28. Okt.
Rating:4.5

Das vorliegende Buch handelt nicht von dem Ende der Welt, sondern von den persönlichen sogenannten Enden der Welt des Roger Willemsen. Literarisch und philosophisch beschreibt der Autor ausführlich über Regionen und Menschen, das was andere vielleicht nur denken und nicht in Worte fassen können so detailliert, dass man sich sehr gut ein Bild machen kann, sowohl über die Landschaften (Eifel bis Nordpol)als auch über menschliche Beziehungenund Verhalten... Die Geschichten waren so intensiv und auch teilweise durch die Ausdrucksweise anspruchsvoll geschrieben, dass ich das Buch nicht durchgängig lesen, sondern immer wieder weglegen musste und daher über 2 Monate gebraucht habe es zu beenden.

Die Enden der Welt
Die Enden der Weltby Roger WillemsenFISCHER Taschenbuch
14. Apr.
Rating:4

Roger Willemsen hat die Enden der Welt bereist. Nicht „das Ende“, also womöglich unseren Antipoden, sondern verschiedene Punkte auf der Welt, die vermeintlich abgelegen, unwirklich, zumindest nicht touristisch erschlossen sind. Es beginnt in der Region, in der er aufwuchs, die Eifel, und geht dann Querbeet über alle Kontinente. Von wirklich geographischen Enden wie Patagonien, Kamtschatka und Südafrika, bis zu weit entfernten Orten wie Mandalay und Tongo und zu trostlosen Orten wie Minsk oder Bombay. Aber im Grunde ist es egal, wo Willemsen uns hinführt, denn es ist keine Hitliste der besten Enden der Welt, sondern vielmehr eine sehr subjektive Auswahl von Reisezielen eines rastlosen Intellektuellen. Das Buch erzählt selten Geschichten, sondern entwirft literarische Reisebilder, die in wohl formulieren Worten gemalt sind. Und das konnte Roger Willemsen halt auf unnachahmlicher Weise. Einerseits sind seine Satzkonstruktionen bewundernswert und seine Detailverliebtheit in den Beschreibungen beachtlich, andererseits stellten die Bilder auch eine Art textliche Reizüberflutung für mich dar, und so konnte ich das Buch nur häppchenweise lesen. Tatsächlich war es mein erstes Buch, das ich von ihm gelesen habe, denn ansonsten bewunderte ich ihn nur im Fernsehen, als Journalist oder live auf der Bühne. Für mich ist es immer noch ein großer Verlust, dass so ein intelligenter Mensch so früh von uns gegangen ist. Auch wenn das Buch sprachlich für mich auf höchstem Niveau war, kann ich doch keine fünf Sterne vergeben, denn letztlich kommt für mich aus den Berichten nicht deutlich genug hervor, warum er diese Reisen, genau an diese Orte gemacht hatte und welche Schlüsse er daraus zog. Wie kamen die Kontakte zu den Einheimischen zustande? Wie hat sich Willemsen gefühlt in den jeweiligen Situationen? Das war mir teils zu distanziert und zu sehr Reportage. Sollte es ein Buch übers Reisen sein? Wohl kaum, denn keiner von uns möchte ein Krankenhaus in Weißrussland besuchen. Ein Buch über andere Kulturen? Schon eher. Leider bekam ich nähere, für mich wichtige Informationen erst aus einem mit ihm geführten Interview auf der Website des Verlags. Diese Informationen hätte ich mir in den Texten gewünscht. Ehrlich gesagt, ich brauche die Enden der Welt nicht zu sehen, aber schön, dass Roger Willemsen mich daran teilhaben ließ.

Die Enden der Welt
Die Enden der Weltby Roger WillemsenFISCHER Taschenbuch