, sondern verdeutlich wie groß die Macht einer erlebten Vergewaltigung auch Jahre später noch sein kann und das, obwohl Therapie und ein gutes Supportnetz vorhanden sind.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
26. Feb.
Rating:2.5

Irgendwie eine kurioses Buch. Trotz dessen, das es so ein wichtiges und emotionales Thema beinhaltet, konnte ich die Geschichte nicht wirklich greifen. Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnunhsbedürftig und lässt einen an der Geschichte eher teilhaben wie einen Zuschauer. Ich konnte nicht in die Gefuehlswelt der Protagonistin eindringen und nur ungefähr abschätzen, wie sie sich gefühlt haben mag. Die Geschichte ist meiner Meinung nach irgendwie wirr erzählt, unwichtige Handlungsstränge werden ausgeführt während wichtige Dinge außen vorgelassen werden….

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
23. Feb.
Rating:4

"Im besten Fall ist eine Vergewaltigung wie eine Reise. Man ist anwesend, mit seinem Körper und all seinen Habseligkeiten, man ist den Gegebenheiten ausgeliefert. " Liv ist vor 15 Jahren in der Vorweihnachtszeit vergewaltigt worden und trägt diese in sich. Auch jetzt ist es wieder kurz vor Weihnachten und vielleicht wird ihr deswegen alles wieder so bewusst. Man weiß das nicht und man erfährt es auch nicht. In sehr klarer und schnörkelloser Sprache erklärt sich Liv und bleibt doch sehr distanziert und unnahbar. Und vielleicht ist das Buch gerade deswegen so bedrückend. "Meine Schultern fühlen sich an wie Äste im Wald, die sich unter dem Gewicht des Schnees biegen. "

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
25. Dez.
Rating:4

Intensiv und aufwühlend „Er ist so unbedeutend. Er ist nur diese eine Nacht. So, wie auch ich für ihn unbedeutend war.“ Mit diesen oder ähnlichen Worten versucht die Hauptprotagonisten Liv die Mach über ihr Leben zurück zu gewinnen. Sie will ihrem Vergewaltiger keine Macht über ihr Leben einräumen. Doch schnell wird deutlich, dass dies alles andere als einfach ist, denn auch Jahre nach der Vergewaltigung lebt Liv mit täglichen Ängsten und wird immer wieder mit dem Thema konfrontiert. Sei es wenn sie nachts im Dunkeln nach Hause geht oder auf der Arbeit, wenn der Bruder einer Patientin, der vor Jahren der Vergewaltigung bezichtigt wurde, ihr auf dem Flur begegnet. Heidi Furre schildert in ihrem Roman „Macht“ auf sehr deutliche und intensive Weise, wie es ist vergewaltigt worden zu sein und wie es das Leben beeinflussen kann. Durch den authentischen Schreibstil und die geschilderten Situationen wird dem Leser die Möglichkeit gegeben mit Liv zu fühlen und ihre Gedankenwelt besser zu verstehen. Hierbei wird deutlich, dass es nicht um die Tat an sich geht, sondern um das Leben danach. Viele der gelesenen Situationen klingen noch lange nach und lassen den Leser nicht so schnell los. Allerdings gab es zwischendurch immer wieder Passagen, an denen ich nicht mitkam und kurz verwirrt war, sodass der Lesefluss gestoppt wurde. Dies ist aber nur ein kleiner Punkt in einem Roman, der so viel mehr ist. Heidi Furre zeigt, dass über dieses Thema gesprochen werden muss und wie schwer es für Menschen wie Liv ist die Macht über das Leben zurück zu erlangen. Denn es gibt genug Menschen auf dieser Welt, die das Gleiche wie Liv durchmachen müssen.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
21. Okt.
Rating:4

Der erste ins Deutsche übersetzte Roman der norwegischen Autorin Heidi Furre ist zwar ein kurzes, dafür aber sehr eindringliches Werk. Sie schreibt von Pflegerin Liv, die auf den ersten Blick ein "normales" Leben mit Job, Haus, Mann und Kindern führt. Dass sie in ihrer Studienzeit vergewaltigt wurde und auch Jahre später mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat, versucht Liv nicht nur vor ihrem Umfeld, sondern auch vor sich selbst zu verstecken. Dass dieses Thema keine leichte Kost wird, merkt man schon auf den ersten Seiten. Es gibt keine richtigen Kapitel, das Buch ist eher eine Ansammlung aus alltäglichen Momenten und Situationen. Die Protagonistin Liv beschreibt ganz eindrücklich wie allgegenwärtig die Tat in ihr nachwirkt. Überall lauern Erinnerungen, Gefahren, Gedanken, mögliche Betroffene, Überlebende sowie Täter. Liv kann keinen Schritt mehr gehen ohne an die furchtbare Tat zu denken. Mal analysiert sie mehr sich selbst beziehungsweise ihr früheres Ich und mal mehr den Täter, wobei sie immer wieder zwischen Verständnis, Wut, Schuldzuweisungen, Verharmlosung und Hoffnung schwankt. Jedes dieser kurzen Kapitel und Abschnitte hat auf mich sehr beklemmend, aber auch sehr authentisch gewirkt. "Manchmal ist es schlimmer zu sagen, ich bin vergewaltigt worden, als tatsächlich vergewaltigt worden zu werden. Als würde man eine Todesnachricht überbringen. Man muss dabei zusehen, wie die anderen mit Abscheu reagieren. Für sie ist die Abscheu nur ein vorübergehendes Gefühl, etwas, das sie ablegen können. Aber in mir hat sie einen festen Platz, wie ein inneres Organ." (S. 135) Im Roman "Macht" kommt auch zur Sprache wie die Gesellschaft im Allgemeinen mit Vergewaltigungen umgeht. Zum Beispiel, ob es nun Opfer oder Überlende/r heißt, oder die immer wieder auftretenden Skandale um Schauspieler, Musiker, Patriachen, die aber nach wenigen Wochen wieder in der Versenkung verschwinden. Ich fand es spannend und auch realistisch, solche Aspekte aus Sicht einer Betroffenen zu lesen. Liv wirkt so authentisch, dass ich manchmal vergessen habe, dass es sich hier um ein fiktionales Werk handelt. Denn auch gewisse Zwänge und Verhaltensmuster, die die Protagonistin entwickelt hat, haben mich sehr getroffen und wirkten gleichzeitig schlüssig. Sehr eindrücklich waren Livs Gedanken über ihre beiden Kinder und wie sie einerseits mit Erstaunen und Stolz dabei zusieht, wie sie aufwachsen und (noch) Vertrauen in die Menschheit haben, andererseits mit Sorge und Wut darauf blickt. Heidi Furre hat mit "Macht" ein ganz wichtiges und eindringliches Buch geschrieben. Es war stellenweise schwer zu lesen, aber gleichzeitig finde ich die Sichtbarkeit absolut notwendig und bin dankbar für diesen Roman.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
7. Okt.
Rating:4.5

