
Leider gar nicht mal so interessant
Sie treffen sich in einem künstlerisch-kreativen Sommercamp und diese magische Zeit wird ihr ganzes Leben prägen - die Gruppe junger Leute, die sich den Namen ‚Die Interessanten‘ gibt … Manchmal ist Nomen nicht Omen - so wie im Fall der ‚Interessanten‘ die leider knapp 600 Seiten gähnende Langeweile sind. Eigentlich kann man die Handlung in einem Satz zusammenfassen: Menschen mit Kulturbetriebshintergrund kreisen um sich selbst. Dabei finden sich alle vier Freunde, um die es schließlich hauptsächlich geht, unglaublich außergewöhnlich und besonders, sind aber eigentlich nur privilegiert und selbstbezogen. Zwar hinterfragt die Autorin ihr Konzept des ‚Interessantseins‘ durchaus theoretisch - also Talent, Privileg, Selbstbild usw. - allerdings ohne jegliche Schärfe und ohne dabei in die Tiefe zu gehen und mit zu großer emotionaler Distanz. Dadurch kommen einem die Protagonisten kaum nahe; mir fiel es schwer, für irgendeinen von ihnen Empathie oder gar Sympathie aufzubringen. Da überrascht es dann auch nicht, dass mich selten der Tod eines Protagonisten so kalt gelassen hat wie in diesem Roman. Besonders Jules ist mit ihrer kleingeistigen, neidvollen und durch und durch mittelmäßigen Existenz eine echte Geduldsprobe. Bezeichnend für sie, wie sie sich absolut opportunistisch in der Sache der (vermeintlichen) Vergewaltigung verhält oder wie sie auf ihre Herkunftsfamilie herabsieht, nachdem sie zum ersten Mal im Sommercamp war. Beides symptomatisch für ihr Verhalten, das sich wie ein Hauptthema durch ihr Leben zieht: das Anbiedern an das reiche Milieu ihrer Freundin. Hin und wieder gibt es schon den ein oder anderen guten Gedanken, einen Dialog voll Esprit oder ein kurzes Anziehen des Erzähltempos; aber im Grunde unterstreichen diese seltenen Sequenzen nur die gähnende Inhaltsleere der Seiten dazwischen. Ich bin ehrlich - wenn ich diesen Monat nicht schon ein Buch abgebrochen gehabt hätte, hätten die ‚Interessanten‘ bei mir das Ende nicht erlebt …




