Interessante Prämisse - bleibt aber hinter den Erwartungen zurück
Graebers Prämisse ist spannend: auf den Schiffen der Piraten und ihren Siedlungen auf Madagascar entstanden die Ideen der modernen Demokratie lange vor der französischen Revolution. Zu Beginn beschreibt Graeber die Organisation und den Mikrokosmos auf Hochseeschiffen im 17. Jhd., mit besonderem Augenmerk auf Piratenschiffe. Hier überzeugt er mit stringenter Argumentation und interessanten Hinweisen. Später konzentriert er sich auf die madagassischen Inseln und beschreibt die Ankunft der Piraten zunächst aus europäischer ("piratischer") Sichtweise und danach aus indigener. Dabei erfahren wir viel Zusätzliches über diese Zeit (gerade die Rollen der Frauen werden sehr differenziert und reflektiert dargestellt), aber er verliert etwas den roten Faden und die Prämisse aus den Augen. So überzeugt er denn auch am Ende nicht vollends mit seinen Schlussfolgerungen. Hält nicht ganz was es verspricht, aber Graeber zeigt eine sehr hohe Kompetenz in differenzierter und reflektierter Argumentation.