Ein wichtiges und tief gehendes Buch, dem ich viele männliche Leser wünsche. Es versetzt uns in das Seelenleben einer vor vielen Jahren vergewaltigten Frau, in die Widersprüche und Ängste, mit denen sie auch Jahre danach noch leben muss.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
1. Sept.
Rating:4

…offenen Fragen, der Zweifel, die Wut und die Angst fühlten sich oftmals beklemmend an, sie hinterließen ein ungutes Gefühl.

„Ich weiß nicht, wo die Gewalt bleibt, wenn sie verübt worden ist. Sickert sie in die Matratze?" „Denkt er darüber nach? Jetzt, in diesem Moment, denkt er darüber nach, was er hätte anders machen können? Kennt er meinen Namen noch? Wie funktioniert das körperliche Gedächtnis bei demjenigen, der verge***tigt hat? Fließt auch ihm das Blut nicht mehr bis in die Hände, werden seine Finger kalt und steif? Schmerzen seine Muskeln, wenn er am wenigsten damit rechnet?" "[…..]Entschuldigen bei denen, die Vergewaltiger und Vergewaltigte werden. Entschuldigen für all die schlechten P*rn*s, an die sie geraten werden. Für die anrüchige Sexualität, die mit Chauvinismus und Scham behaftet ist. Entschuldigung. Ich kann nicht fassen, dass alle Körper und alle Grenzen in diesem gesetzlosen Dreck zurechtkommen sollen." Egal ob betroffen oder nicht - das Buch MACHT etwas mit einem. Liv, Pflegerin, Mitte 30 wurde vor 15 Jahren vergew***tigt, seitdem hat sie geheiratet, 2 Kinder bekommen und nie Jemanden vom sexuellen Ubergriff erzählt, nicht einmal ihrem Mann. Aber hinter ihrer Fassade geht ihr das Trauma nicht aus dem Kopf, dass sie nie verarbeitet hat. Liv wagt im Laufe der Geschichte die Konfrontation und übt den Befreiungsschlag - denn sie will unbedingt die Macht über sich selbst zurück. Die Geschichte wird eher ruhig erzählt, wir begleiten Liv in ihrem Alltag aber das Wichtigste sind ihre Gedanken: die offenen Fragen, der Zweifel, die Wut und die Angst fühlten sich oftmals beklemmend an, sie hinterließen ein ungutes Gefühl. Furre schrieb ein absolut wichtiges Buch, dass sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt auseinandersetzt und nicht die Tat, sondern die Frau, die sie erlebt hat, in den Mittelpunkt stellt.

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Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
1. Sept.
Super wichtiges Thema, schlecht vermittelt
Rating:1.5

Super wichtiges Thema, schlecht vermittelt

Ja also ich weiß nicht was ich dazu sagen soll… Ein so wichtiges Thema so unsentimental und grob rüber zu bringen enttäuscht mich sehr. Schreibstil: ⭐️ Thema:⭐️⭐️⭐️⭐️ Geschichte: ⭐️ Spannung: ⭐️ Hier jetzt was von spice hinzuschreiben wäre absolut respektlos.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
1. Aug.
Rating:4

"Ich wusste nicht, ob ich noch an die Zeit glaubte. Obwohl der Vorfall vorbei war, war er es doch nicht." Man könnte sagen, Heidi Furres Roman handelt von einer Vergewaltigung. Das wäre nicht falsch, aber es wäre eben auch ein sehr verengter Blick auf den Kern des Textes, der sich dankenswerterweise schon im Titel präsentiert: Es geht um Macht. Die Macht des Täters. Die Macht der Erinnerungen. Die Ohnmacht weit über das Geschehen hinaus. Die gesellschaftliche Macht von Rollenmodellen und Erwartungen. Um die Macht, die Worte haben können, die dem Erlebten Gestalt und Form geben. Zum Zeitpunkt der Textgegenwart liegt die Vergewaltigung bereits Jahre zurück. Liv hat gelernt, mit dem Abgrund dieser Erfahrung zu leben, sie umschifft ihn ganz gut. Selbst ihr Mann, mit dem sie zwei Kinder hat, weiß nichts davon, was ihr geschehen ist. Als in der Nachbarschaft eine Frau Opfer häuslicher Gewalt wird, drängen die Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Es gibt für Frauen keine Sicherheit. Und nicht selten sind es gerade die eigenen vier Wände, in denen sie am unsichersten sind. Der Roman beschäftigt sich weniger mit dem Vorfall an sich, sondern mit seinen vielfältigen Auswirkungen und Bedingungen. Auch wenn Liv jahrelang versucht, es so zu behandeln: Eine Vergewaltigung ist nichts, das man abschütteln kann. Es mag alltäglich sein, weil es alltäglich vorkommt, aber das bedeutet nicht, dass es gewöhnlich und belanglos wäre. Immer wieder stellt sie sich auch die Frage, wie die Gewalt sie verändert hat. Ob die Gewalt in sie eingeschrieben, auf sie übergegangen ist. Ob sie für andere sichtbar ist, an denen sie selbst wiederum Spuren zu erkennen meint. Sie möchte nicht "die Vergewaltigte" sein und kämpft mit aller Macht (!) gegen die Schablonen an, in die die Erfahrung sie zu pressen droht. Sie weigert sich, die Rolle zu spielen, die andere ihr zuschreiben, wenn sie von der Vergewaltigung erfahren. Heidi Furre zeigt in ihrem Roman viel mehr als das individuelle Erlebnis. Ihr geht es darum, was Gewalt ermöglicht und wie man sich von dem, was sie unweigerlich in einem hinterlässt, befreien kann. Meistens beginnt es damit, nicht mehr zu schweigen. "Dieses kleine bisschen Macht habe ich, ich kann es aussprechen, wann immer ich will." (aus dem Norwegischen übersetzt von Karoline Hippe)

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
24. Juli
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Rating:3.5

