
Schmerzhaft, ehrlich und hautnah. Tamara Bach greift in diesem Jugendroman wieder eine sensible, aber leider auch alltägliche Thematik auf, welche sie feinfühlig und nahbar aufbereitet. Ihre Ausführungen sind greifbar und nah am Leben, aber vor allem wird hier nichts beschönigt oder verharmlost. "Honig mit Salz" erzählt von einem Sommerurlaub ohne Sommergefühle, weil eben auch im Urlaub nicht immer alles schöner, besser und bunter ist. Manchmal kommt das Leben mit harten und unausweichlichen Tatsachen dazwischen. Die Geschichte ist ernst und melancholisch, aber auch nicht immer, denn manchmal scheint auch alles gut zu sein, unbeschwert und zuckersüß wie Lipgloss mit Melonengeschmack - Bittersüß wie "Honig mit Salz". Tamara Bach schreibt in kurzen Sätzen mit wenig Worten und sagt damit so, so viel. Ihr Schreibstil ist einfach und schmucklos, geradezu sachlich und kalt, aber er transportiert dabei umso mehr. Die Geschichte wird aus Sicht der 13-jährigen Ari in der dritten Person Singular erzählt, deren Gedanken und Gefühle für mich trotz der eher unpersönlichen Erzählperspektive mehr als greifbar waren. Sie wurden beim Lesen lebendig und nagten an mir. Ich konnte ihren Schmerz fühlen als wäre es mein eigener. Die Worte der Autorin treffen messerscharf bis tief auf den Grund und lösten damit unheimlich viel in mir aus. Jedes Wort scheint mit Leichtigkeit sehr bewusst an eine bestimmte Stelle gesetzt zu sein, um seine maximale Wirkung zu entfalten. Tamara Bach's Schreibstil ist auf den Punkt gebracht, wahrhaftig und frappierend authentisch. Manchmal muss man ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, aber es ist alles da, nichts fehlt und alles tut weh. Bei "Honig mit Salz" geht es nicht um die Handlung, sondern um den Moment und wie sich dieser anfühlt. Die Geschichte hat kein aufregendes Plotting, sondern spielt mitten im Leben. Wir erleben hier einen Ausschnitt von Ari's Leben, nicht mehr und nicht weniger. Der Handlungsrahmen ist kurz und knackig, ein Kapitel pro Urlaubstag, die Geschichte kurzweilig und doch unglaublich aussagekräftig und vielschichtig. Das Buch geht unter die Haut und lässt nicht mehr los, weil es eben so nah am Leben ist, realistisch und irgendwie normal, vertraut. Man fühlt sich beim Lesen verstanden und gehört, was diese Geschichte unheimlich wertvoll und absolut lesenswert macht, und zwar nicht nur für Jugendliche. 5/ 5 Sterne ⭐️


