
Gemeinsam gelingt Soledad Romero Mariño und der Illustratorin Mariona Cabassa mit „Das wundersame Buch über den Tod“ ein bemerkenswertes Kunststück: Ein Thema, das oft verdrängt, gefürchtet oder tabuisiert wird, wird hier in eine Einladung zum Staunen verwandelt. Das Buch bewegt sich geschickt zwischen Wissensvermittlung und poetischer Reflexion. In kurzen, prägnanten Texten nähert es sich dem Tod aus unterschiedlichen Perspektiven – biologisch, philosophisch und kulturell. Dabei bleibt der Ton stets ruhig, sensibel und respektvoll. Besonders gelungen ist, dass der Tod nicht als isoliertes Ereignis dargestellt wird, sondern als Teil eines größeren natürlichen Zusammenhangs: als Übergang, als Veränderung, als Element eines universellen Kreislaufs. Die Autorin schafft es, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Gleichzeitig regen eingestreute Zitate und Denkanstöße dazu an, über das Gelesene hinaus weiterzudenken. Das Buch gibt keine endgültigen Antworten – und genau darin liegt seine Stärke. Inhaltlich gliedert sich das Werk in zwei große Bereiche. Zunächst wird der Tod aus naturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet: Pflanzen, Tiere, ökologische Kreisläufe und sogar das Sterben von Sternen werden einbezogen. Diese Erweiterung über den menschlichen Horizont hinaus ist besonders gelungen, da sie den Tod entindividualisiert und als universelles Prinzip begreifbar macht. Im zweiten Teil richtet sich der Fokus auf den Menschen: Rituale, religiöse Vorstellungen und kulturelle Umgangsweisen mit dem Tod werden in ihrer Vielfalt dargestellt. Von Mumifizierung im alten Ägypten bis hin zu modernen Konzepten wie Kryonik entsteht ein Panorama menschlicher Versuche, mit Vergänglichkeit umzugehen. Diese Vielfalt wirkt weder belehrend noch überladen, sondern öffnet den Blick für unterschiedliche Denkweisen. Ein zentrales Element des Buches sind die farbenprächtigen Illustrationen von Mariona Cabassa. Sie stehen in bewusstem Kontrast zum Thema und entfalten gerade dadurch ihre Wirkung: Statt düster oder abschreckend zu sein, wirken sie lebendig, detailreich und tröstlich. Oft laden sie dazu ein, länger zu verweilen und eigene Entdeckungen zu machen. Die Bildsprache unterstützt die Texte, ohne sie zu illustrieren im klassischen Sinne – sie ergänzt und erweitert sie. Offiziell als Kindersachbuch ausgewiesen, richtet sich das Werk zwar auch an jüngere Leser*innen, doch sein Anspruch geht darüber hinaus. Die dichte Informationsfülle und die teilweise anspruchsvolle Sprache machen es besonders für ältere Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene interessant. Tatsächlich ist es weniger ein Buch für Kinder über den Tod als vielmehr ein Buch für alle, die bereit sind, sich diesem Thema offen zu nähern. „Das wundersame Buch über den Tod“ ist ein außergewöhnliches Sachbuch, das Wissen, Ästhetik und philosophische Tiefe verbindet. Es enttabuisiert den Tod, ohne ihn zu entzaubern, und schafft es, aus einem oft angstbesetzten Thema eine Quelle von Neugier und Erkenntnis zu machen. Vielleicht ist der treffendste Gedanke am Ende tatsächlich: Dieses Buch handelt nicht nur vom Tod – sondern ebenso vom Leben. Aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen und erzählerisch bearbeitet von Melanie Laibl.