In diesem Roman wird eindringlich beschrieben was eine Vergewaltigung mit Frauen machen kann und dabei geht es nicht nur um die Vergewaltigung an sich, sondern wie sehr es einen verändert und wie man als Frau versucht weiterzumachen sowie auch der Versuch das Erlebte sogar zu verdrängen. Viele Opfer dieser Tat können ihr Leben nicht einfach so weiterführen, jedoch gelingt es der Protagonistin Liv ein normales Leben zuführen. Zumindest scheinbar. Liv hat niemanden erzählt, was ihr damals passiert ist, versucht sich selbst einzureden, dass das einschneidende Erlebnis doch gar nicht so "schlimm" sei. Sie hat eine eigene Familie mit Kindern, doch die Erinnerungen holen sie ein und gewaltige Emotionen kochen wieder in ihr hoch. Auch in Alltagssituationen zeigt es sich immer wieder wie die Erinnerungen der Vergewaltigung sie verfolgen. Die Autorin schafft es gut aufzuzeigen, dass die Verdrängung keine Lösung ist, zumindest nicht langfristig und sie schafft es eindringlich zu zeigen was eine Frau nach der Vergewaltigung durchmachen muss - Scham, Wut, Ekel, Zweifel, Selbsthass und viele andere Emotionen stehen hier im Vordergrund. Es ist ein wichtiges Buch um das Schweigen der Frauen zu brechen. Keine Frau sollte so etwas erleben und durchmachen müssen. Um so wichtiger ist es, dass man darüber spricht, sich wehrt und sich auch die nötige Hilfe sucht. Aufgrund des sachlichen und distanzierten Schreibstils ist mir Liv fremd geblieben und es ist manchmal schwer gewesen gewisse Handlungen nachvollziehen. Das Ende des Buches hat mir nicht zugesagt und ich fand, dass es irgendwie nicht wirklich zum Ganzen gepasst hat. Insgesamt ein Buch mit einer wichtigen Message und den Appell, dass wir nicht weiter Schweigen dürfen, sondern unsere Stimmen herheben müssen.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
29. Juni
Rating:4

Liv lebt ein beschauliches Leben mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Oslo. Alles scheint perfekt, wären da nicht ihre Ängste und Erinnerungen an eine Tat, die sie immer wieder einholen und ihr gewisse Handlungsweisen aufzwingen. Vor Jahren wurde sie vergewaltigt, schweigt beharrlich, versucht das Geschehene zu vergessen und zu verdrängen, bis sich durch die Ankunft einer neuen Patientin, in dem Pflegeheim, in dem sie arbeitet, die Bilder und Eindrücke wieder aufdrängen. - Heidi Furres Buch ist intensiv. Es schildert eindrücklich das Leben nach dem Erleben von sexueller Gewalt. „𝘕𝘪𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘵 𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘝𝘦𝘳𝘨𝘦𝘸𝘢𝘭𝘵𝘪𝘨𝘶𝘯𝘨 𝘭𝘪𝘦𝘨𝘦𝘯. 𝘕𝘪𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥. 𝘈𝘭𝘭𝘦 𝘴𝘵𝘦𝘩𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧. 𝘕𝘪𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥 𝘩𝘰̈𝘳𝘵 𝘥𝘢𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘢𝘶𝘧, 𝘔𝘦𝘯𝘴𝘤𝘩 𝘻𝘶 𝘴𝘦𝘪𝘯.“ (𝘚. 88) Und doch geht man als Mensch verändert aus einer solchen Tat heraus. Genau darum geht es in dem Erzählten. Es steht nicht die Tat, sondern das Erleben, das Weitermachen, der Versuch der Verdrängung und Verarbeitung im Vordergrund. Furre zeigt auf, dass Verdrängung nicht funktioniert, zumindest nicht auf Dauer. Sie thematisiert viele Gefühle die Überlebende durchmachen. Scham, Selbstzweifel, Wut, Ekel sind nur ein paar Emotionen, die auftreten. Aber auch Gedankengänge, allen voran die Auseinandersetzungen bzgl. der Kinder, fand ich sehr eingängig. Die Frage, wie man einen Sohn erzieht, damit er nicht zum Täter wird… Die Frage, was man tun kann, um seine Tochter zu schützen… Ohnmacht spielt eine große Rolle, die nüchterne Feststellung, dass man nirgends sicher ist, dass es jede Frau treffen kann. „𝘋𝘢𝘴𝘴 𝘪𝘤𝘩 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘌𝘪𝘯𝘻𝘪𝘨𝘦 𝘣𝘪𝘯. 𝘋𝘢𝘴𝘴 𝘦𝘴 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘪𝘴𝘵, 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘢𝘯 𝘖𝘳𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧𝘻𝘶𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯, 𝘢𝘯 𝘥𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘱𝘢𝘴𝘴𝘪𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘬𝘢𝘯𝘯.“ (𝘚. 7) Liv, als Protagonistin, ist mir ein wenig fremd geblieben. Sie verfällt regelrecht in einen Kauf- und Schönheitswahn, um das Geschehene zu kompensieren. Ein Verhalten, dass ich zwar in Verbindung mit den Ereignissen durchaus nachvollziehen kann, welches mir persönlich aber absolut fremd ist. „𝘋𝘢𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘦𝘪𝘯 𝘝𝘦𝘳𝘴𝘶𝘤𝘩, 𝘒𝘰𝘯𝘵𝘳𝘰𝘭𝘭𝘦 𝘻𝘶 𝘶̈𝘣𝘦𝘳𝘯𝘦𝘩𝘮𝘦𝘯. 𝘋𝘢𝘴 𝘌𝘬𝘭𝘪𝘨𝘦 𝘷𝘰𝘯 𝘮𝘪𝘳 𝘧𝘦𝘳𝘯𝘻𝘶𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯, 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘦 𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘸𝘰𝘭𝘭𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘊𝘢𝘳𝘦-𝘈𝘳𝘣𝘦𝘪𝘵.“ (𝘚. 24) Damit wird klar, dass die Tat nie wirklich weg ist. Es zeigt sich in Kleinigkeiten, wie dem Telefonat mit dem Ehemann, wenn sie auf dem Nachhauseweg ist und in großen Dingen, wie der Wahl der Lage des Hauses (kurzer Weg zu Bushaltestelle, kein Wald). Es dringt ins Leben ein… ein In-Schach-halten erfordert permanente Anstrengung. - Das Buch ist ein Befreiungsschlag, es ist ein Appell dafür, das Schweigen zu brechen, es ist die Aufforderung, die Augen zu öffnen. Mit der, in weiten Teilen fast sachlichen Schreibweise, lässt sich die Geschichte gut lesen und schafft genug Abstand, damit man nicht daran zerbricht. Von mir gibts eine große Empfehlung für diesen Roman.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
28. Mai
Rating:4

Kein einfaches Buch. Beschrieben wird das Leben eines Vergewaltigungsopfers, ihr innerer Kampf, Ängste, Zweifel, der Versuch das Leben zu meistern, Rückschläge, kleine Erfolge. Gewaltig geschrieben, aber nicht einfach zu lesen.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
14. Mai
Rating:4

Authentisch!

