25 ganz neue Perspektiven
Eine Frau stirbt. Unterernährt, inmitten ihrer Mitbewohner. Hätten diese ihr helfen sollen, helfen können, helfen müssen? Wir kennen alle Romane aus verschiedenen Erzählperspektiven, aber noch nie habe ich dies so faszinierend, intensiv und teilweise auch originell gelesen wie in dem Buch von Gerda Blees. Da sind nicht nur die üblichen Verdächtigen, wie Geschwister oder Eltern, sondern auch rein gedankliche und dann welche, die man so wirklich nicht erwartet, wie den Kugelschreiber oder den Entsafter. Das klingt erst mal verwirrend und vielleicht auch nicht ganz zum Ernst nehmen? Ist es aber definitiv nicht. Im Gegenteil, mir brachten gerade die Alltagsgegenstände oder auch das Haus, der Tatort, die Geschichte sehr nahe. Es lässt einen beim Lesen beobachten, man schaut zu, wie sich das Leben der WG entwickelt, wie es zu dieser tödlichen Abhängigkeit kommt - nicht einmal unbedingt die Abhängigkeit zu Melodie, sondern viel mehr zu der Abhängigkeit an einen Irrglauben, ohne den die vier (und später nur drei) nicht mehr Leben können. Als nicht sehr spirituelle Person hat mich immer schon fasziniert, wie ganz normal gebildete Menschen, z. B. an so einen Humbug wie Lichtnahrung glauben können; Gerda Blees macht dies durch ihre ungewöhnliche Art des Erzählens sehr plastisch sichtbar. Mich haben die Einblicke in die Lebensrealitäten der Vier tief berührt und wie drei von ihnen dabei in ihrer Labilität massiv manipuliert werden. Und gerade nach dem letzten Kapitel stellt sich dann auch die Frage, ob Elisabeths Tod nicht die einzige Möglichkeit zur Flucht war …


















