
Atmosphärisch gut & erzähltechnisch erfrischend anders, aber leider nicht konsequent zu Ende gebracht.
🇯🇵🔪🩸 Als bekennender Fan japanischer Literatur und abstruser Horrorgeschichten kam ich um diesen (in meinem Umfeld teilweise hoch gelobten) Titel natürlich nicht herum. Gefallen hat mir der typisch nüchterne Schreibstil, welcher wunderbar zur beklemmenden und düsteren Atmosphäre passt, die der Roman über weite Strecken aufrecht erhält. Gegen Ende driftet die Geschichte beinahe schon ins Absurde ab, was jedoch gut zum Setting passte. Nur kam mir der angepriesene Mystery-Aspekt leider irgendwann völlig abhanden. Das im Klappentext dieser schönen Ausgabe als „Sketch-Mystery“ bezeichnete Konzept der Verschränkung von Text mit Skizzen war für mich eine komplett neue und spannende Erfahrung. Die besondere Aufmachung der Geschichte regt zum Knobeln und Miträtseln an. Es ist erstaunlich (wenn auch nicht immer zu 100% logisch nachvollziehbar), wie geschickt die Protagonisten des Romans durch die Analyse einfacher Grundrisse von Wohnhäusern Rückschlüsse über die Nutzung einzelner Räume ziehen und Hypothesen zu den Gewohnheiten der Bewohner aufstellen können, um so deren mysteriösen und bösen(?) Machenschaften auf die Schliche zu kommen. Aber liegen Sie mit ihren meist schlüssig klingenden (manchmal aber auch an den Haaren herbei gezogenen) Vermutungen überhaupt richtig, oder ist am Ende doch alles ganz anders? Anhand der regelmäßig abgebildeten Skizzen verschiedener Grundrisse (die sich mit Voranschreiten der Geschichte und dem wachsenden Erkenntnisgewinn der Figuren verändern und weiterentwickeln) kann man als Leser seine eigene detektivische Kombinationsgabe einsetzen und versuchen, der Wahrheit selber auf den Grund zu gehen. Ein interessanter Ansatz, den ich gerne bis zur endgültigen Auflösung durchgezogen gesehen hätte. Doch leider enden die (zwar manchmal etwas repetitiven und gegen Ende weniger einfallsreichen) Knobeleien der beiden Protagonisten zu Gunsten plumper und plötzlicher Exposition, welche uns die tatsächlichen Ereignisse einfach offenbart. So erschienen mir die „Twists“ am Ende noch absurder und unnatürlicher, als wenn sich die Hauptfiguren die Wahrheit nach und nach selbst erarbeitet hätten. Fazit: Eine Empfehlung für Alle, die einmal ein völlig anderes Leseerlebnis im Bereich Kriminalroman erfahren wollen. Jedoch mit einer etwas enttäuschenden (weil viel zu gewöhnlichen) Auflösung.




































