Ein Buch, das sexualisierte Gewalt thematisiert, aber nicht die Tat an sich, sondern die Frau, die diese erlebt hat, in den Fokus stellt. Der Leser blickt in die Gedankenwelt von Liv, erkennt ihre innere Zerrissenheit trotz großer Mühe, die makellose Fassade nach außen hin aufrechtzuerhalten. Die Protagonistin ist authentisch gezeichnet. Jeder Tag ist für sie eine Herausforderung. Jede noch so kleine Alltäglichkeit kann verdrängte Erinnerungen hervorholen. Doch sie wehrt sich gegen die Opferrolle, versucht mit aller Kraft, die Macht über ihr eigenes Leben nicht zu verlieren, selbstbestimmt zu leben. Authentisch! Leider konnte es mich aufgrund des nüchternen und distanzierten Schreibstils emotional nicht abholen. Nichtsdestotrotz eine große Leseempfehlung! Das Thema verdient so viel mehr Aufmerksamkeit!

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
6. Mai
Rating:4

Liv ist eine von zehn. Eine von zehn Personen, die statistisch gesehen einmal in ihrem Leben vergewaltigt wird. Welche Auswirkungen eine Vergewaltigung auf das Leben „danach“ haben kann, zeigt Heidi Furre in „Macht“ eindringlich auf. Liv, die Ich-Erzählerin, die in ihrer Studienzeit vergewaltigt wurde, bezeichnet sich selbst als Überlebende. Sie möchte kein „typisches Opfer“ sein, reißt sich zusammen, gibt sich größte Mühe, den Tag vor 15 Jahren zu verdrängen und scheint äußerlich alles im Griff zu haben. Sie hat zwei Kinder, einen Mann, ein Haus und einen Job als Pflegerin. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich selbst in den simpelsten Alltagssituationen die Zwänge und Verhaltensmuster, die sie nach ihrer Vergewaltigung entwickelt hat. Heidi Furre nutzt in „Macht“ kurze, pointierte Sätze, um Liv recht nüchtern und wie benebelt berichten zu lassen. Livs Gedanken scheinen wirr, haben auf den ersten Blick nichts mit ihrer Vergewaltigung zutun, um am Ende dann doch wieder genau dort anzukommen. Zugegeben, bei dem ein oder anderen Gedanken fiel es mir schwer, zu folgen

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
2. Mai
📖 
Eine bedrückende und ernste Erzählung, die sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt und dem Leben "danach" auseinandersetzt. Hier prallen perfekte Außenerscheinung auf innere Zerissenheit.
Rating:2

📖 Eine bedrückende und ernste Erzählung, die sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt und dem Leben "danach" auseinandersetzt. Hier prallen perfekte Außenerscheinung auf innere Zerissenheit.

MACHT Heidi Furre setzt sich in ihrem Roman "Macht" Themen wie sexualisierter Gewalt, Selbstbestimmtheit und Wut. I N H A L T: Liv ist Pflegerin, Mitte dreißig und führt ein scheinbar perfektes Leben in einem Osloer Einfamilienhaus. Sie liebt ihren Mann Terje und ihre beiden Kinder Rosa und Johannes. Aber was kaum jemand weiß, nicht einmal ihr Mann: Liv ist vor Jahren vergewaltigt worden. Der Gang zum Zahnarzt ist für sie eine Herausforderung, wenn sie nachts von der Bushaltestelle nach Hause läuft, muss sie Terje anrufen. Überall lauert die Angst. Liv bemüht sich, die Oberfläche frei von Kratzern zu halten. Auch wenn sie hinter der Fassade damit beschäftigt ist, ihr Trauma zu bewältigen: Sie will die Opferrolle nicht annehmen. (...) M E I N U N G: Das ganze Leben steht im Schatten der sexualisierten Gewalt, die Liv in der Vergangenheit erlebte. Jeder Tag ist eine Herausforderung. Überall lauern Gefahren. Liv hat die Tat längst nicht verarbeitet, doch der Opferrolle möchte sie sich auch nicht hingeben. So versucht sie durchzuhalten, zu leben und stark zu sein. Wir erfahren ein wenig über Livs Leben, jedoch geht sie nie zu sehr ins Detail, sodass die Handlung aushaltbar ist. Stattdessen erfährt man von Livs Zerrissenheit, ihren Ängsten und ihrem Überleben im Alltag. Das Thema sexualisierte Gewalt hat definitiv viel mehr Aufmerksamkeit verdient. In Norwegen hat eine von zehn Frauen bereits sexualisierte Gewalt erlebt. In Deutschland ist es jede siebte Frau. Ein noch immer tabuisiertes Thema, welches Furre in ihrem Roman "Macht" den nötigen Raum schenkt. Es zeigt auf, wie man als Opfer potentiell mit einem so einschneidenden Erlebnis umgeben kann, welchen Ängsten man sich stellen muss. Vor allem der Kontrast zwischen ihrem perfekten Außenbild und ihrer inneren Zerrissenheit zeichnet die Autorin sehr detailliert. Dennoch konnte mich "Macht" trotz des bedeutenden Themas emotional nicht abholen. Viele Fäden blieben losen, einige Gedanken wirr und mir fehlte persönlich ein festerer Rahmen. Den distanzierten Tonfall den Liv in der Ich-Perspektive nutzt, lässt keine emotionale Bindung zu. Eine bedrückende und ernste Erzählung, die sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt und dem Leben "danach" auseinandersetzt. Hier prallen perfekte Außenerscheinung auf innere Zerissenheit.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
13. Apr.
Rating:5

Der Roman widmet sich dem Thema sexualisierte Gewalt. Keine leichte Kost, aber die Autorin verschafft den Lesern* innen in beeindruckender Art und Weise Einblicke in die Gefühlswelt eines Vergewaltigungsopfers.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
9. Apr.
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Rating:4

