
Wenn virtuelle Welten plötzlich echte Gänsehaut machen
Virtuelle Welten, echte Gefahr und mittendrin Jana Pasco, die eigentlich nur ihren Job machen will. Klingt erstmal nach Science Fiction mit hübschen Bildern, aber zack, plötzlich sitzt man da mit seiner Tochter auf dem Sofa, einer liest links, der andere rechts, und keiner will das Buch aus der Hand geben. Cryptos als Graphic Novel hat bei uns direkt diesen Buddyread Effekt ausgelöst. Erst blättert man noch gemütlich rein, dann kommt Kerrybrook, dann der Mord, und meine Tochter schaut mich nur an und sagt: „Okay, das ist jetzt aber nicht mehr harmlos.“ Genau mein Gedanke. Diese Mischung aus digitaler Traumwelt und eiskalter Realität trifft richtig gut. Besonders stark sind die verschiedenen Welten. Jede fühlt sich anders an, nicht nur wegen der Farben, sondern auch wegen der Stimmung. Mal denkt man: Boah, da würde ich kurz Urlaub machen. Zwei Seiten später denkt man: Nee, danke, ich bleibe lieber mit Kaffee auf dem Sofa. Timo Grubing gibt jeder Realität einen eigenen Puls, und das hilft enorm, weil die Geschichte sonst schnell ziemlich komplex werden könnte. Jana mochte ich sehr. Keine Superheldin mit Glitzerumhang, sondern eine, die Stück für Stück begreift, dass Wegschauen keine Option mehr ist. Beim Lesen haben wir öfter gestoppt und diskutiert, besonders bei den Themen Kontrolle, Technik und Ungerechtigkeit. Meine Tochter meinte irgendwann: „Eigentlich gruselig, weil es gar nicht so unrealistisch wirkt.“ Genau das macht Cryptos so stark. Für mich ist diese Graphic Novel spannend, modern, düster und trotzdem total zugänglich. Ein paar Übergänge gehen durch die Kürze etwas flott, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Als Buddyread war es ein richtig cooles gemeinsames Leseerlebnis mit Gesprächsstoff, Staunen und diesem typischen „Nur noch ein Kapitel“ Gefühl, obwohl es hier eher „nur noch ein paar Seiten“ war.








