Wunderbar poetisch „Die Dunkelheit kommt früh, weil es Herbst wird. Unter den Pflaumenbäumen im hinteren Teil des Gartens ist das Licht schon grau; die Oder wird jetzt rosa und hellblau sein.“ „Liegenbleiben. Einfach Liegenbleiben, im Erschöpfungszustand, in der Schaukel zwischen Wachen und Träumen.“

Sommerhaus, später - „Später“, sagt man, und meint damit oft: nicht jetzt, vielleicht nie
Dieser Erzählband lebt von leisen Momenten und vom Weglassen. In neun Kurzgeschichten wird ein Milieu gezeigt, in dem Menschen einander nahekommen könnten, es aber nicht tun. Gespräche bleiben unvollständig, Beziehungen unverbindlich, Entscheidungen werden vertagt. Handlung im klassischen Sinn gibt es kaum – stattdessen dominiert eine dichte, melancholische Atmosphäre. Die Sprache ist reduziert, kühl und sehr präzise. Gerade diese Nüchternheit verstärkt die Wirkung der Texte. Vieles bleibt unausgesprochen, sodass ich zwischen den Zeilen lesen musste. Wiederkehrende Motive wie Stillstand, Beobachten statt Handeln und das Verpassen von Möglichkeiten verbinden die einzelnen Geschichten zu einem stimmigen Gesamtbild. Gleichzeitig fordert das Buch Geduld. Wer Spannung, klare Entwicklungen oder emotionale Nähe sucht, könnte sich distanziert fühlen. Die Figuren bleiben bewusst schwer greifbar, die Leere wird nicht aufgelöst, sondern ausgestellt. Das ist konsequent, aber nicht immer leicht zugänglich. Insgesamt ein literarisch starkes, ruhiges Buch, das eher nachhallt als mitreißt – und genau dadurch wirkt. Von mir 7 von 10 P.
4 ⭐️; interessante und lesenswerte Kurzgeschichten

Viel Raum für eigene Interpretationen
Wer kein Problem damit hat, dass nicht alles klar aufgelöst wird und viel Interpretationsspielraum mag, kommt hier auf seine Kosten. Die Geschichten wirken eher über Stimmung als über Handlung.
Schullektüre
Das Buch umfasst 9 Kurzgeschichten, die gar nicht oder nur lose zusammenhängen. Nicht alle Kurzgeschichten haben didaktisches Potenzial und sind für den Einsatz in der Schule geeignet. Sonja, Rote Korallen und Sommerhaus, später sind meiner Meinung nach in Klasse 8.-10. einsetzbar, aber es gibt bestimmt bessere Alternativen😅
Rote Korallen 2 Hurrikan 4 Sonja 4 Ende von Etwas 4 Bali-Frau 3 Hunter-Thompson-Musik 4 Sommerhaus, später 4 Camera Obscura 3 Diesseits der Oder 4 Nach der ersten Erzählung war ich recht enttäuscht, allerdings hat es sich dann sehr gesteigert.
Kühl und bestimmt begegnen mir beim Lesen Bilder, die hart an einem ziehen - teils abperlend teils absorbierend. Vor allem die Erzählung „Sonja“ gewichtet mit den eigenen Erinnerungen und Empfindungen, die aufkommen und mich mit eben diesem frostigen Tau bekleiden. Vor allem durch Unausgesprochenes sagt Judith Hermann so vieles und ihre kurzen Geschichten und deren Figuren bleiben manchmal unverstanden, doch sind niemals trivial. Manchmal musste ich allerdings etwas kämpfen.
Von Erzählungen bleibt bei mir selten der Inhalt in Erinnerung, meist nur das Gefühl. Von „Sommerhaus, später“ bleibt ganz viel! Großartig!
Habe irgendwie mehr erwartet
Insgesamt haben mir die Kurzgeschichten vor allem sprachlich sehr gut gefallen. Inhaltlich dachte ich mir oft, was mir die Geschichten nun sagen sollten. Einzelbewertung: Rote Korallen 2/5 Hurrikan 3/5 Sonja 4/5 Ende von Etwas 3,5/5 Bali-Frau 2/5 Hunter-Tompson Musik 3/5 Sommerhaus, später 3/5 Camera Obscura 4,5/5 Diesseits der Oder 4/5
Eine Sammlung von verschiedenen Kurzgeschichten. Einige Geschichten sind besser als andere, aber insgesamt sind die Geschichten in dem Buch nicht besonders mitreißend. Viele Geschichten wirken sehr zusammenhangslos und erzählen keine sinnvolle Geschichte oder sie lassen sehr viele Lücken offen.
2-3 Sterne Sehr durchwachsen, manche Erzählungen haben mir sehr gut gefallen (zB auch die titelgebende "Sommerhaus, später"), andere nicht so
Klar gefallen einige Geschichten mehr als andere, aber im Grunde habe ich alle gerne gelesen. Judith Hermann hat ihren eigenen Sound. Ich mag ihren Schreibstil und die Geschichten in diesem Buch.
Also irgendwas zwischen zwei und drei Sternen. Manche Geschichten waren ganz schön, andere aber auch ein bissi anstrengend weil ich überhaupt keinen Zugang zu ihrem Schreibstil gefunden habe
Der Kurzgeschichtenband "Sommerhaus, später" stellt Judith Hermanns Debüt dar und wurde bei Erscheinen 1998 als "Sound einer neuen Generation" (Karasek) hochgelobt. Die Autorin lässt ihre Figuren orientierungslos und auf eine eigenartige Weise abwesend durch die einzelnen Erzählungen wandeln. Ungebunden und gerade deswegen irgendwie verloren und einsam. Die Sprache ist recht einfach und beschreibt tendenziell lakonisch das Vordergründige. Die Essenz steckt zwischen den Zeilen und überkommt den Leser in schleichender Melancholie. Stark fand ich die titelgebende Erzählung "Sommerhaus, später", in der die Unverbindlichkeit einer zwanglosen Generation beschrieben wird und ein obdachloser Taxifahrer sich entscheidet, ein Sommerhaus außerhalb Berlins zu kaufen, vielleicht um etwas zu schaffen, das bleibt - so zumindest meine Interpretation. In einer anderen Geschichte begegnet der alte, vereinsamte Hunter Tompson einer jungen Frau, die ihn aus der Bahn wirft, wo er doch mit der Welt bereits abgeschlossen hatte. Auch "Hurrikan (Something farewell)" konnte ich einiges abgewinnen, in der zwei Frauen ihren Freund Kaspar im karibischen Ferienparadies besuchen - und dann ist da noch der stille Cat, der einfach nur da ist und wartet, während sich ein Hurricane der Küste nähert. Mit anderen Geschichten konnte ich etwas weniger anfangen, wie das bei solchen Sammlungen ja oft der Fall ist. Trotzdem mag ich Judith Hermanns Erzählstil sehr, habe auch "Daheim" geliebt, und nun bereits ein Auge auf die anderen Romane und Erzählungen von ihr. Das Gras unter ihren nackten Füßen ist stachelig und hart. Eine Fußsohle wie Cat möchte ich haben, denkt sie, wie eine Schale, und kein Schritt tut mehr weh. (S. 51)













