28. Sept.
Rating:4

Zwei Zwillingsschwestern, die sich auseinander gelebt haben, treffen sich im Haus ihrer verstorbenen Großmutter, weil sie über den Verkauf des Hauses sprechen möchten. Als die beiden einen Auflug in den Wald unternehmen, geraten sie in ein Unwetter und landen in einem seltsam zeitentrückten Dorf. Bald verblasst die Erinnerung der beiden an die Welt draußen. Was geht in dem Dorf vor sich? Wer ist die mysteriöse Frau mit den roten Haaren, die nicht sprechen kann? Und welche Rolle spielen die Raben, die sich immer im Umkreis des Dorfes aufhalten? Dieser fantastische Roman von Simone Keil hat mir besonders im ersten Teil gut gefallen. Verwunschene, geheimnisvolle Dörfer, das ist etwas für mich. Schwieriger wurde es, als die Handlung begann, sich in verschiedene Stränge, Zeitebenen und Orte aufzuteilen. Die Zeit ist nichts Geradliniges mehr und durch Risse in der Welt gelangt die Ich-Erzählerin Catrin an verschiedene Orte in verschiedenen Zeiten und trifft auf die merkwürdigsten Figuren. Manchmal ist der Ort, an den sie gelangt, auch einem ihr bekannten Ort ähnlich, aber immer doch etwas anders und ungewöhnlich. Hier möchte ich vor allem den bildhaften und sprachlich gefälligen Stil der Autorin hervorheben. Die Bilder und Szenen, die sie entwirft, werden dabei immer skurriler, ich wage zu behaupten, dass ich an expressionistische Werke erinnert wurde. Allerdings hatte ich doch Probleme, dem immer zu folgen. Ich konnte die verschiedenen Zeitebenen und Zusammenhänge nicht entwirren. Für mich bleiben viele Fragen offen, für die ich keine Antwort gefunden habe, vor allem, wie das Ende zustande kommt, kann ich mir nicht erklären. Daher habe ich leider ein bisschen den Eindruck, das Buch nicht ganz verstanden zu haben, weshalb es mir auch schwerfällt, eine Sternebewertung abzugeben. Das Buch ist jedoch unbedingt etwas für Freunde fantastischer Literatur mit einer Tendenz zum Grotesken.

Corvidæ
Corvidæby Simone Keilneobooks