
Lauter kleine Lügen von Kate Kemp ⭐️⭐️⭐️⭐️ Australien, 1979. Ein toter Nachbar. Eine ganze Straße voller Geheimnisse. Und mittendrin: wir als Lesende – mit dem leicht schlechten Gewissen von Voyeur:innen. 👀 Ich muss ehrlich sein: Der Einstieg hat mich etwas Überwindung gekostet. Die vielen Charaktere haben mich anfangs ganz schön auf Trab gehalten – bei so manchem Namen musste ich kurz zurückblättern und überlegen, wer das nochmal war. Aber wer dranbleibt, wird belohnt. Denn was Kate Kemp hier aufbaut, ist faszinierend: Winzige Geheimnisse, die sich still und leise aneinanderreihen, bis sie sich zu einer einzigen großen Lüge aufgetürmt haben. Und gleichzeitig dieses erschreckend realistische Porträt davon, was Misstrauen und Vorurteile in einer Gemeinschaft anrichten können – wie schnell aus Nachbarn Fremde werden, aus Gerüchten Überzeugungen. Man beobachtet, lauscht, schaut durch Schlüssellöcher – und ertappt sich selbst dabei, wie man immer tiefer in die Leben dieser Menschen eindringt. Leicht unwohl, aber unfähig aufzuhören. Genau so fühlt sich gutes Lesen manchmal an. Ein Debütroman, der unter die Haut geht. 🏡🔍







