Ein Psychiater (üb)erlebt das KZ
… trotzdem Ja zum Leben sagen ist kein Buch, das man „einfach so nebenbei“ liest/hört. Sprachlich ist es anspruchsvoll und setzt sowohl geschichtliches Grundwissen als auch ein gewisses Verständnis psychologischer Begriffe voraus. Gerade für mich als geschichtsinteressierte Psychologiestudentin war es deshalb jedoch unglaublich faszinierend. Viktor Frankl schildert seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern nicht dramatisierend oder emotional ausschlachtend, sondern bemerkenswert sachlich und nüchtern - was das Erzählte umso eindringlicher macht. Die schlimmsten Zustände und grausamsten Erlebnisse werden teilweise fast beiläufig erwähnt – was gut zu der beschriebenen Apathie und dem psychischen Überlebensmodus passt. Spannend fand ich den Fokus auf das seelische Überleben. Das Buch ist nicht nur ein Zeugnis körperlicher Grausamkeit, sondern vor allem eine präzise Analyse dessen, was Menschen unter extremsten Bedingungen innerlich trägt oder zerbrechen lässt. Immer wieder geht es um Sinnfindung im Leiden, um Hoffnung, um psychologische Mechanismen und um die Frage, was den Menschen selbst unter unmenschlichsten Bedingungen noch ausmacht. Dabei vermeidet Frankl pauschale moralische Urteile. Vielmehr beobachtet und analysiert er – stellenweise fast medizinisch oder psychologisch distanziert –, was das Buch gleichzeitig sehr besonders macht. Man merkt dem Werk allerdings auch deutlich sein Alter an. Der Sprachstil (seit 1946 wohl unverändert) wirkt heute teilweise sperrig und ungewohnt, was das Buch nicht immer leicht zugänglich macht. Trotzdem hat mich das Hörbuch nachhaltig beschäftigt und ich habe bis zu dieser Bewertung einige Tage darüber nachgedacht. Obwohl ich bereits viel über die NS-Zeit gelesen und gesehen habe, konnte mir Frankls Perspektive noch einmal etwas völlig Neues vermitteln: nicht nur historisch, sondern auch psychologisch und philosophisch. Insgesamt ein wichtiges, kluges und eindringliches Werk, das weniger emotional überwältigt als vielmehr zum Nachdenken zwingt.













































