4. Mai
Amüsanter Klassiker
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Amüsanter Klassiker

Fjodor Dostojewskis Roman "Der Spieler" trägt gleich in zweierlei Hinsicht autobiografische Züge. Einerseits war Dostojewski selbst ein Spieler und wie auch sein Hauptprotagonist Aleksej Iwanowitsch hatte er eine unglückliche Liebe. Das Ganze spielt in der fiktiven Stadt Roulettenburg. Der General ist hochverschuldet und die einzige Chance seine Schulden bei dem Franzosen de Grieux zurückzuzahlen besteht in einer Erbschaft. Zudem ist der General der jungen Mademoiselle Blanche verfallen, doch diese wird ihn nicht ehelichen, solange er nicht ausreichende Geldmittel zur Verfügung hat. Und so wartet er ungeduldig auf das Dahinscheiden der steinreichen Erbtante. Indes ist sein Hauslehrer Aleksej Iwanowitsch unsterblich in des Generals Stieftochter Polina verliebt. Doch diese, sich seiner Gefühle durchaus im Klaren, nutzt ihn nur aus und verspottet ihn obendrein. Doch nicht nur Aleksej buhlt um Polinas Gunst, auch der Franzose bekundet Interesse an ihr - wird sie jedoch nicht ehelichen solange der General bei ihm so tief in der Kreide steht. Das von allen erhoffte Telegramm, welches den Tod der Erbtante übermitteln sollte, kommt jedoch Tag um Tag nicht. Die Ungeduld von allen Beteiligten wächst. Umso erstaunter ist man, als die Matriarchin putzmunter in Roulettenburg auftaucht. Und die Gute nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie lässt jeden der Anwesenden wissen, was sie von ihm hält - und das ist nicht viel. Als sie dann auch noch Gefallen am Roulette findet, sieht der General allmählich sein Erbe dahinschwinden ... Die ganze Geschichte wird aus Sicht von Aleksej erzählt. Die Tante umgibt sich gerne mit ihm und geht mit Aleksej auch ins Casino. Wir erleben im Laufe der Geschichte, wie Aleksejs Verliebtheit in Polina, allmählich seiner Spielsucht weicht. Schon in "Die Brüder Karamasov" war ich begeistert von Dostojewskis Charakterstudien und auch in "Der Spieler" finde ich die Ausarbeitung der Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen überaus gelungen. Am liebsten mochte ich tatsächlich die Erbtante, die war ganz nach meinem Geschmack. Meine einzige Kritik gilt der Übersetzung, die ich doch oft als holprig empfand - manche Sätze wirkten auf mich auch unvollständig. Wenn jemand eine gute neuere Übersetzung kennt, gebt mir gerne Bescheid. Insgesamt hat mir auch dieser Dostojewski wieder gut gefallen. Er ist teilweise komisch bis grotesk, hat aber auch einige ernste Züge. Übersetzt aus dem Russischen von Hermann Röhl.

Dostojewski – Der Spieler
Dostojewski – Der Spielerby Fjodor M. DostojewskiAnaconda Verlag