Eines vorab: Dieses wunderschöne Cover, dieser Handschmeichler, der auf einen geschmeidigen und sanften Inhalt schließen könnte, wird dich mit aller Macht in die Tiefe reißen. TW: Vergewaltigung, Depression MACHT Heidi Furre „Ich versuchte mir einzureden, dass es nicht so schlimm war. Vergewaltigt zu werden ist wie eine Reise an einen Ort, den man schon einmal in einem Film gesehen hat. So war das. Wie wenn einem die Weisheitszähne gezogen werden. Wenn man zum ersten Mal betrunken ist. Ja, so ist es. Jetzt bin ich dran. Ich hatte so viele Porträts von Frauen gesehen, die getötet oder verschwunden waren. Nun war ich auch so ein Gesicht.“ (S.63) Die 30-jährige Liv wurde vor 15 Jahren vergewaltigt. Sie versuchte es zu verdrängen und das gelang ihr auch, zumindest so lange bis vor 5 Jahren ihr kleiner Sohn Johannes geboren wurde, ab da stürzte alles in sich zusammen - aber nur innerlich. Äusserlich versucht sie sich nichts anmerken zu lassen. Sie arbeitet in Schichten als Pflegerin, beschmiert die Schulbrote ihre Kinder und geht ins Fitnesscenter. Aber wenn sie ehrlich wäre, und sich jemanden anvertrauen würde, müsste sie zugeben, dass sie in keinem geschlossenen Raum sein kann, keine Straße in einem Wald begehen könnte, dass sie hinter jeder Hecke einen Vergewaltiger erwartet und heimlich Tabletten schluckt - nämlich genau dann, wenn sie weiss, dass der berühmte Schauspieler, der damals eine Frau vergewaltigt haben soll, aber freigesprochen wurde, morgen im Pflegeheim wieder seine Schwester besuchen wird - außerdem müsste sie endlich alles ihrem Ehemann erzählen. „Manchmal ist es schlimmer zu sagen, ich bin vergewaltigt worden, als tatsächlich vergewaltigt zu werden.“ (S. 135) Liv hat viele Zwänge. Einer lässt sie bei jeder Gelegenheit zählen, wie viele Frauen sich in einem Raum befinden - wie viele von ihnen wurden bereits vergewaltigt? Ein anderer zwingt sie in jeder Parfümerie den Duft ihres Peinigers aufzutragen. „In den Umkleidekabinen war einiges los. Die Leute kamen und gingen, die Frauen um mich herum zogen sich um, duschten, schminkten sich, föhnten sich die Haare. Es war gut, dass sie da waren, sie waren auch nackt. Ich zählte nach, wir waren zu acht im Raum. Eine von zehn Frauen in Norwegen wird Opfer einer Vergewaltigung. In diesem Fall war ich diejenige, die in dieser Umkleide die Statistik erfüllte.“ (S. 27/28) Macht ist schwere Kost, ein bedrückendes Buch und ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wer hier Macht über wen hat. Der ganze Schreibstil des Debüts schrie förmlich mit all seiner Wut und Metaphern nach Hilfe! Ein Buch, welches mir unter die Haut ging und lange in Erinnerung bleiben wird, aber bestimmt nicht für jedermann geeignet ist. Sehr lesenswert! 4 / 5 Aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt von Karoline Hippe

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
27. März
Ein Roman, der nachdenklich stimmt und sich auf das innere Leiden nach einem traumatischen Erlebnis fokussiert.
Rating:4

Ein Roman, der nachdenklich stimmt und sich auf das innere Leiden nach einem traumatischen Erlebnis fokussiert.

Die Autorin Heidi Furre führt Dich in die Welt von Liv. Verheiratet, Mutter von zwei Kindern, in Oslo lebend und mit einem scheinbar perfekten Leben. Doch Heidi Furre führt Dich weiter! In die Welt hinter die Fassade von Liv, in ihre Gedanken und diese zeigen so viel mehr von der Protagonistin. Liv gehört zu Einen von Zehn. Einer Person von Zehn, die statistisch gesehen in Norwegen vergewaltigt werden. Die Autorin zeigt auf, wieviel Macht und wieviel Raum das Erlebnis im Leben von Liv einnimmt.. Heidi Furre macht dies in ihrem Schreibstil und der Erzählweise sehr deutlich, denn teilweise wirken die Gedanken der Protagonistin wirr, unlogisch und haben zunächst vermeidlich nichts mit der Vergewaltigung zu tun. Seite um Seite lichtet sich aber die Gedankenwelt und ich musste mir immer wieder vor Augen halten, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt, da Leser*innen so intensiv in die Gedanken und Seele von Liv blicken, die ihren Gemütszustand aufzeigt und in welche Denke Liv fällt. Dieser intensive und besondere Schreibstil von Heidi Furre schafft es mit Liv eine Protagonistin zu schaffen, die die Macht wieder an sich ziehen möchte, der mich allerdings manchmal etwas abgehangen hat. Aber vielleicht genau deshalb, durch diese Besonderheit, kann ich eine Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen. 𝖥𝖠𝖹𝖨𝖳 Ein Roman, der nachdenklich stimmt und sich auf das innere Leiden nach einem traumatischen Erlebnis fokussiert. 4 | 5 Sterne 🌟 ________________________ Liebe Grüße, Jeanette

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
11. März
Wichtig
Rating:3.5

