Must Read! Absolute Pflichtlektüre!
WHY WE MATTER – Das Ende der Unterdrückung Autorin: Emilia Roig Verlag: Aufbau Seitenzahl: 397 ET der gebundenen Ausgabe: 15.02.2021 Worum geht´s? Emilia Roig möchte mit ihrem Buch Unterdrückung sichtbar machen und „die Tür zur Vielseitigkeit unserer Existenz öffnen“. Dazu hinterfragt sie zunächst, was eigentlich als Normalität verstanden wird und wie man sie dekonstruieren kann. Dann widmet sie sich exemplarisch in jedem Kapitel jeweils einem Lebensbereich, in dem strukturelle rassistische Unterdrückung besonders sichtbar wird. Diese sind: das eigene Zuhause, unser Bildungssystem, die Medien, die Exekutive, Arbeit, das Gesundheitssystem, die Straße und der Körper von Frauen. Zum Schluss gibt sie eine Idee davon, wie Unterdrückung überwunden werden könnte. Sie gibt eine Definition des Patriarchats und erklärt, wie strukturelle Diskriminierung funktioniert. Dabei verwendet sie einen konsequent intersektionalen Ansatz, denn alle Formen von Diskriminierung und Ungleichheit verstärken sich gegenseitig und müssen gemeinsam bekämpft werden. Sie gibt dabei sehr viel von sich selbst preis und erzählt beispielhaft von ihren eigenen Erfahrungen in den o.g. Kategorien. So kann es auch in einer Familie von Schwarzen durchaus Rassismus geben, ebenso wie Sexismus oder Querfeindlichkeit. Wie war´s? Dieses Buch ist zu Recht für sehr viele privilegierte Menschen wie mich ein Eye-Opener, Aufklärung und Hilfestellung, ein Nachschlagewerk, eine Einladung und ein faszinierendes Plädoyer für mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Dabei schreibt Emilia Roig nicht nur gut lesbar, sondern spannend und gleichzeitig sehr versöhnlich. Sie benennt Unrecht, aber klagt nicht an. Roig erzählt autobiografisch und untermauert die Erfahrungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse und belegbare Zahlen, Quellen und Fakten. Sie entlarvt unsere eindimensionale Sicht auf die Realität im Allgemeinen und macht an speziellen Beispielen die Komplexität der Probleme sichtbar, u.a. Sexarbeit, White Privilege oder die Norm „Gesund“. Fazit: „Die Frage ist: Bist du bereit, die Welt aus einer Perspektive zu sehen, die nicht die deine ist? Bist du bereit, wirkliche Empathie für Menschen zu empfinden, die als minderwertiger als du konstruiert wurden?“ Wenn du diese Frage mit Ja beantworten kannst, dann ist dieses Buch wie eine Kür. Wenn du dich nicht mit deinen Privilegien auseinandersetzen möchtest und am liebsten hättest, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist dieses Buch Pflichtlektüre. Ich habe es inzwischen bereits dreimal gelesen und lerne immer noch hinzu. Als weiße heterosexuelle Cis-Frau aus der Mittelschicht erlebe ich Unterdrückung nur auf einer Achse – Sexismus. Und ich stehe noch immer ganz am Anfang meiner Reise, dem Prozess, unser kapitalistisches, koloniales und patriarchales Gedanken- und Wertesystem zu verlernen. Und mir fehlt immer noch die Vorstellungskraft für eine postkapitalistische Welt ohne Hierarchien. Doch die Tatsache, dass „Schweigen Gewalt ist“, lässt mich nicht mehr los und ich möchte lernen, Unbequemlichkeit auszuhalten, Fragilität zu überwinden und mein Ego zu dezentrieren.



































