31. März
Rating:3.5

Reise ins Wuppertal und in eine Kindheit der 1950er Jahre aus Sicht des kleinen Josef. 🚟

Josef und seine Eltern ziehen in der Nachkriegszeit der 1950er Jahre von Köln nach Wuppertal, um Josef einen schulischen Neuanfang zu ermöglichen. Denn Josef ist besonders. Er hat ein außergewöhnlich musikalisches Talent und ein gutes musikalisches Gedächtnis. Er hört Melodien in alltäglichen Dingen und spielt seit frühester Kindheit virtuos Klavier. Außerdem klingt ein unausgesprochener Autismus mit, der sich in seinem Verhalten und seinen Gedankengängen zeigt. Diese Besonderheiten lassen ihn zur Zielscheibe von Hohn und Spott der Mitschüler werden. In Wuppertal hofft die Familie auf einen Neuanfang und Josef soll versuchen, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, damit erneute Repressalien vermieden werden. Er knüpft schnell Freundschaft zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft, die ihn akzeptiert wie er ist und die zu ihm hält. Die Geschichte wird aus Josefs Sicht erzählt und ich fand seine manchmal kindlich naiven aber dennoch nicht unintelligenten Gedanken des Jungen ganz interessant und berührend. Außerdem ist der liebevolle Zusammenhalt der Familie und die tiefe Freundschaft zwischen ihm und dem Mädchen namens Mücke beim Lesen deutlich zu spüren. Ich mochte auch den Wuppertaler Lokalkolorit, den der Autor in die Geschichte gewebt hat. Vor allem deshalb, weil ich Wuppertal gut kenne. "Schwebebahnen" ist ein ruhiges, unaufgeregtes Buch mit einem poetischen aber sehr kryptischen Ende, das mich ratlos und verwirrt zurückgelassen hat. Trotzdem empfehle ich es weiter, da das Buch insgesamt lesenswert war.

Schwebebahnen
Schwebebahnenby Hanns-Josef OrtheilLuchterhand
11. März
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Rating:3.5

Schwebebahnen von Hanns‑Josef Ortheil ist eine szenenhafte Beschreibung der Erlebnisse eines Jungen, der vermutlich nicht nur zufällige Ähnlichkeiten mit seinem Autor aufweist. Aufwühlende Erfahrungen, familiäre Traumata und die Geschichte der Eltern bilden den Hintergrund dieses Romans. Einem besonderen Teil seiner Lebensgeschichte widmet Ortheil den prägenden Erinnerungen an den Umzug der Familie von Köln nach Wuppertal mitte der 1950er Jahre. Der Zweite Weltkrieg liegt erst wenige Jahre zurück. Nach traumatischen Verlusten der Eltern – vier seiner Geschwister sind gestorben – bedeutet der Umzug einen weiteren Einschnitt. Auch der kleine Josef blickt voller Angst und Unsicherheit auf seine Umwelt. Josef ist ein besonderes Kind: in sich gekehrt, oft isoliert, in manchen Interessen hoch konzentriert, in anderen Bereichen der Schule kaum erreichbar. Einige Erwachsene erkennen jedoch sein Potenzial – ein Geistlicher, ein Sport-, ein Musik- und ein Sachkundelehrer fördern ihn. Auch „Mücke“, ein Jahr älter und seine einzige Freundin außerhalb der Familie, findet einen Zugang zu ihm. Unausgesprochen steht dabei ein Thema im Raum, das aus heutiger Perspektive an Autismus erinnert. Die Mutter versucht, ihren Sohn vor der Welt zu schützen, nachdem er in Köln von anderen Kindern grausam gemobbt wurde und nun die erste Klasse wiederholen muss. Überraschend ist die sehr verträumte Schreibweise Ortheils. Der Autor, der auch als Lyriker stark auf Klang und Rhythmus achtet, bevorzugt nach eigener Aussage „weiche“ Buchstaben und meidet möglichst Umlaute wie Ä, Ö oder Ü. Das wirkt zunächst ungewohnt, passt aber zur Atmosphäre des Romans. So liest sich Schwebebahnen wie der Weg des kleinen Josef durch die Grundschule: behütet, fast in Watte gepackt, traumwandlerisch – irgendwo zwischen Isolation, Bewunderung und der stillen Freude an den Dingen, die einem wirklich etwas bedeuten.

Schwebebahnen
Schwebebahnenby Hanns-Josef OrtheilLuchterhand
29. Jan.
Rating:5

Ach, was für ein schönes Buch. Der Klappen-/Umschlagtext formuliert es schön und treffend. Erzählt wird die Geschichte des Jungen mit dem Namen Josef im Nachkriegsdeutschland der späten 50er Jahre, der seine eigenen, von Musik getragenen Fantasiewelten entdeckt. Berührend ist seine Freundschaft mit seiner Freundin Rosa, genannt Mücke. Sehr entspannt zu lesen, mit vielen kleinen Feinheiten, die auch zum Nachdenken anregen.

Schwebebahnen
Schwebebahnenby Hanns-Josef OrtheilLuchterhand
16. Nov.
Rating:4

Stark angefangen, Ende war etwas irritierend

In dem Buch geht es um Josef. Josef ist ein besonderes Kind - er spielt gerne Klavier, kommt nicht so gut mit anderen Kindern klar und liebt seine Familie. Die Familie zieht nach Wuppertal um und da ändert sich vieles für Josef. Josef trifft Mücke, spielt weiter Klavier und engagiert sich in der Kirche. In dem Buch geht es um einen Jungen mit besonderen Begabungen und wie er sein Leben meistert. Es wird beschrieben mit welchen Schwierigkeiten er hadert und wie es der Familie damit geht. Mir hat das Buch an sich sehr gefallen. Vermutlich geht es um ein Kind mit Autismus mit der einer hohen musikalischen Begabung und einem fotografischen Gedächtnis. Die Beschreibungen als solches hat mir sehr gut gefallen. Die Sprache war toll. Auch die Beschreibung was den Komposition ist, fand ich klasse. Zum Schluss war mir der Schreibstil etwas zu anstrengend. Es wird aus der Sicht des Jungen geschrieben und der kann viele Dinge nicht verstehen. Aber mit der gleichen Irritation bleibe ich als Leserin zurück. Handwerklich gut gemacht, aber ich bin allwissende Erzähler gewohnt und das ist für mich unbefriedigend. ;) Aber ansonsten war es ein interessantes und gutes Buch!

Schwebebahnen
Schwebebahnenby Hanns-Josef OrtheilLuchterhand