Wichtig

Vorab-Triggerwarnung: In dem Buch wird sexualisierte Gewalt thematisiert, wenngleich nicht explizit beschrieben. Liv lebt mit ihrem Mann Terje und zwei Kindern in einem Haus in Oslo. Wer die Preise in Norwegen kennt, weiß, dass es ihr daher finanziell gut gehen muss. Sie arbeitet als Krankenpflegerin, geht gern und oft shoppen und auch sonst scheint ihr Leben auf den ersten Blick nahezu perfekt zu sein. Doch Liv verschweigt etwas. Vor vielen Jahren wurde sie vergewaltigt. Weder ihr Mann noch die Familie oder Freund*innen wissen davon. Sie weigert sich, sich selbst in der Opferrolle zu sehen und dem Täter auch über die Tat hinaus Macht über ihr Leben und ihren Körper einzuräumen. Dennoch lässt das Erlebte sie nicht los. Als Liv sich vorsichtig öffnet, kann sie sich von der Tat emanzipieren und die Deutungshoheit über ihre Erfahrungen und ihr Leben zurück erobern... "Niemand bleibt nach einer Vergewaltigung liegen. Niemand. Alle stehen auf. Niemand hört danach auf, Mensch zu sein. Ich dusche, schreibe Einkaufszettel, gehe einkaufen, bestelle mir Waren nach Hause, denke an alles andere als an das eine. Ich weigere mich, liegen zu bleiben." S. 88 f. Ich konnte immer nur wenige Seiten lesen und musste diese dann auf mich wirken lassen, denn Heidi Furre beschreibt eindrücklich, wie auch ein einmaliges Erleben sexualisierter Gewalt das Leben der Überlebenden für immer verändert und begleitet. Liv ist eine starke Figur, die uns in die tiefsten Räume ihrer Psyche mitnimmt und so werden wir Zeug*innen davon, wie sich die Machtverhältnisse in ihrem eigenen Körper, in ihren Gedanken im Verlauf des Textes verändern. "Mein ganzes Leben lang habe ich gedacht, ich sei frei und souverän. Bis ich kapierte, dass das nicht stimmt. Dass solche Dinge jedem und jederzeit passieren können. Das ist es, was mich so beschäftigt. Nicht der Vorfall an sich, sondern der Terror seiner Existenz." S. 95. Ein beeindruckender, einfühlsamer Text voller Tiefe, der ganz ohne explizite Gewaltdarstellungen ein Thema in den Mittelpunkt stellt, über das immernoch viel zu häufig geschwiegen wird. Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe. Danke an @dumontbuchverlag für das Rezensionsexemplar.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
11. März
Manchmal muss ein Buch beim Lesen wehtun.
Rating:4

Manchmal muss ein Buch beim Lesen wehtun.

In meinem Feed kam dieses Buch in den letzten Wochen fast täglich vor. Klar, dass ich es auch lesen wollte. Ich wusste, dass es keine „leichte" Lektüre wird. Wie SEHR mich Heide Furre mit »Macht« packen wird, hätte ich jedoch nicht geahnt. Dieses Buch tut weh. Jede Seite schmerzt. Ich musste das Buch häufig beiseitelegen und eine Pause machen. Aber manchmal muss ein Buch beim Lesen wehtun. ⚠️ Bevor ihr zu diesem Buch greift oder weiterlest, schaut bitte, ob ihr euch mit diesem Thema auseinandersetzen wollt und könnt. Ich möchte eine TW für das gesamte Buch aussprechen. [TW: sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung] Die Ich-Erzählerin Liv ist vergewaltigt worden. Doch das weiß kaum jemand. Auch nicht ihre Familie. Von außen wirkt ihr Leben perfekt. Doch in ihrem Inneren führt sich fürchterliche Kämpfe. Auf 173 Seiten beschreibt die Autorin sehr eindringlich, welche Macht die Vergewaltigung über Liv und ihr Leben hat. Und schließlich auch den Willen Livs, sich die Macht über ihr Leben wieder zurückzuholen und endlich ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Obwohl oder gerade weil die Sprache sehr nüchtern und kühl gehalten ist, gelingt es der Autorin, die Gefühlswelt von Liv auf sehr bewegende Weise widerzugeben. Schonungslos und erschütternd. Dadurch rückt nicht die Tat, sondern der Mensch, der diese erlebt hat, in den Mittelpunkt. Die Autorin lässt Liv ihre Geschichte erzählen und gibt damit so vielen Menschen eine Stimme. Ein starker und zugleich aufwühlender Roman. Wir brauchen mehr Bücher wie »Macht«. Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
3. März
Rating:4.5

TW: sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung Macht ist ein wichtiges, schonungsloses, schmerzhaftes, bestärkendes und gleichzeitig sehr aufwühlendes Buch. Die Hauptprotagonistin ist Liv. Wir lernen Liv kennen, als sie ein scheinbar perfektes Leben mit Mitte 30 führt. Sie hat keine Geldsorgen, einen Ehemann, der sie über alles liebt, Kinder, die sie liebt und ein großes Haus. Auch in ihrem Job ist Liv zufrieden. Sie arbeitet als Pflegerin und findet darin ihre Erfüllung. Was also könnte jetzt noch kommen? Tief in Liv arbeitet es. Ein Ereignis, das vor mehr als 15 Jahren stattgefunden hat, belastet sie immer noch. Was sicherlich keine Überraschung ist, denn Liv hat mit den Folgen einer Vergewaltigung zu kämpfen. Ihr perfektes Leben soll den Schein nach außen wahren. Außer ihrer besten Freundin weiß niemand von der Vergewaltigung. Ihre Rolle als Mutter lässt das Geschehene wieder hochkommen. In alltäglichen Situation wird sie immer wieder an die Tat erinnert. Heidi Furre zeigt sehr deutlich auf, welche Auswirkungen eine Vergewaltigung auch Jahrzehnte nach dem Erlebnis im Leben der Person haben kann. Sehr anschaulich, authentisch und ohne große Distanz beschreibt Heidi Furre das Innenleben von Liv und stellt so die Protagonistin und nicht die geschehene Tat in den Vordergrund und verleiht Liv eine Stimme. Der Schreibstil der Autorin regt sehr zum Nachdenken an. Trotz der schweren Thematik geht eine Sogwirkung vom Buch aus und ich habe es an einem Tag gelesen. Gleichzeitig bin ich wütend und traurig, denn jede zehnte Frau kann genau das erleben, was Liv erlebt hat. Für mich war das Buch ein neuer literarischer Zugang zum Themenkomplex der Vergewaltigung. Ein sehr intensives Buch, das den Ton für ein solch wichtiges Thema genau trifft. Klare Leseempfehlung für alle, die sich näher mit der Thematik auseinandersetzen möchten und können.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
24. Feb.
Rating:4

Thematisch wohl eines der wichtigsten Bücher des Frühjahrs, ist es stilistisch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber letztlich nachvollziehbar. Gedankenfetzen und -spiele sowie schnelle Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigen die innere Zerrissenheit der Protagonistin. Insgesamt aber empfehlenswert!

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
19. Feb.
Den Hype nicht wert.
Rating:1

Den Hype nicht wert.

