Interessante Idee mit ganz eigener Umsetzung
**** Mein Eindruck **** Die Grundidee hat mich sofort angesprochen. Ich finde generationsübergreifende Geschichten oft besonders aufschlussreich, vielseitig und berührend – und all das war hier definitiv vorhanden. Wir lernen den Enkel aus der Perspektive der Ich-Erzählerin kennen – seiner Großmutter, die zunächst kaum etwas über seinen Sport oder sein Leben weiß. Eine Konstellation, die vermutlich vielen bekannt vorkommt – und genau darin liegt die Stärke des Buches: Es beleuchtet eine literarische Nische, die bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Was passiert, wenn ich mein Leben bewusst verändere, um meinem Enkel näherzukommen? Was lerne ich über ihn – und über mich selbst? Die Protagonistin sitzt am Spielfeldrand und schreibt. Ihre Gedanken und Eindrücke – oft aus alltäglichen, unspektakulären Momenten – ergeben ein literarisches Tagebuch, das viel Raum für Reflexion lässt. So gelungen ich Idee und Ansätze fand, so sehr fehlte mir leider ein erzählerischer Sog. Ich habe zwar stellenweise geschmunzelt und einige Gedanken als sehr treffend empfunden, doch insgesamt wirkte das Buch auf mich etwas blass. Das ist schade, denn das Potenzial ist zweifellos da – ebenso wie die relevanten, fein beobachteten Botschaften. **** Empfehlung **** Ein ruhiges, nachdenkliches Buch für Leser*innen, die keine klassische Handlung brauchen, sondern sich auf beobachtende, tagebuchartige Literatur mit leisen Tönen einlassen wollen. Wer sich für zwischenmenschliche Beziehungen, Großeltern-Enkel-Dynamiken und Reflexion im Kleinen interessiert, wird hier fündig – auch ohne große Dramatik.
