Kafkaesk.

Fallensteller - Wortakrobatik im uckermärkischen Labyrinth
Dieses Buch ist eine Sammlung von Geschichten, die sich alle um ein Thema drehen: Wie wir versuchen, die Welt und andere Menschen einzufangen. Der rote Faden ist dabei oft die Frage, wer hier eigentlich wen austrickst. Im Zentrum steht ein mysteriöser Gast, der in einem kleinen Dorf in der Uckermark auftaucht und behauptet, ein „Fallensteller“ zu sein. Er jagt aber keine Füchse, sondern scheint es auf die Sehnsüchte und Geheimnisse der Dorfbewohner abgesehen zu haben. Das Dorf wird so zur Bühne für skurrile Begegnungen. In anderen Teilen des Buches verlassen wir die Provinz: Wir begleiten zwei Freunde, die in der Fremde versuchen, mit absurden Geschäftsideen reich zu werden, oder beobachten einen alternden Magier, der den Unterschied zwischen seinen Tricks und der Wirklichkeit vergisst. Es geht um Menschen auf der Flucht, um die Suche nach Heimat und um den Versuch, sich im Leben einen Platz zu sichern, der nicht sofort wieder wegbricht. Die Erzählungen sind sprachlich brillant und stecken voller kleiner Beobachtungen, die den Alltag plötzlich magisch wirken lassen. Besonders stark ist der Humor: Er ist niemals platt, sondern schleicht sich leise an. Die Atmosphäre in dem uckermärkischen Dorf ist so dicht beschrieben, dass man den Staub der Landstraße fast riechen kann. Es ist faszinierend zu sehen, wie hier das Große im Kleinen verhandelt wird. Trotz der tollen Atmosphäre fühlt sich das Buch manchmal wie ein Puzzle an, bei dem ein paar Teile fehlen. Da die Handlung immer wieder wegspringt – von der Provinz zu einem anderen Ort oder in die Welt der Magie – verliert man leicht den Anschluss. Manche Passagen ziehen sich in die Länge, weil das Spiel mit der Sprache wichtiger wird als die eigentliche Geschichte. Wer wissen will, wie die Sache mit dem Fallensteller im Dorf konkret ausgeht, wird zudem mit einem recht offenen, fast schon flüchtigen Ende konfrontiert, das einen etwas ratlos zurücklassen kann. Fazit: Ein Buch für Genießer, die gerne zwischen den Zeilen lesen und sich an klugen Beobachtungen erfreuen. Wer eine kompakte Geschichte mit klarem Ziel sucht, könnte sich in diesen verzweigten Erzählwelten allerdings etwas verloren vorkommen. Von mir 7 von 10 P. (Band aus meinem Bestand)
Ein klassischer Stanisic
Stanisic hat eine Sprache und Stimme die seinesgleichen sucht. Seine Geschichten ziehen mich immer wieder in den Bann, so auch diese Sammlung von Kurzgeschichten. Manchmal so lustig, dass man laut auflachen muss, manchmal so traurig, dass man verstummt. Für mich eine der stärksten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Mit manchen Erzählungen konnte ich so gar nichts anfangen, ein paar haben mir wiederum sehr gut gefallen, daher insgesamt „nur“ 3 Sterne. Stanisics Sprache ist so einzigartig, manche Formulierungen so witzig, manche Bilder so traurig - ich hoffe, noch viel von ihm lesen zu können.