📌 "Ich hatte Angst, durch die Hand eines Mannes zu sterben, und jetzt liege ich hier neben einem anderen. Ich frage mich, ob Männer das wissen - dass Frauen Angst davor haben, übermannt zu werden." (S. 31) Es geht um Liv und das Leben, welches sie führt, nachdem sie in der Vergangenheit vergewaltigt wurde. Sie ist verheiratet, Mutter, geht arbeiten, shoppen, auf Partys - lebt den Alltag, wie ihn viele anderen Frauen auch leben. Die Vergewaltigung verschweigt sie. Weder wurde diese zur Anzeige gebracht, noch weiss ihr Ehemann davon. Lediglich einer Bekannten gegenüber wurde das Ereignis kurz erwähnt und dann wieder totgeschwiegen. Mir wird das ganze Thema leider viel zu banal und trocken/sachlich abgehandelt und ich erkenne leider in dem geschriebenen das traumatische daran nicht. Vermutlich ist das die Absicht der Autorin, den "Schutzwall des Alltags" um die Protagonistin zu weben und sie so nach außen hin mit der Ablenkung vom inneren fertig werden zu lassen. Alkohol und Medikamente tun ihr übriges. Hat mich in dieser Form emotional leider in keinster Weise berührt, sondern gelangweilt. Abbruch.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
17. Feb.
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Rating:4

TW: Vergewaltigung, sexuelle Gewalt „Ich weiß nicht, wo die Gewalt bleibt, wenn sie verübt worden ist. Sickert sie in die Matratze? […] Wenn sie wie Säure ist, ätzt sie sich durch die Matratze, durchs Parkett, in den Waldboden. Dringt in Hirn und Muskeln. Wird hässlich, zieht hässliche Furchen ins Gesicht.“ Liv, ihr Mann, Terje, und ihre beiden Kinder, Rosa und Johannes, leben in Oslo. Sie arbeitet als Pflegerin in einem Altenheim. Von außen scheint es die perfekte Szenerie. Doch im Inneren von Liv brodelt es, unaufhaltsam, leise, dann wieder laut. Vor rund 15 Jahren wurde sie vergewaltigt. Seitdem ist für sie nichts mehr wie es war. Jeder Weg könnte Unheil bringen, jeder Frau könnte es auch geschehen sein. Nachts am Heimweg telefoniert sie immer mit ihrem Mann. Nur ihre Freundin, Frances, weiß Bescheid, nicht ihr Mann Terje. Mit Einzug einer neuen Patientin fängt Liv’s Fass langsam an überzulaufen. Denn mit der Patientin kommt auch deren Bruder, ein bekannter Schauspieler, der vor Jahren wegen Vergewaltigung angeklagt, aber freigesprochen wurde. Und so stülpt sich der innere Orkan langsam nach außen. „Mein ganzes Leben lang habe ich gedacht, ich sei frei und souverän. Bis ich kapierte, dass das nicht so stimmt. Dass solche Dinge jedem und jederzeit passieren können. Das ist es, was mich so beschäftigt. Nicht der Vorfall an sich, sondern der Terror seiner Existenz.“ Heidi Furre hat eine starke Protagonistin geschaffen. Denn auch wenn Liv vergewaltigt wurde, als Opfer sieht sie sich nicht. Empfindet sogar Ekel für Frauen, die in der Opferrolle verharren, sich die Macht über ihr Leben und Tun nehmen lassen. Liv nennt es „den Vorfall“, nicht Vergewaltigung. Mit der Geburt ihrer Kinder bahnte sich der Vorfall wieder in ihre Gedanken. Wie ein Adler kreisen die Gedanken um die Frage, ob sie Schuld hat? Ob sie nicht laut genug „Nein“ sagte? Hätte sie einfach nicht mit dem Typen mitgehen sollen? Was es vielleicht doch „nur nicht ganz einvernehmlich“? „Denkt er darüber nach? Jetzt, in diesem Moment, denkt er darüber nach, was er hätte anders machen können? Kennt er meinen Namen noch? Wie funktioniert das körperliche Gedächtnis bei demjenigen, der vergewaltigt hat?“ Mit leiser, aber schlagkräftiger Power schafft es die Autorin das Innere der Protagonistin zu zeichnen. Wie sie mit dem Vorfall hadert, mit ihrem Tun, wie Überlegungen und Gedanken sich permanent in ihren Alltag, ihr Denken und Handeln schleichen. Wie sie mit der sexuellen Gewalt, die ihr widerfahren ist, umgeht; sich bemüht die Hoheit über ihr Leben zurückgewinnen. Beim Lesen stellte ich mir immer die Frage, wer hier die „Macht“ über wen hat: hat „der Vorfall“ Liv im Griff oder hat Liv das Trauma bei den Eiern? Ihre Verbissenheit nach außen stark zu sein, tat mir im Herzen weh, denn natürlich ist man als Außenstehende oft der Meinung, dass „man darüber reden muss“. Ist es so? Hilft reden wirklich jedem Menschen? Benötigen manche Menschen nicht einfach nur ihren intrinsischen Umgang damit ohne mit reden wieder Wunden aufzureißen? Wenn man über etwas redet bekommt es eine gewisse „Hülle“, eine Art von „Daseinsberechtigung“, ein Ding, um dass man sich „kümmern“ muss. Furre hat ein eindrückliches Buch geschrieben, dass nicht kalt lässt. Die Geschichte ist literarisch genial geschrieben; der Schreibstil absolut passend, zu der eindrücklichen Traurigkeit, die das Thema beinhaltet. Mit einer Kühlheit im Schreibstil ist es kaum möglich eine „Verbindung“ zu Liv aufzubauen und das fand ich hier absolut passend und gewieft. Eine beeindruckende Geschichte über das „Weiterleben nach einer Gewalterfahrung“, die schwer verdaulich, dennoch extrem wichtig ist! #leseempfehlung

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
17. Feb.
Rating:5

Ein heftiges, schweres Thema, in tolle Worte verpackt!

