
Als Miša erfährt, dass ihr Bruder Alan verschwunden ist, ist sie nicht sonderlich überrascht. Schon einmal hat er die Familie Hals über Kopf verlassen und ist aus dem tschechoslowakischen Žilina in den Westen geflohen. Erst nach der Wende hat die ganze Familie in Wien wieder zusammengefunden. Während Alan Medizin studiert hat, leidenschaftlicher Klinikarzt ist und mit der Diplomatentochter Nora zusammenlebt, sucht Miša nach einem abgebrochenen Studium immer noch nach dem richtigen Platz im Leben. Alan und Miša haben sich verändert und die einstige Vertrautheit zwischen den Geschwistern ist verlorengegangen. Werden sich die beiden in der neuen Umgebung wieder annähern? In Rückblenden und aus unterschiedlichen Erzählperspektiven erzählt „Wir werden fliegen“ von der Suche nach Heimat, Zugehörigkeit, Identität und den richtigen Platz im Leben. Melancholisch und trotzdem hoffnungsvoll zeigt Susanne Gregor die Verloren- und Zerrissenheit der beiden Geschwister auf, die unter anderen gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen aufgewachsen sind und nun unter ganz neuen Voraussetzungen klarkommen müssen. Susanne Gregor, die selbst als Kind in der damaligen Tschechoslowakei aufgewachsen und nach Österreich emigriert ist, weiß, wovon sie schreibt. Mit ihrer leisen, feinen und so poetischen Erzählweise zeichnet sie ein authentisches Familienporträt, lässt ihre Leser*innen an der komplizierten Geschwisterbeziehung teilhaben und vermittelt dabei durchweg dieses spürbare Gefühl des Fremdseins. Ein feinfühliger zeitgeschichtlicher Familien- und Migrationsroman, den ich unheimlich gern gelesen habe.