„Die Leidtragende bin ich. Mir ist jemand zu nahe getreten. Ich denke an diejenigen, die eine neue Niere von jemandem aus der Familie bekommen. Frage mich, ob es für meinen Fall eine ähnliche Lösung gibt.“ (Seite 81) Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich so tief in die Gedanken der Hauptperson, hier in „Macht“ ist es Liv, hineinblicken lässt. Livs Leben erscheint von außen betrachtet eigentlich perfekt zu sein. Doch der Schein des glücklichen Lebens mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern trügt. Denn Liv ist vor Jahren vergewaltigt worden. Und sie versucht immer noch mit viel Kampfgeist und großer Stärke mit allen Mitteln, sich die Macht über ihr Leben zurückzuerobern. Ihre Familie ahnt nichts von Livs Schicksalsschlag. Einzig ihre Freundin Frances ist im Bilde und bietet ihr starke Unterstützung. „Betäubung, das habe ich getan. Ausweichen, das tue ich. Rache, mit dem Gedanken habe ich gespielt. Aushalten, das muss ich.“ (Seite 164) Diese Stelle schildert für mich sehr genau, was Liv alles versucht, um ihre Selbstbestimmtheit zurück zu bekommen. „Macht“ (aus dem Norwegischen übersetzt von Karoline Hippe) muss man auch als Lesende aushalten können. Und das ist gar nicht so einfach. Es ist eines dieser besonderen Bücher, die lange nachhallen. Die uns lange beschäftigen. Mich zumindest. Ich habe es angespannt und zugleich atemlos verschlungen. Ein wichtiges, sehr packende Buch von Heidi Furre - einer Autorin, von der ich gern noch mehr lesen möchte. Denn sie hat in der Tat einen ganz besonderen Schreibstil.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
15. Feb.
Keine einfache Lektüre, aber eine, die es wert ist, gelesen zu werden!
Rating:4.5

Keine einfache Lektüre, aber eine, die es wert ist, gelesen zu werden!

Liv lebt augenscheinlich ein perfektes Leben: Ein Job, der ihr Erfüllung bringt, ein liebender Ehemann, ein schönes Haus, zwei wunderbare Kinder. Nach außen hin ist alles an ihr perfekt: Ihr Körper, ihre Kleidung, ihre Haut. Sie investiert viel Zeit und Geld in ihr Aussehen, das doch nur Fassade ist, um die schmerzliche Realität vor sich und der Welt zu verbergen: Vor 15 Jahren wurde Liv vergewaltigt. Seitdem kämpft sie damit, zu vergessen. Will nicht erneut gefangen sein in einer Opferrolle. Und was bedeutet es schon, dass sie vergewaltigt wurde? Sie ist jede 10. Frau, nur eine unter vielen. Doch als eine neue Patientin, und mit ihr deren Bruder, der einst wegen Vergewaltigung anklagt wurde, ins Pflegeheim kommt, gerät ihr fragiles Konstrukt ins Wanken. Sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen, um die Macht über sich selbst wiederzuerlangen. »Macht« war keine leichte Lektüre, aber eine, die gelesen werden sollte, wer sich dafür gewappnet fühlt. Im Zentrum von Livs Geschichte steht nicht die Vergewaltigung, sondern das Leben, das danach kommt – so nüchtern und distanziert erzählt, dass es unter die Haut geht. Es ist eine Geschichte von Gegensätzen: Liebe und Hass. Vergebung und Rache. Sex und Gewalt. Macht und Kontrollverlust. Weiterleben und Stehenbleiben. Verdrängung und Aufarbeitung. Ende und Anfang. Eine Geschichte, stellvertretend für so viele, der Wunsch, wenn schon nie wieder heil, dann zumindest in Ordnung zu sein. Und es ist ein »Du bist nicht allein.« – sei es als Überlebende*r einer Vergewaltigung oder als jemand, der Angst hat. Davor, nachts alleine durch leere, dunkle Straßen zu laufen. Davor, nach Hause zu kommen. Davor, machtlos zu sein.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
14. Feb.
Ich bin zutiefst bewegt!
Rating:4.5

Ich bin zutiefst bewegt!

Macht 🖤 🅆🄴🅁🄱🅄🄽🄶 | 🄳🄸🄶🄸🅃🄰🄻🄴🅂 🅁🄴🅉🄴🄽🅂🄸🄾🄽🅂🄴🅇🄴🄼🄿🄻🄰🅁 Habt ihr einen eigenen Blog? Wo veröffentlicht ihr eure Rezensionen noch? 🖤 Zu diesem Buch habe ich tatsächlich einen sehr langen Text geschrieben, daher verweise ich an dieser Stelle auch mal auf meinen Blog und auf Lovelybooks! Die Instagram-Kurzfassung nun hier, der Klappentext und ein paar tolle Zitate in den Kommentaren: Mit den ungefilterten Einblicken in das Seelenleben und die Gedanken der Protagonistin hat Heidi Furre und von Anfang an überzeugt. Manchmal wirken die Gedankengänge fast objektiv und sehr kontrolliert – aber genau das ist es, was Livs Leben ausmacht. Denn ohne diese Kontrolle, dieses Zurückhalten der Gedanken und Gefühle, könnte sie wahrscheinlich nicht existieren. Sie weigert sich verbissen, wie ein klassisches Opfer zu sein, aber geheilt ist sie dadurch noch lange nicht! Dass eine Vergewaltigung ein komplettes Leben - das gesamte Verhalten, sämtliche Gedanken – zerstört, ist hier authentisch dargestellt. 🖤 Dieses Buch ist mit unter 200 Seiten gar nicht mal so umfangreich, doch jede Seite und jeder Satz sitzt. Heidi Furre beweist, dass sie schreiben kann und bewegt mit dem Thema ihres Romans zutiefst.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag
12. Feb.
Rating:4.5

Ein Buch, das auch Männer unbedingt lesen sollten!

Langsam und mit präziser Sprache werden wir hineingezogen in das Trauma der Ich-Erzählerin Liv, eine Frau, die mitten im Leben steht, einen einigermaßen erfüllenden Job, einen liebevollen Mann und zwei Kinder hat. Aber eine Gewalterfahrung von früher lässt sich nicht abschütteln. Sehr gekonnt rückt Heidi Furre das „Opfer“ in den Fokus. Aber ist Liv wirklich nur Opfer? Der Roman ist nicht schwarz-weiß, stellt Fragen an seine Leser*innen und beleuchtet Macht zwischen Mann und Frau vielschichtig. Immer wieder verweist die Geschichte auf Zustände, unter denen die meisten Frauen leben müssen, z. B. die Unfreiheit, der wir durch potenzielle männliche Gewalt im öffentlichen Raum ausgesetzt sind. Clever werden einzelne Aspekte nicht durch Liv selbst, sondern durch Erzählungen über ihre Patientinnen verhandelt. Ein sehr gelungenes und vor allem wichtiges Buch! Ein Dank geht an die Übersetzerin Karoline Hippe. Wer selbst Missbrauchserfahrungen hat, könnte getriggert werden.

Macht
Machtby Heidi FurreDuMont Buchverlag